Frankreich am Schulden-Pranger: Rating-Gefahr bleibt

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Rating-Agenturen werden reagieren: Frankreich gibt zu viel aus. Die Gefahr greift auf Anleihen und Zertifikate über (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die neue Frankreich-Gefahr kennen Sie nur dann, wenn Sie regelmäßig auf diesen Seiten lesen. Eindeutig schießen sich Medien und Politik auf Südeuropa ein – und nicht auf Frankreich, das denselben Weg geht wie Spanien, Portugal und Griechenland. Nur langsamer, wie wir sehen. Die Rating-Agenturen aber werden sich Einiges nicht gefallen lassen.

Die Schulden in Frankreich steigen. Das Rating der Franzosen steht noch bei “AAA”, nicht mehr lange jedoch. Wer Zertifikate oder andere Anleihen besitzt, läuft bald Gefahr, dass die Kurse sinken. Daher warnen wir rechtzeitig.

81,7% Schulden

Frankreich hat derzeit 81,7% Schulden vom “Bruttoinlandsprodukt” (BIP). Die Schmerzgrenze liegt bei 80%, danach verlieren Staaten inzwischen nach und nach die Bestnote der Rating-Agenturen. Dies sieht auch der internationale Währungsfonds (IWF) so, der davor warnt, das Rating von “AAA” würde demnächst sinken.

Statt Sparbemühungen meldet Paris jedoch immer weiter steigende Schulden. 25% alleine in den vergangenen 4 bis 5 Jahren (bis das Jahr 2011 abgeschlossen ist). Dies entspricht einer jährlichen Mehrverschuldung von ungefähr 4,8%. Die Eurozone selbst erlaubt offiziell nur 3% Anstieg.

Zum Vergleich: Deutschlands Schulden stehen bei 83,2% vom BIP. Auch hier also brennt die Lunte bereits. Solide Staaten aber wie etwa Finnland haben eine Schuldenquote in Höhe von 48,4%.

Alte Volkswirtschafts-Weisheit: 90% absolute Grenze

Noch sind diese Schulden in den Augen der Politik vergleichsweise harmlos. Griechenland strebt inzwischen eine Quote von knapp 150% vom BIP an. Die USA sind nahe an 100%. Aber: Volkswirte haben in Studien nachgewiesen, dass der “Point-of-no-return”, nach dem fast immer ein Staatsbankrott kommt, bei 90% vom BIP liegt.

Auf diesem Weg ist Frankreich zur Zeit schneller als Deutschland. Noch spricht darüber fast niemand. Fangen die Rating-Agenturen aber damit an, auch die großen Staaten wie Frankreich herabzustufen, werden Anleihen-Kurse in Europa stark stürzen. Dies ist jetzt schon klar, da das Vertrauen in Anleihen dann massiv sinkt.

Achtung: auch Zertifikate sind Anleihen. Vor allem Garantie-Zertifikate auf Anleihen oder Renten-Indizes werden dann während der Laufzeit noch stärker verlieren als ohnehin schon. Discount-Zertifikate werden unsicherer. Hedge-Fonds-Zertifikate verlieren. Die Gebühren werden steigen – schon, weil die “CDS”, die Versicherungskosten explodieren.

Kurz: Mittelfristig werden Anleihen weiter verlieren. Auch dank Frankreich.

  • Nach Spanien wird Frankreich ein Dominostein in der Eurozone sein. Ohne einen Zusammenbruch. Es reicht, dass Rating-Agenturen sich die Bilanzen ansehen.
  • Die Verschuldungsquote liegt über der kritischen Grenze von 80%: 81,7%.
  • Die Tendenz zeigt: fast 5% mehr Schulden kommen jährlich oben drauf.
  • Der IWF (internationale Währungsfonds) warnt bereits.

GeVestor meint: Es wird keinen raschen Zusammenbruch in Frankreich geben. Nur: senken die Rating-Agenturen die Noten, werden auch für Frankreich Neuschulden teurer. Dies greift über auf die gesamte Anleihe-Landschaft von Zertifikaten bis zu Staatsanleihen. Frankreich wird zur Gefahr für Zinspapiere. Ein weiterer Grund für Sie, eher auf Aktien und Immobilien zu setzen.

Die Mühle der Schulden mahlt – jetzt immer schneller. Frankreich ist nur ein Baustein. Wir empfehlen konkret: ziehen Sie deutsche Standardaktien französischen Unternehmen vor. Die müssen bald mit Steuererhöhungen rechnen. Also: besser eine deutsche Versicherung als eine französische.

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Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.