Fracking-Aktien: Wie es nach dem massiven Kursverfall weitergeht

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Fracking-Aktien: Wie sich Anleger nach dem Kurskollaps verhalten sollten. Ölpreiskollaps bringt Fracking-Branche in Bedrängnis. Vor allem die Schuldenlast sorgt für schlechte Stimmung (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Die Kurskapriolen beim Ölpreis gehen in die nächste Runde. Nach dem Ölpreiskollaps am Montag sorgte die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, einen Einreisestopp für Reisende aus Europa in die USA einzuführen, für weiter stark nachgebende Ölpreise am Donnerstag. Kurz zum Hintergrund: Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus wird die USA ihre Grenzen für Ausländer aus Europa für eine Dauer von zunächst 30 Tagen schließen. Ausgenommen sind Reisende aus Großbritannien.

Die Ankündigung brachte den Ölpreis weiter ins Taumeln. Was die Autofahrer beim Tanken freuen wird, schafft auf der anderen Seite eindeutig auch große Verlierer – die sogenannten Fracking-Unternehmen in den USA. Die Kurse der Schieferöl-Konzerne rauschten in den vergangenen Tagen massiv in den Keller. Die Kursrückgänge seit dem 19. Februar sind zum Teil dramatisch (Contintenal Resources: -68%; Chesapeake Energy: -80%; Apache: -73%; EOG Resources: -54%; Diamandback Energy: -69%). Wer auf dem deutlich ermäßigten Kursniveau über einen Kauf der Aktien nachdenkt, sollte sich die Marktsituation erst einmal genauer ansehen. Denn der vermeintliche Schnäppchenkauf könnte sich als hochriskantes Investment entpuppen.

Preissturz könnte länger anhalten

Auslöser des drastischen Preisverfalls am Montag war ein Streit zwischen Mitgliedern der Opec, insbesondere Saudi-Arabien, und Russland um Ölfördermengen. Angesichts der sinkenden Nachfrage infolge der Coronavirus-Krise drängt Saudi-Arabien auf Produktionskürzungen, was Russland aber ablehnt.

Dabei scheint Russland aus wirtschaftlichen und geopolitischen Gründen darauf zu wetten, dass sich die amerikanischen Fracking-Unternehmen künftig nicht mehr so einfach und so günstig refinanzieren kann wie in der Vergangenheit und dass sie ihre Tätigkeit einschränken oder gar einstellen müssen. Auf diese Weise würde sich nicht nur der Markt bereinigen, sondern Russland würde seine Marktstellung wieder stärken.

Preisverfall bringt Fracking-Unternehmen in Bedrängnis

Der Ölpreiskollaps bringt nun die gesamte Fracking-Branche in Bedrängnis. Zum Hintergrund: Fracking Firmen sind Unternehmen, die in den vergangenen Jahren die amerikanische Förderung auf ein Rekordniveau gesteigert haben, indem sie lange bekannte Erdölfelder mit modernster Technologie neu „beackert“ und im Boden verbliebene Reserven gehoben haben.

Wichtig zu wissen: Weniger als 10% der Schieferölfirmen erwirtschaften Gewinne.  Auf dem aktuellen Preisniveau ist die Produktion in den meisten Ölfeldern nicht mehr profitabel. Zuletzt ist der Ölpreis für die WTI auf das niedrigste Niveau seit vier Jahren abgesackt.

Laut Experten dürfte auf diesem Preisniveau die Anzahl der Insolvenzen bei den Firmen in die Höhe schießen. Laut Angaben der norwegischen Beratungsfirma Rystad Energy würden von 100 Fracking Firmen bei einem Ölpreis von unter 27 Dollar lediglich 4% noch Gewinne erwirtschaften.

Auf Grund hoher Schulden mit dem Rücken zur Wand

Hinzukommt, dass die meisten Fracking Firmen zum Teil extrem hoch verschuldet sind. Zahlreiche Ölproduzenten haben die kapitalintensive Fracking-Fördermethode mit hochverzinslichen Anleihen finanziert. Gerade die Bedienung der Anleihen könnte nun im Zuge des Preisverfalls zum echten Problem werden. Davon gehen zumindest die Anleihegläubiger aus. Die Kurse der ausstehenden Bonds sind in den letzten Tagen regelrecht implodiert. Anleger preisen inzwischen eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit der Anleihen ein.

Fazit: Vor dem Hintergrund des Marktumfelds, der Bilanzstruktur der Fracking-Firmen sowie der mittelfristigen Perspektiven sollten sich auch Aktienanleger des extrem hohen Kursrisikos der bewusst sein.

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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