Französische AXA kauft XL Group

AXA kauft Konkurrent XL für 15,3 Mrd. Dollar. Investoren reagieren mit Verkäufen. (Foto: pixinoo / shutterstock.com)

Das Übernahme-Karussell in der Finanzbranche gewinnt merklich an Schwung. Zu Wochenbeginn kommt es zu einem Deal jenseits der 10 Mrd. Dollar-Grenze: Die französische AXA Gruppe will den US-amerikanischen Konkurrenten XL übernehmen und legt dafür 15,3 Mrd. Dollar auf den Tisch.

Die Übernahme sei eine einmalige Chance, teilte AXA mit. Denn mit der auf Schadens- und Rückversicherungen ausgerichteten XL können die Franzosen ihre Abhängigkeit vom Lebensversicherungsgeschäft und der Vermögensverwaltung reduzieren. Zugleich verbessert die Übernahme die bereits starke Position der AXA im US-Markt weiter.

AXA-Aktie verliert bis zu 10%

Während der strategische Nutzen der Transaktion von Analysten und Investoren verstanden wird, wird angezweifelt, ob die XL Group wirklich das viele Geld wert ist. Die Synergien sind zwar mit 400 Mio. Dollar jährlich hoch, dennoch ist der Übernahme-Kandidat vergleichsweise teuer und lastet der Versicherung einen hohen Schuldenberg auf.

Daher reagieren viele Investoren heute mit Verkäufen auf den Deal. An der Heimatbörse in Paris gerät die AXA-Aktie stark unter Druck und steht kurz vor Handelsschuss 9,3% auf 22,72 Euro.

Mit dem Kurssturz sind die Gewinne der vergangenen 12 Monate passé – obwohl die Branchenkollegen im gleichen Zeitraum teils zweistellig zulegen konnten.

Hat auch die Allianz geboten?

Dass die AXA einen hohen Preis für XL zahlt könnte darauf hindeuten, dass es mehrere Interessenten gab. Anfang Februar berichtete der in Übernahme-Sachen stets gut informierte Nachrichten- und Datenanbieter Bloomberg, dass auch der deutsche Branchenprimus Allianz ein Auge auf die XL Group geworfen hatte.

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Gut möglich, dass die Deutschen beim Preis eine größere Disziplin hatten als die AXA. Insidern zufolge sei man in der Konzernzentrale nicht sonderlich besorgt, dass der französische Konkurrent sich mit der XL Group zusammentut.

Aktionäre des Übernahme-Kandidaten die großen Gewinner

Der Deal ist zwar noch nicht wasserdicht, doch das XL-Management empfiehlt die Angebotsannahme und mit Blick auf den Übernahme-Preis dürfte die Zustimmung der Aktionäre reine Formsache sein. Die AXA bietet 57,60 Dollar je Aktie, was gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag einem Aufschlag von 33% entspricht.

An der New Yorker Heimatbörse  steigt das Papier am Mittag auf 55,90 Dollar. Die kleine Kurslücke zum Angebotspreis ist ein Hinweis darauf, dass der Markt eine reibungslose Übernahme erwartet.

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Mit dem jetzigen Deal und der Übernahme von Validus durch die AIG im Volumen von 5,5 Mrd. Dollar ist klar, was aktuell favorisiert wird: Sachversicherungsunternehmen. Dieser Bereich interessiert auch die Allianz, doch der Unternehmensboss Oliver Bäte hält die Ziele aktuell für zu teuer und Großübernahmen sogar für gefährlich.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob sich die Allianz einer Übernahme-Welle in der Branche entziehen kann. In der Pharma-Branche haben die Konzerne am meisten geblutet, die mit der gleichen Argumentation (Ziele zu teuer) an der Seitenlinie blieben. Vermutlich wird Bäte in den sauren Apfel beißen müssen und dennoch zukaufen.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.