Fresenius: Mega-Deal treibt Aktie auf neues Allzeithoch

Die Meldung kam wie ein Paukenschlag: Gerade einmal 2 Monate im Amt, fädelt der Vorstands-Chef Stephan Sturm den größten Deal der kompletten Firmengeschichte (Gründung: 1912) ein.

Der hessische Gesundheits-Konzern will Quironsalud, den größten privaten Klinik-Betreiber Spaniens, in einem Milliarden-Deal schlucken.

An der Börse kam die Nachricht jedenfalls richtig gut an: Die Fresenius-Aktie legte mit einem Kursplus von 6% kräftig zu. Damit markieren die Papiere ein neues Allzeithoch.

Die Anleger können sich freuen: Auf Sicht der vergangen 5 Jahre summieren sich die Zuwächse auf über 270%.

5,76 Mrd. € für spanische Klinik-Kette

Gerade einmal 2 Jahre ist es her, da übernahm der Fresenius-Konzern in einer milliardenschweren Transaktion 40 Häuser der Rhön-Gruppe. Jetzt legt der Gesundheits-Konzern mit einer 5,7 Mrd. schweren Offerte in Spanien nach.

Das Objekt der Begierde, Quironsalud, betreibt mit rund 35.000 Mitarbeitern insgesamt 43 Kliniken, 39 ambulante Gesundheits-Zentren sowie 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheits-Management.

Bei geplanten Erlösen von etwa 2,5 Mrd. € peilt die Klinik-Kette einen Betriebs-Gewinn (EBITDA) zwischen 460 und 480 Mio. € an. Im nächsten Jahr soll sich das EBITDA bereits auf 520 – 550 € verbessern.

Verkäufer sind die Beteiligungs-Gesellschaft CVC sowie die Geschäftsführung der Klinik-Kette. Victor Madera, Mitgründer und Chef von Quironsalud, soll auch nach der Übernahme an Bord bleiben.

Um ihm die Wartezeit zu versüßen, begibt Fresenius Aktien im Wert von 400 Mio. € an Madera, die er mindestens 2 Jahre halten muss. Der Rest des Kaufs wird durch Fremdkapital finanziert.

Fresenius-Sparte Helios bekommt Verstärkung

Was für ein Brocken die Übernahme ist, zeigt Ihnen ein Blick auf die eigenen Krankenhaus-Aktivitäten des Fresenius-Konzerns:

Mit seinen 112 Kliniken erzielte die Fresenius-Sparte Helios im vergangenen Geschäftsjahr Erlöse von 5,6 Mrd. € und einen Überschuss von 483 Mio. €.

Mit dem Zukauf wagt Fresenius den 1. Schritt ins europäische Ausland mit seiner Klinik-Sparte.

Quironsalud ist europaweit die Nr. 4 und zeigte in den letzten Jahren kontinuierliches Wachstum. Aus eigener Kraft legten die Spanier ein Umsatz-Wachstum von über 5% pro Jahr hin.

Mit dem Zusammenschluss peilt Firmenchef Sturm jährliche Einsparungen von 50 Mio. € an. Bereits im kommenden Jahr soll der Deal dann deutlich positiv zum Konzern-Ergebnis beitragen.

Markt in Spanien hat Aufhol-Potenzial

Warum Fresenius zu dem Mega-Schritt in Spanien ansetzt, liegt auf der Hand: In Spanien steckt die Konsolidierung auf dem Krankenhausmarkt noch in den Kinderschuhen.

Die 5 größten Klinik-Betreiber besitzen in Spanien gerade einmal 25% der Häuser. Für Sie zum Vergleich: In Deutschland liegt der Anteil bei 93%.

Auch die Anzahl der Betten pro Krankenhaus sowie die Gesundheits-Ausgaben pro Kopf sind im europaweiten Vergleich extrem niedrig.

Zugleich geht die Konzernführung von Fresenius davon aus, dass weitere Neugründungen und Erweiterungen von bestehenden Krankenhäusern in Spanien für zusätzliches Wachstum sorgen könnten.

Übernahme strategisch sinnvoll

Für die Kliniken legt Fresenius das 10,8-fache des Betriebs-Gewinns auf den Tisch.

Dafür erhalten die Hessen einen etablierten Krankenhaus-Konzern, der in allen wichtigen Ballungszentren in Spanien vertreten ist und zugleich über langfristige Verträge mit Öffentlich-Privaten Partnerschaften zum Betrieb der Kliniken verfügt.

Die Planungssicherheit für Fresenius ist damit vergleichsweise hoch. Bei den Analysten stieß der Zukauf durchweg auf positives Feedback.

Die Wachstums-Story mit Hilfe von Übernahmen (Umsatz von 2002 – 2015 von 7,5 Mrd. € auf 27,62 Mrd. € gesteigert) dürfte damit noch lange nicht zu Ende sein (keine Kaufempfehlung!).

8. September 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Jens Gravenkötter. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt