Fresenius-Aktionäre jubeln: Akorn-Übernahme wohl endgültig vom Tisch

Gerichtsentscheid zur Akorn-Übernahme. Fresenius-Aktionäre jubeln, Akorn-Aktionäre erleiden heftigen Tagesverlust. (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Vor etwas mehr als 4 Monaten schrieb ich Ihnen hier im Übernahme-Sensor zur damals laufenden Übernahme des US-amerikanischen Generika-Herstellers Akorn durch den deutschen Gesundheitskonzern Fresenius.

Die Überschrift lautete damals „150% Gewinnchance und doch kein Kauf“. Wer die vermeintliche Gewinnchance liegen ließ und meiner Einschätzung, die Akorn-Aktie nicht zu kaufen folgte, kann sich heute freuen. Denn die Übernahme wurde abgeblasen.

Bevor ich gleich auf die Meldung des heutigen Tages eingehe, zunächst ein kurzer Rückblick: Fresenius kündigte im Jahr 2016 eine Einkaufstour an, mit dessen Hilfe der Unternehmensgewinn bis 2020 auf 2,7 Mrd. Euro anschwellen sollte. Teil der Strategie war eine Übernahme des Generika-Herstellers Akorn, die mit 4,4 Mrd. Euro der zweitgrößte Deal in der Unternehmensgeschichte gewesen wäre.

Nach der Deal-Ankündigung tauchten jedoch anonyme Hinweise auf, dass Akorn gegen Vorgaben der US-Gesundheitsbehörde verstoßen habe und bei der Medikamentenentwicklung falsche Angaben machte.

Fresenius ging den Hinweisen nach und entschied sich dann im April dieses Jahres, den Deal wegen Betrug und Datenfälschung platzen zu lassen – Akorn wiederum klagte auf einen Abschluss des Deals zu den vorher vereinbarten Konditionen.

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Nachdem Fresenius den Deal hat platzen lassen, war die Akron-Aktie deutlich unter die Räder gekommen und notierte zu dem Zeitpunkt als ich letztmals über dieses Thema schrieb bei 13,70 Dollar und damit über 20 Dollar unter dem von Fresenius gebotenen Übernahme-Preis. Wer zu dem Zeitpunkt noch auf einen Deal gesetzt hätte, wäre im Idealfall also ein Gewinnpotenzial von fast 150% gekommen.

Gerichtsentscheid zur Akorn-Übernahme

Doch nach dem heutigen Gerichtsurteil ist die zuvor schon geringe Chance auf eine Übernahme weiter gesunken. Der Court of Chancery in Delaware, USA, hat heute die Klage von Akorn, Inc. gegen Fresenius auf Vollzug der Übernahmevereinbarung vom April 2017 abgewiesen. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Die Reaktion an der Börse fiel jedoch heftig aus: Die Fresenius-Aktie war mit einem Plus von 8,5% größter Tagesgewinner im DAX und die Akorn-Aktie sackte um über 50% auf unter 6 Dollar ab. Ende Mai schrieb ich Ihnen, dass In den schlimmsten Szenarien ein Akorn-Kurs von 5 Dollar vermutet wird. Davon sind wir nicht nun nicht mehr weit entfernt.

Darüber hinaus schrieb ich: „Wer also auf einen Deal setzt, könnte über 60% seines Einsatzes verlieren wenn die Übernahme nicht kommt.“ Für diejenigen, die auf den Deal gesetzt haben, ist dieses Szenario nun leider eingetreten. Es zeichnete sich jedoch ab, dass die Übernahme platzen würde.

Zwar ist der Deal noch nicht endgültig vom Tisch, da das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, doch die Wahrscheinlichkeit sich hier die Finger zu verbrennen ist noch einmal deutlich gestiegen. Daher sollten Sie lieber auf  Deals mit besserem Chance/Risiko-Verhältnis setzen.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.