Foxconn-Aktie: Apple-Zulieferer geht bei Börsengang durch die Decke

Foxconn-Aktie: Börsengang in China bricht alle Rekorde. Anleger greifen euphorisch zu und sorgen für kräftiges Kursplus (Foto: Francesco Marino - Fotolia)

Die Erwartungen der Anleger waren hoch und wurden mehr als erfüllt. Immerhin hatte der Apple-Zulieferer Foxconn den größten Börsengang in China seit drei Jahren angepeilt. Beim Börsendebut am vergangenen Freitag legte der chinesische Technologieriese einen absoluten Traumstart aufs Parkett. Die Papiere schossen am ersten Handelstag um 44% in die Höhe.

Börsenwert klettert auf über 60 Milliarden Euro

Angeboten wurden 1,97 Milliarden Aktien der Industrie-Tochter des Apple-Zulieferers Foxconn zu je 13,77 Yuan (umgerechnet 1,83 Euro). Das entsprach rund 10% der Anteile an Foxconn Industrial Internet. Am ersten Börsentag kletterten die Papiere bis auf 19,83 Yuan nach oben. Damit erreichte der Börsenneuling einen beeindruckenden Marktwert von umgerechnet 61 Milliarden Euro. Knapp ein Drittel der Aktien sicherten sich internationale Technologieunternehmen wie Baidu, Alibaba und Tencent, die sich zu einer dreijährigen Haltefrist verpflichteten.

Apple-Abhängigkeit soll verringert werden

Der Börsengang der Firma hat einen einfachen und einleuchtenden Grund. Foxconn will seine starke Abhängigkeit vom Smartphone-Riesen Apple verringern und in neue Geschäftsbereiche vordringen.

Derzeit ist die Foxconn-Tochter vor allem auf elektronische Geräte und Industrie-Roboter spezialisiert. Mit dem eingenommenen Geld will der Konzern vor allem in Trendthemen wie die neue Mobilfunktechnik 5G investieren. Zugleich soll der Bereich mit Cloud Computing und intelligenten Fabriken ausgeweitet werden. Sie müssen wissen: Zum Kundenportfolio des Konzerns gehören zahlreiche Technologiegrößen wie Apple, Amazon, Cisco, Dell, Huawei , HPE, Nvidia, Nokia und Lenovo.

Massive Investitionen geplant

Für die geplante Technologieoffensive kann der Konzern das eingeworbene Geld gut gebrauchen. Alleine eine geplante Display-Fabrik in den USA schlägt mit 10 Milliarden Dollar Investitionsvolumen zu Buche. Im vergangenen Jahr erzielte Foxconn Industrial laut Börsenprospekt einen Umsatz von 354,5 Milliarden Yuan, gegenüber 272,7 Milliarden Yuan im Vorjahr. Das sind ungefähr 55 Milliarden Dollar und ist in etwa soviel wie der Medienriese Walt Disney oder der Technologiekonzern HP erwirtschaftet.

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Der Nettogewinn verbesserte sich unterdessen von 14,4 Milliarden auf 15,9 Milliarden Yuan.

Foxconn immer wieder unter Kritik

Die Muttergesellschaft Foxconn ist einer der größten Arbeitgeber in China. Der taiwanesische Elektronikkonzern Foxconn beliefert sie alle: Er fertigt Teile für die iPhones von Apple und die Galaxy-Smartphones von Samsung und beispielsweise auch für Spielekonsolen von Sony. Seine Produktion findet maßgeblich in China statt, dort stehen viele Foxconn-Fabriken.

Neben der viel zitierten Kritik wegen miserabler Arbeitsbedingungen und Dumpinglöhne machte der Konzern wegen seiner massiven Automatisierungspläne auf sich aufmerksam. Bereits im vorletzten Jahr erregte Foxconn die Aufmerksamkeit als die Firma in einer einzigen Fabrik die Mitarbeiterzahl von 110.000 auf 50.000 reduzierte. Mehr als die Hälfte der Belegschaft wurde durch Roboter ersetzt.

„Menschlose“ Fabrik geplant

Die damals kommunizierten Pläne waren zugleich beeindruckend wie auch beängstigend. In der ersten Phase sollen Roboter vor allem Tätigkeiten übernehmen, die menschliche Mitarbeiter nicht ausführen wollen oder die zu gefährlich sind. In Phase zwei würden ganze Produktionslinien automatisiert, in der dritten Phase dann schließlich ganze Fabriken. Mittlerweile befinden sich über 50.000 Roboter bei Foxconn im Einsatz. Foxconn selbst stellt die Industrieroboter her und baut jährlich mehr als 10.000 der schlauen Helfer.

Weitere Börsengänge in den Startlöchern

Wie lange die Euphorie um den Börsengang der Foxconn-Tochter anhält, wird sich noch zeigen müssen. Fest steht aber, dass der Sprung auf das Parkett mit Sicherheit nicht der letzte war. Das die Platzierung in Shanghai über die Bühne ging ist ein Beleg für die zunehmenden Bemühungen der Regierung, Börsengänge von Technologieunternehmen im Inland durchzuführen. Sie können daher davon ausgehen, dass wir in naher Zukunft weitere spannende Neuzugänge auf dem Börsenparkett sehen werden.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.