Französische Scor lehnt Covea-Offerte ab – Übernahme-Chance bleibt groß

Scor lehnt eine erstofferte von covea ab. doch der interessent dürfte noch einmal zurück kommen. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Der französische Rückversicherer Scor ist in das Visier des größeren Branchenkollegen Covea geraten. Dieser legte kürzlich ein 8,2 Mrd. Euro schweres Übernahme-Angebot auf den Tisch.

Doch die Antwort des Übernahme-Kandidaten auf die Covea-Avancen kam prompt: Die Offerte spiegele nicht den fairen Wert des Unternehmens angemessen wider.

Covea wiederum scheint sich davon nicht beeindrucken zu lassen. Das Übernahme-Angebot wurde zwar zurückgezogen, doch man sei weiterhin an einem einvernehmlichen Deal interessiert.

Scor-Aktie steigt auf Mehrjahreshoch

Die Aussicht auf eine womöglich höhere zweite Offerte hat die Investoren heute bei der Scor-Aktie zugreifen lassen. An der Heimatbörse in Paris verteuert sich die Aktie um 8,7% auf 38,50 Euro und damit auf den höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt.

Die Hoffnung auf eine aufgestockte Offerte ist durchaus berechtigt. Nicht selten liegt das Erstangebot unter dem Preis, der bei einer späteren freundlichen  Übernahme gezahlt wird. Das erste Angebot ist meist ein Testballon, um herauszufinden, wie offen der Übernahme-Kandidat für einen Deal ist und was die Investoren darüber denken.

Zugleich wird das Management unter Druck gesetzt, da neue Investoren die Aktie mit der Absicht kaufen, sie an den Bieter – oder an einen noch kommenden unbekannten Dritten – weiter zu verkaufen. Scor ist jetzt „im Spiel“.

Prämienhöhe sagt nichts über Angemessenheit einer Übernahme-Offerte aus

Covea bot in der ersten Angebotsrunde den Scor-Aktionären 43 Euro je Aktie. Der Preis beinhaltete eine hohe Prämie von 21% auf den Aktienkurs. Doch die Höhe der Prämie allein sagt nichts darüber aus, ob ein Angebot auch angemessen ist.

Sie setzt das Angebot nur grob in das Verhältnis zu anderen Deals in der Branche. Entscheidende Faktoren sind der operative Gewinn, die Synergien und die Zukunftsperspektive.

So kommt nicht nur das Scor-Management zu dem Ergebnis, dass die Offerte zu niedrig ausfällt, sondern auch die Investmentbank Jefferies, die ein Angebot zwischen 45 und 46 Euro für angemessen hält.

Übernahme-Sensor prognostiziert Übernahme zu 43 Euro plus X je Aktie

Bei der Scor-Aktie lohnt sich für interessierte Leser trotz der heute positiven Kursreaktion auch auf dem höheren Kursniveau ein genauerer Blick. Dass der Rückversicherer demnächst übernommen wird, ist aus Sicht des Übernahme-Sensors kein Nebenszenario, sondern sehr wahrscheinlich.

Ebenfalls wahrscheinlich ist, das Covea den Zuschlag erhält. Der Versicherer ist nach einer Anteilsaufstockung vor 2 Jahren bereits mit 8,2% investiert, hatte die Finanzierung schon stehen und hat strategische Gründe für einen Deal. Denn die Prämieneinnahmen würden sich dadurch verdoppeln und das Geschäft auf eine breitere Basis gestellt.

Es wäre jetzt auch keine Überraschung, wenn Covea im Buhlen um Scor nicht alleine bleibt. Finanzinvestoren sind in der Branche zuletzt sehr aktiv gewesen und werden weitere Deals einfädeln wollen. Dass nach dem Covea-Vorstoß mal ein Blick auf Scor geworfen wird, ist anzunehmen.

Der Übernahme-Sensor rechnet mit einer Scor-Übernahme zu einem Kurs von 43 Euro + X je Aktie. (Möglicher Interessenskonflikt: Keine Kaufempfehlung. Ich besitze keine Scor-Aktien).


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.