Franken-Aufwertung in der Schweiz: Die Verlierer

Am deutschen Aktienmarkt war heute ein ruhiger Tag. Der Leitindex DAX kletterte leicht auf 10.257 Punkte. Die Anleger warten gespannt auf die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag.

Vorab reagiert hat am vergangenen Donnerstag bereits die Schweizer Notenbank mit der Freigabe des Franken-Kurses. Nachdem ich Ihnen gestern an dieser Stelle von den Gewinnern der Franken-Aufwertung berichtet habe, widme ich mich heute der anderen Seite der Medaille – nämlich den (wahrscheinlichen) Verlierern.

Ich denke, dass es Sie nicht überraschen wird, wenn ich sage, dass diese nahezu ausschließlich in der Schweiz zu finden sind. Wer die möglichen Verlierer sind, erfahren Sie jetzt.

In der Schweiz gibt es kurzfristig fast nur Verlierer

Damit Sie eine Vorstellung davon bekommen, welche Auswirkungen sich nach der Franken-Aufwertung für die Schweizer Wirtschaft ergeben könnten, jetzt die aktuelle Wachstumsprognose der Schweizer Großbank UBS.

Die Analysten von UBS gehen derzeit davon aus, dass die Schweizer Wirtschaft im Jahr 2015 nur 0,5 statt – wie bisher angenommen – um 1,8% wachsen wird. Mit derart drastischen Konsequenzen rechne ich persönlich allerdings nicht. Mehr dazu gleich.

Bei der Beantwortung der Frage, welche Branchen besonders von der Franken-Aufwertung betroffen sind, helfen die Ergebnisse einer Umfrage, die die Experten der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich bereits vor der überraschenden Aufhebung der Kursgrenze durch die Schweizer Notenbank durchführten.

Zu den Ergebnissen: Die Umsätze des Maschinenbaus, der Automobilzulieferer, der Chemie- und Pharmaindustrie, der Hotellerie sowie des Textilgewerbes sind besonders betroffen.

Die zugrundeliegende Überlegung ist simpel: Die Aufwertung des Frankens zum Euro und zum Dollar schmerzt Unternehmen besonders, wenn die Unternehmen einen hohen Kostenblock in der Heimat haben und einen Großteil der Erlöse im Ausland erzielen.

Tourismusbranche ist der größte Verlierer der Franken-Aufwertung

Dazu zählt vor allem das Schweizer Gastgewerbe. Mit Einnahmen aus dem Ausland von knapp 16 Mrd. Franken zählt die Branche zu den größten Dienstleistungs-Exporteuren. Der Sektor hatte schon bei einem Franken-Kurs von 1,20 mit der Konkurrenz aus Österreich und Italien zu kämpfen.

Sollte der Franken nahe der Parität zum Euro (also bei einem Wechselkurs von nahezu 1:1) verharren, wird es für die Tourismusbranche in der Schweiz noch viel schwieriger. „Die Telefone haben sofort aufgehört zu läuten und vor allem die Onlinereservierungen sind plötzlich ausgeblieben“, sagte Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus.

Laut einer Studie der Uni Bern bleiben bei einem Preisanstieg von 10% etwa 9% der Gäste aus Deutschland und Frankreich weg. Bei Gästen aus den Niederlanden beträgt das Minus sogar 17%.

Neben der Schweizer Tourismusbranche zählen vor allem auch die Einzelhändler in den Grenzregionen zu den großen Verlierern. Denn die Schweizer Bürger in den Grenzregionen werden vermehrt außerhalb der Schweiz einkaufen. Somit trifft es unterm Strich vor allem „die Kleinen“.

Größere Schweizer Unternehmen leiden nur kurzfristig

Die größeren Schweizer Unternehmen werden aus meiner Sicht zumeist nur kurzfristig unter der Franken-Aufwertung leiden, da diese Mittel und Wege finden werden, sich dieser Problematik zu entziehen.

So zum Beispiel das Schweizer Unternehmen Swatch. Denn: Konzern-Chef Nick Hayek hat bereits angekündigt, dass Swatch nun mehr Maschinen im Ausland kaufen will, um die Folgen der Franken-Aufwertung für die Gewinnmarge des Unternehmens zu begrenzen.

Andere Schweizer Großkonzerne überlegen, die Bilanzwährung zu wechseln (zum Beispiel US-Dollar statt Franken), oder die Konzernzentrale zu verlegen. Je größer und internationaler ein Unternehmen, desto mehr Ausweichstrategien gibt es.

Wie oben geschrieben: Die großen Verlierer sind die Unternehmen, die zu klein sind, um auf die Franken-Aufwertung reagieren zu können.

Fazit für Sie als Anleger: Kurzfristig herrscht Verkaufsdruck an der Schweizer Börse. Wenn sich der Frankenkurs eingependelt hat, wird sich der Markt beruhigen. Nach Vorlage der 2015er-Prognosen (inklusive Wechselkurseffekt) bieten sich sogar gezielte Schweiz-Käufe an, wenn der Aktienkurs vorab zu stark gelitten hat.

20. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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