Frühindikator: Wie Sie die ifo-Daten zu Ihrem Vorteil nutzen

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Trump, China, Brexit, Feinstaub – behalten Sie noch den Überblick, warum die Börsen gestern rauf und heute runter gehen? Wenn Sie nicht im Stundentakt oder kürzer handeln, brauchen Sie sich darüber gerade beim DAX gar keine Gedanken machen. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Trump, China, Brexit, Feinstaub – behalten Sie noch den Überblick, warum die Börsen gestern rauf und heute runter gehen? Wenn Sie nicht im Stundentakt oder kürzer handeln, brauchen Sie sich darüber gerade beim DAX gar keine Gedanken machen. Das oft erwähnte Big Picture zeigt nämlich auch das Geschäftsklima des ifo-Instituts. Dieser Wert ist ein Durchschnitt aus zwei verschiedenen Daten und zwar wie Unternehmen die Lage einschätzen.

Einerseits geht es um die derzeitige Geschäftslage. Diese ist für die befragten Unternehmen zu bewerten. Andererseits sollen sie einschätzen, wie die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate aussehen. Das Klima ist damit ein Mix aus aktueller Lage und der Vorausschau für das nächste halbe Jahr.

Die Idee dahinter: Die Ergebnisse lassen sich in einer Art Konjunktur-Uhr abbilden. Daraus können Sie als Anleger sofort ablesen, in welchem der vier Abschnitte wir uns in Deutschland gerade befinden. Den Zyklus kennen Sie bestimmt: Rezession – Aufschwung – Boom – Abschwung.

Spannend ist hierbei, dass wir nicht alle fünf Minuten auf unser Handy schauen müssen. Der Klimaindex wird nur einmal im Monat veröffentlicht. Wer auf lange Sicht tradet, hat hier also einen optimalen Überblick. Damit Sie auch sehen, wie eine derartige ifo-Uhr aussehen kann, hat die DekaBank die ifo-Daten graphisch verarbeitet.

ifo-Uhr: DAX befindet sich wieder im Abschwung

Im Januar 2009 startet die Grafik mitten in der Rezession. Jeder folgende Punkt ist ein Monat. Im August 2009 überschritten wir die Schwelle Richtung Aufschwung. Acht Monate später befanden wir uns schon im Boom. Dieser hielt extrem lange an, wobei das „Top“ aus Sicht der Erwartungen wiederum acht Monate nach Eintritt in den Boom erreicht wurde. Seitdem krallten wir uns im oberen rechten Feld fest.

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Seit Januar 2019 befinden wir uns wieder im Abschwung. Das hatten wir davor auch schon einmal. Dann hat die Wirtschaft allerdings noch die Kurve bekommen. Diesmal ist der Abschwung sogar auf höherem Niveau der Geschäftslage. Die Fallhöhe ist dadurch natürlich größer, denn diese Werte besagen eins: Aktuell geht es uns sehr gut (35 Punkte Geschäftslage), allerdings befürchten wir, dass wir in einem halben Jahr mit schrumpfenden Umsätzen rechnen müssen (ca. -4 Geschäftserwartungen).

Je größer diese Differenz wird, desto härter wird der Aufschlag, wenn wir tatsächlich in die Rezession laufen. Bis dahin ist es glücklicherweise noch ein weiter Weg. Wir benötigen dafür schrumpfenden Umsatz bei gleichzeitig negativen Erwartungen. Davon sind wir noch deutlich entfernt. Dennoch: Deutschland wird aktuell offenbar von dem Dienstleistungssektor oben gehalten. Die Industrie befindet sich je nach Berechnung schon in der Rezession.

Daran sind logischerweise auch die Strafzölle der USA auf deutsche Autobauer beteiligt. Der Brexit hilft auch nicht – selbst, wenn das Thema wieder einmal verschoben wurde und die Medien das zum Teil als Erfolg für Theresa May feiern.

Fazit

Auch wenn die Indizes momentan noch keine deutliche Schwäche ankündigen und der DAX erst diese Woche neue Jahreshochs ausbilden konnte – es wird allmählich Zeit vorsichtiger zu agieren. Wer jetzt noch in den DAX einsteigt, gehört in der Regel zu den Amateuren, die langfristig Geld verlieren. Seien Sie cleverer! Warten Sie mit hoher Cashquote lieber auf neue Signale, als jetzt dem großen Geld hinterherzulaufen. Es ist dann meistens schon zu spät.  Vermutlich bringt der März neue Impulse und daraus können wir dann wieder sinnvolle Trades ableiten. Aktuell ist das im DAX noch nicht möglich.


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.