Francotyp-Postalia hat Stress mit dem Großaktionär Obotritia Capital

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Francotyp-Postalia hat Stress mit seinem Großaktionär. Dabei läuft es derzeit richtig rund. (Foto: Freedomz / shutterstock.com)

Das Aktiengesetz sollte kennen, wer sich darauf beruft. Ansonsten könnte es peinlich werden. Genau diesen Eindruck hat aber der Serial-Entrepreneur Rolf Elgeti hinterlassen, den meisten bekannt als Vorstandschef des MDax-Konzerns TAG Immobilien und versierter Start-Up-Investor, als er am vergangenen Wochenende über seine Beteiligungsgesellschaft Obotritia Capital KGaA die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung bei Francotyp-Postalia Holding verlangt hat.

Klare Regelung im Aktiengesetz

Zur Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung sind Aktionäre, die zusammen mindestens 5% des Grundkapitals halten, berechtigt, sofern sie hierfür ausreichend wichtige Gründe angeben können. Solche sieht die Rechtsprechung vor allem in unvorhergesehenen und unerwarteten Ereignissen als gegeben an.

Damit eine außerordentliche Hauptversammlung auch genehmigt wird, muss überdies ersichtlich werden, warum ein Aufschub des beanstandeten Themas bis zur nächsten ordentlichen Hauptversammlung unter keinen Umständen zu vertreten ist. Schließlich ist eine außerordentliche Hauptversammlung nicht nur mit einem erheblichen Zeit- und Kostenaufwand verbunden, sondern am Kapitalmarkt auch mit einer eher negativen Aufmerksamkeit.

Da Obotritia Capital an Francotyp-Postalia, einem international tätigen Hersteller von Frankiermaschinen, Falzmaschinen und Kuvertiermaschinen, mit rd. 20,7% beteiligt ist, ist das erste der genannten Kriterien schon mal erfüllt. Skurril wird es dagegen, wenn man sich die Begründung vornimmt, die Obotritia Capital für die HV anführt: Nur ein Tagesordnungspunkt soll zur Beschlussfassung behandelt werden: Das Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Andreas Günther aus dem Vorstand, da „ihm die Hauptversammlung das Vertrauen entzogen hat”.

Gar nicht zuständig

Skurril ist das Verlangen aus dreierlei Gründen. Zum ersten, weil in der Begründung vorweggenommen wird, was die Hauptversammlung erst noch entscheiden soll. Mathematiker bezeichnen eine solche Begründung als Tautologie. Sie verstehen darunter eine allgemein gültige Aussage, die aus logischen Gründen immer wahr ist. So wie „Wenn es regnet, dann regnet es“.

Zum zweiten, weil die Hauptversammlung für die Bestellung oder Entlassung eines Vorstands formell gar nicht zuständig ist. Nach dem Aktiengesetz obliegen diese Pflichten allein dem Aufsichtsrat. Der Vorstand wird von der Hauptversammlung entlastet oder auch nicht, aber eben nicht gewählt oder abgewählt.

Deutliche Ergebnissteigerung im dritten Quartal

Zum dritten, weil Francotyp-Postalia operativ wieder auf Kurs liegt. Nachdem die letzten Jahre nicht immer überzeugend verlaufen waren, konnte Francotyp-Postalia im vergangenen Jahr die Ertragswende schaffen und die Umsatz- und Ertragslage von Quartal zu Quartal immer weiter verbessern.

Nach neun Monaten konnte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA), bereinigt um positive Währungseffekte und Aufwendungen für das Restrukturierungsprogramm „JUMP“, um 19,9% auf 22,0 Millionen Euro gesteigert werden. Dementsprechend wurde auch die Gesamtjahresprognose bestätigt, wonach das Unternehmen bei leicht über dem Vorjahresniveau liegenden Umsätzen mit einer starken Verbesserung der Ertragslage rechnet.

Insofern mutet es schon beinahe rührend an, wie das Management auf die wenig schmeichelhaften Vorwürfe seines Großaktionärs reagiert. Zwar sei eine Veränderung im Vorstand zum derzeitigen Zeitpunkt und unter Berücksichtigung der aktuellen strategischen Projekte weder im Interesse des Unternehmens oder seiner Aktionäre”, kommentiert Francotyp-Postalia den Vorstoß. Jedoch nehme man die Sorgen der Aktionäre ernst, so das Unternehmen weiter, und wolle daher prüfen, ob die geplante ordentliche Hauptversammlung nicht schon zu einem früheren Termin als dem 17. Juni abgehalten werden könne.

Das Tischtuch ist also nicht zerschnitten. Vielmehr scheint man sich zusammensetzen zu wollen. Alles ein großes Missverständnis also? Dem Aktienkurs scheint das ganze Brimborium gut zu tun. Seit Jahresanfang liegen die Aktionäre knapp 12% im Plus.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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