Fremdwährungskonten: Trügerische Sicherheit

Trügerische Sicherheit handeln Sie sich ein, wenn Sie Geld auf hiesigen Fremdwährungskonten anlegen. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Euro-Krise und US-Schuldenstreit – täglich erreichen uns neue Horrormeldungen, die darüber berichten, wie schlecht es um die Währungen steht. Daher sind Fremdwährungskonten aktuell beliebter denn je.

Im Fokus der Sparer stehen vor allem Schweizer Franken und Norwegische Krone. Aber Vorsicht: Von diesen Währungsinvestments kann nur dringend abgeraten werden. Denn es gibt massive Gründe, die dagegen sprechen, dass diese Währungen ihrem Ruf als sichere Fluchtburgen gegen eine drohende Geldentwertung gerecht werden.

Der Euro ist weiterhin stark

Allen Befürchtungen zum Trotz erweist sich der Euro jedoch weiterhin als stark. Seit zwölf Monaten haben ihm gegenüber nur drei Währungen aufgewertet: Der Schweizer Franken, die schwedische Krone und der australische Dollar.

Zeitgleich haben zehn der wichtigsten Währungen deutlich zum Euro verloren. Am stärksten der US-Dollar mit rund 18 %.

Es gibt folglich keine Krise der europäischen Gemeinschaftswährung. Zumindest gegenwärtig nicht. Angeschlagen sind dagegen die Staatsanleihen.

Die Refinanzierung bei den schwachen Euro-Staaten ist das eigentliche Problem. Den Euro als Zahlungsmittel tangiert das nicht.

Griechenland-Krise bringt andere Länder zum Sparen

Während alles nach Griechenland schaut, haben andere Länder des Euro-Raums mit dem Sparen begonnen. Das öffentliche Haushaltsdefizit wird dort 2011 voraussichtlich 4,3 % der Wirtschaftsleistung betragen. Von der 3-%-Marke ist das noch weit entfernt.

Im Vergleich stehen die Euro-Länder aber durchaus gut da. In den USA, Großbritannien und Japan sind in diesem Jahr mehr als 10 % Staatsdefizit zu erwarten.

Das erklärt zugleich, warum der Euro an den internationalen Devisenmärkten eine gefragte Währung ist. In seiner Funktion als Zahlungsmittel für die Handels- und Zahlungsbilanz steht er nicht unter Druck. Das heißt: Von dem Vertrauensverlust, den viele Deutsche verspüren, kann aus internationaler Sicht keine Rede sein.

Fremdwährungskonten: Nicht erforderlich

Der Euro bleibt den Europäern als Währung erhalten und erfüllt alle Aufgaben, die er erfüllen muss. Das habe ich an dieser Stelle wiederholt geschrieben. Die bisherige Entwicklung gibt mir Recht.

Das kann nicht gutgehen: Fremde Währungen im eigenen LandZur Stärkung des eigenen Landes wurde in der Vergangenheit häufiger eine starke Fremdwährung importiert. Das Beispiel Ecuador zeigt: Das kann nicht gutgehen. › mehr lesen

Dennoch weiß ich, dass gerade viele ältere Leser dem Euro gegenüber sehr skeptisch eingestellt sind. Deshalb habe ich zu Investitionen in Gold oder auch in Schweizer Franken als Sicherheitssockel geraten. Zwischenzeitlich hat der Schweizer Franken aber stark aufgewertet. Auch der Goldpreis ist sehr hoch.

Solange der Euro Stärke zeigt, sehe ich keinen Grund, vorhandene Sicherheitssockel aufzustocken. Etwa 10 bis 15 % des verfügbaren Vermögens sollten eine angemessene Größenordnung bleiben.

Fremdwährungskonten bieten nicht die erwünschte Sicherheit

Trügerische Sicherheit handeln Sie sich ein, wenn Sie Geld auf hiesigen Fremdwährungskonten anlegen. Fremdwährungskonto, auch Währungskonto genannt, ist ein Konto bei einer inländischen Bank, die auf eine andere Währung als den Euro lauten, zum Beispiel auf Schweizer Franken.

Fremdwährungskonten werden vor allem zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs mit dem betreffenden Ausland geführt. Sie vermindern das Wechselkursrisiko und erleichtern bargeldlose Zahlungen. Die Gebühren für ein solches Konto sind allerdings beträchtlich. Rechnen Sie pro Jahr durchaus mit Entgelten von 100 Euro oder mehr.

Nur die Konten selbst werden in diesen Währungen geführt. Zinsschwankungen können beträchtlich sein. Konteninhaber machen alle Wechselkursschwankungen mit. Geld verdient an diesen Konten nur die Bank.

Wird ein Konto aufgelöst, zahlt Ihnen die Bank keine Schweizer Franken oder Norwegischen Kronen aus. Die Rückzahlung erfolgt in Euro auf Basis der dann gültigen Wechselkurse.

Aktien: Bessere Alternative zu Fremdwährungskonten

Um es auf den Punkt zu bringen: Von Fremdwährungskonten sollten Sie sich lieber fernhalten, gerade weil die relative Entwicklung einer Währung zur anderen sich nicht prognostizieren lässt.

Die bessere Alternative, um sich vor einer drohenden Inflation zu schützen, sind Sachwerte wie Aktien und Immobilien.

Aktien bieten sogar die Möglichkeit einer doppelten Absicherung: Zum einen, weil sie für sich gesehen schon einen  Sachwert darstellen. Zum anderen, weil Aktiengesellschaften in fremden Währungsräumen Ihnen zusätzlich die gewünschte Risikostreuung in Bezug auf die Währung. Denn Sie brauchen sich beim Aktienkauf nicht auf den Euroraum zu beschränken.


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Von: Dr. Erhard Liemen. Über den Autor

Dr. Erhard Liemen ist Chefredakteur verschiedener, international renommierter Informationsdienste. Seit 1996 betreut er den angesehenen und erfolgreichen Dienst "Der Deutsche Wirtschaftsbrief".