Fresenius zieht Akorn-Offerte zurück: Übernahme-Kandidat reicht Klage ein

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Fresenius bläst die Akorn-Übernahme ab. Der Übernahme-Kandidat sieht das als Vertragsbruch und zieht vor Gericht. (Foto: Fresenius SE & Co. KGaA)

Vor 14 Tagen hatte Ihnen der Übernahme-Sensor drei Übernahme-Kandidaten vorgestellt, bei denen ein Engagement ein schlechtes Chance-Risiko-Verhältnis aufweist.

Ein kurzer Rückblick zeigt, dass die damaligen Einschätzungen zu NXP, Viacom und Akorn garnicht so verkehrt war. Die NXP-Aktie notiert heute fast 10% tiefer, die Viacom-Aktie notiert ebenfalls tiefer.

Mit großem Abstand wäre jedoch ein Engagement beim Übernahme-Kandidaten Akorn nach hinten losgegangen. Gestern gab der DAX-Konzern Fresenius bekannt, dass er die 4,3 Mrd. Dollar schwere Übernahme-Offerte zurückzieht. Die Akorn-Aktie kommt daraufhin unter die Räder und kostet heute zu Handelsbeginn in den USA 34% weniger als zum Zeitpunkt der Warnung.

Mit Akorn zu den 2020er-Zielen

Der Gesundheitskonzern Fresenius wollte den Generika-Hersteller Akorn eigentlich kaufen, um den Wachstumskurs zu stärken. 2016 kündigte der damals noch neue Unternehmensboss Stephan Sturm eine Einkaufstour an.

Akorn wäre mit 4,4 Mrd. Euro der zweitgrößte Zukauf der Firmengeschichte gewesen, erst kurz vorher verkündete der Konzern die Übernahme der spanischen Krankenhauskette Quironsalud für 5,8 Mrd. Euro.

Die Akorn-Übernahme war Teil der Fresenius-Strategie, den Unternehmensgewinn bis 2020 auf 2,7 Mrd. Euro zu steigern.

Damokles-Schwert schwebte seit Monaten über der Übernahme

Dass Fresenius bei Akorn die Reißleine ziehen wird, wurde bereits seit Längerem befürchtet. Nachdem frühzeitig die Geschäftsenzwicklung eintrübte, kam es hinterher zu einem anonymen Hinweis, dass Akorn gegen Vorgaben der US-Gesundheitsbehörde verstieß und bei der Medikamentenentwicklung falsche Angaben machte.

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Fresenius hielt dem Übernahme-Kandidaten verbal zwar die Stange, leitete allerdings zugleich eine unabhängige Prüfung der Vorwürfe ein. Heute heißt es, dass dabei Verstöße gefunden wurden.

Akorn will den vollen Übernahme-Preis juristisch durchsetzen

Akorn wurde die Möglichkeit gegeben, die diesbezüglich eingeleitete eigene Untersuchung abzuschließen und sich zu erklären, doch der Übernahme-Kandidat lehnte ab.

Viel mehr noch: Akorn kündigte juristische Schritte ein und pocht auf Vertragserfüllung. Es gebe keinen Grund, den Deal zu stoppen. Die eigene Prüfung ist zwar noch nicht abgeschlossen, bislang habe man aber nichts wesentlich Neues gefunden, heißt es. Zudem sei die Prüfung oder das Ergebnis keine Vollzugsbedingung. Einzig die Freigabe durch die Wettbewerbsbehörden würde noch fehlen.

Trotz Kurssturz und 150%-Chance: Akorn-Chance-Risiko-Profil weiterhin unattraktiv

Fresenius teilte nicht mit, was man gefunden hat. Der Kurssturz von über 30% zeigt jedoch, dass sich die Investoren durchaus vorstellen können, dass es etwas Größeres ist, was den Deal dann auch juristisch abgesichert platzen lassen wird.

Es gibt zwar jetzt Spekulationen, dass es im Zuge des anstehenden Rechtsstreits eine Einigung zu einem tieferen Übernahme-Preis geben wird, doch das ist aus Sicht des Übernahme-Sensors für eine positive Investitionsentscheidung zu wenig.

Sie sollten sich da nicht vertun: Obwohl die Aktie mit aktuell 13,40 Dollar 60% unter dem Fresenius-Angebotspreis notiert, ist ein Engagement hochgradig riskant.

Denn wenn es am Ende keinen Deal gibt – was nicht unwahrscheinlich erscheint –  dann kann die Aktie auch noch weiter fallen. In den schlimmsten Szenarien werden Akorn-Kurse von 5 Dollar vermutet. Wer heute einsteigt, kann also schon demnächst 60% seines Einsatzes verloren haben.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.