Frankreich-Wahl: Das Finanzkapital jubelt

Am vergangenen Sonntag entschieden die Franzosen bei der Präsidentschaftswahl unter anderem auch über die Zukunft der Europäischen Union.

Denn sie straften die EU-hörigen aber etablierten Parteien allesamt ab: Der konservative und der sozialistische Kandidat schafften es nicht einmal in die Stichwahl.

Das gab es noch nie in Frankreich.

Stattdessen lieferten sich der unabhängige linksliberale Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen ein hauchdünnes Rennen. Am Ende schafften es beide in die Stichwahl am 7. Mai 2017.

Gewinnt der „französische Kennedy“ die Stichwahl?

Dennoch wurde und wird diese krachende Niederlage der etablierten Parteien in unserem Nachbarland hierzulande politisch und auch medial verharmlost.

Vielmehr wird nun Macron, der schon als der „französische Kennedy“ bezeichnet wird, nicht nur hofiert, sondern von den europäischen Volksparteien unterstützt.

Le Pen: Nach dem Brexit ein Frexit?

Wenn Marine Le Pen Präsidentin werden würde, dann wäre das gleich mit dem Aus der EU. Denn sie strebt einen ganz anderen Kurs, als die etablierten Parteien an.

Sie will raus aus dem Euro und auch über den Verbleib in der Europäischen Union abstimmen lassen.

Dann würde nach dem Brexit auch ein Frexit drohen. Das personifizierte Grauen für die Eurokraten.

Deshalb kündigte die Ratingagentur Standard & Poor’s bereits vor einiger Zeit an, dass sie im Falle des Euro-Austritts von Frankreich umgehend die Zahlungsunfähigkeit des Landes erklären würde.

Banken freuen sich über Macrons Erfolg

Der ehemalige Wirtschaftsminister unter Francois Hollande, Emmanuell Macron, hingegen steht für eine wesentliche Fortsetzung der Politik des Noch-Präsidenten.

Paradoxerweise hat aber gerade dieser Weg das Land in eine der größten Krisen der letzten Jahrzehnte getrieben. Dennoch sind die Banken über den Erfolg des europafreundlichen Macrons, es bis in die Stichwahl geschafft zu haben, hoch erfreut.

Die Märkte sind zunächst erleichtert

Auch der Euro legte nach Bekanntwerden des Ergebnisses zu, erreichte mit 1,0940 den höchsten Wert seit fünf Monaten.

Daran sehen Sie, dass auch die Märkte über Macrons Erfolg erleichtert sind.

Alle Umfragen für Macron bei der Stichwahl

Selbst die Umfragen kurz nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl sprechen einen klare Sprache: Demnach sagen sie Macron bei der Stichwahl gegen Le Pen eine Zwei-Drittel-Mehrheit vorher.

Aber Vorsicht: Erinnern Sie sich daran, dass es auch bei der US-Präsidentschaftswahl solche Vorhersagen für Hillary Clinton gab, der Kandidatin der Demokraten. Am Ende jedoch siegte der Republikaner Donald Trump. Und das sehr klar.

Investmentbanker Emmanuel Macron

Zurück nach Frankreich: Erleichtert sind die Banken auch, weil es einer von ihnen bis in die Stichwahl geschafft hat. Denn Emmanuel Macron war früher Investmentbanker.

Zunächst jedoch arbeitete er ab 2005 als Finanzdirektor im öffentlichen Dienst, sprich im Finanzministerium.

Danach ging er zu der wirtschaftsliberalen Denkfabrik im Pariser Institut Montaigne.

26. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

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