Franklin Templeton will Rivalen Legg Mason für 4,5 Milliarden Dollar schlucken

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Konsolidierung in der Fondsbranche nimmt weiter an Fahrt auf: Franklin Templeton legt 4,5 Milliarden für Rivalen Legg Mason auf den Tisch (Foto: zhaoliang70 / Shutterstock.com)

Die Meldung kam wie ein Paukenschlag. Franklin Templeton will den Rivalen Legg Mason schlucken und damit zum sechstgrößten Asset Manager der Welt aufsteigen. Ende 2019 verwaltete Franklin $698 Milliarden, während sich Legg Mason um $804 Milliarden Assets kümmerte. Zusammen kommen beide Firmen also auf gut 1,5 Billionen Dollar.

Die Intention hinter dem Deal liegt auf der Hand: Beide Gesellschaften kämpfen mit einem schwachen Neugeschäft und erodierenden Margen. Statt aktiv verwaltete Fonds auszuwählen, bevorzugen US-Investoren häufig Indexfonds und kehren somit auch den Fusionspartnern den Rücken. Das machte sich zuletzt auch im Aktienkurs negativ bemerkbar. Trotz des 25%-igen Kurssprungs von Legg Mason liegt die Aktie auf Fünfjahressicht 14% im Minus und notiert fast zwei Drittel unter ihrem Höchstkurs aus dem Jahr 2006.

Noch schwächer fiel die Performance von Franklin Resources, der Gesellschaft hinter Franklin Templeton, aus. Auf Sicht der letzten fünf Jahre haben die Papiere die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

Hohe Einsparungen in Sicht

Mit dem Deal entsteht nach den US-Adressen BlackRock, Vanguard, Fidelity Investments, Capital Group und der französischen Amundi die sechstgrößte Fondsgesellschaft der Welt. Dabei soll der Zusammenschluss zusätzliche jährliche Einsparungen von 200 Millionen Dollar ermöglichen. Vor allem Synergien im Vertrieb und bei Konzernfunktionen sollen dazu beitragen.

Übernahmeprämie von 23%

Im Rahmen des Deals haben sich beide Firmen auf einen Übernahmepreis von 50 Dollar je Legg Mason-Aktie geeinigt. Damit liegt die Offerte 23% über dem Schlusskurs vor Bekanntgabe der Übernahmemeldung und bewertet den Konzern mit 4,5 Milliarden Dollar. Die kalifornische Firma stemmt die Übernahme des Rivalen aus Baltimore aus eigenen Mitteln und übernimmt Schulden in Höhe von 2 Milliarden Dollar. Franklin Resources will den Kauf komplett als Bartransaktion stemmen.

Aktivistischer Investor macht Druck

Der wichtigste Aktionär steht bereits hinter der geplanten Übernahme und dürfte einer der Treiber hinter dem Deal sein. Schon im Mai hatte Trian Fund Management mit dem Einzug von Firmenchef Nelson Peltz und Investmentchef Ed Garden in das Board von Legg Mason einen Sparkurs angestoßen. Innerhalb weniger Tage nach dem Kauf des Anteils ließ Legg Mason bereits den Rotstift kreiseln und gab den Abbau von 12% seiner Belegschaft an.

Legg Mason-Fondstöchter bleiben bestehen

Auch nach dem Zusammenschluss wollen die Gesellschaften am sogenannten „Affiliate“-Modell von Legg Mason festhalten. Unter dem Firmendach verbirgt sich eine Struktur aus mehreren Fondsmarken wie beispielsweise dem Anleihespezialist Western Asset, dem Aktienspezialisten Clear Bridge oder dem Immobilieninvestor Clarion Partners. Lediglich das alternative Fondshaus Entrust wird aus der Gruppe herausgelöst. Das Geschäft mit individuellen Kundendepots, ein weiteres Geschäftsfeld von Legg Mason, bleibt hingegen im Konzernverbund.

Kaum Überlappungen

Analysten begrüßen die Fusion. Vor allem die geringe Überlappung der Geschäftsfelder findet Gefallen. Während Franklin Templeton eher auf private Sparer ausgerichtet ist, bedient Legg Mason überwiegend institutionelle Investoren. Der Fokus auf das US-Geschäft bleibt mit 70 % nahezu unverändert. Beide Häuser sind aber auch in Europa vertreten.

Exposure im ETF-Markt

Zugleich verschafft der Deal Franklin auch Exposure im jungen Markt für nicht transparente aktive ETFs. Vor allem die Beteiligungstochter Precidian ist in diesem Markt aktiv. Sie müssen wissen: Legg Mason hatte Anfang Februar eine Mehrheitsbeteiligung an Precidian Investments übernommen, das den ersten von der SEC genehmigten nicht transparenten aktiven ETF entwickelte.

Konsolidierung dürfte sich weiter fortsetzen

Mit dem Milliarden-Deal nimmt die Konsolidierung in der Fondsbranche deutlich an Fahrt auf. Nach dem Zusammenschluss von Janus und Henderson, Standard Life und Aberdeen oder jüngst Jupiter und Merian finden sich mit Templeton und Legg Mason zwei weitere Traditionsfirmen zusammen. Auf Grund des hohen Kostendrucks und der zunehmenden Konkurrenz durch passive Investments dürfte der Deal aber definitiv nicht der Letzte gewesen sein.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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