Für den Ölpreisanstieg gibt es viele Gründe

Seit rund einem Jahr sind die Preise für die Ölsorten WTI und Brent gestiegen. Die meisten Marktteilnehmer rechnen für 2018 mit einer Seitwärtsbewegung. (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Seit Anfang 2017 sind die Preise für die Ölsorten WTI und Brent unter großen Schwankungen um jeweils 18% auf 63,80 $ respektive 67,30 $ pro Barrel gestiegen.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Am 30. November, an diesem Tag stand der Ölpreis bei 57 $, hatten sich die OPEC und Russland auf eine Verlängerung der Förderkürzung geeinigt. Bis Ende 2018 sollen weiterhin pro Tag 1,8 Mio. Barrel Öl weniger produziert werden. Verantwortlich für den folgenden Preisanstieg waren aber auch Spekulanten an den Terminbörsen, politische Spannungen in der Golfregion, der Abbau von Lagerbeständen und nicht zuletzt Wechselkurseffekte. Denn wenn der US-Dollar abwertet, steigt der Ölpreis und umgekehrt.

Anfang Februar wurde die Preisrally aufgrund von Gewinnmitnahmen der Spekulanten kurzfristig unterbrochen. Die Ölpreisschätzungen für 2018 bewegen sich zwischen 55 und 70 $ pro Barrel. Trotz der OPEC-Beschlüsse und der robusten Nachfrage im Zuge des weltweiten Konjunkturaufschwungs rechnen die meisten Marktteilnehmer mit einer Seitwärtsbewegung innerhalb einer Range von 60 und 65 $.

OPEC-Beschlüsse können ins Leere gehen

Wohin die Reise mittelfristig geht, ist schwer einzuschätzen. Selbst wenn sich die OPEC konsequent an ihre Beschlüsse hält, könnte das Angebot steigen. Zu bedenken ist, dass die OPEC und Russland nur für rund die Hälfte der weltweiten Ölproduktion stehen. Wenn andere Staaten wie die USA und Brasilien die Produktion hochfahren, werden die Bemühungen der OPEC zunichtegemacht. Es droht erneut ein Überangebot und damit ein Preisverfall.

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Die OPEC selbst geht davon aus, dass die USA ihre tägliche Fördermenge bis 2021 von aktuell 10 auf 12 Mio. Barrel steigern werden. Schon jetzt machen die USA angesichts des günstigen Preisumfelds mit ihrem Schieferöl kräftig Druck und sind bereits zum weltweit größten Ölproduzenten aufgestiegen. Ein möglicher Preisverfall würde kaum schaden. Dank einer verbesserten Effizienz arbeiten die US-Schieferölproduzenten bereits bei einem Ölpreis von 50 $ pro Barrel profitabel. Branchenkenner befürchten deshalb, dass die Verlängerung der Produktionskürzung allenfalls für Preisstabilität sorgen und in erster Linie den USA in die Karten spielen werde.

Lukoil hat sogar vorgeschlagen, Russland solle aus dem OPEC-Abkommen aussteigen. Denn mit Preisen zwischen 60 und 65 $ pro Barrel könne der Konzern gut leben. Aber auch die Nachfrage werde laut OPEC in den kommenden 25 Jahren von aktuell 94,4 auf 111,1 Mio. Barrel pro Tag steigen. Denn die OPEC geht davon aus, dass sich im gleichen Zeitraum die Zahl der Autos weltweit auf rund 2 Mrd. nahezu verdoppeln werde. Selbst wenn die Elektromobilität an Bedeutung gewänne, würden 2040 noch 85% aller Fahrzeuge auf Benzin und Diesel angewiesen sein.

Ob aber ein Autoboom allein für einen Nachfrageüberhang sorgen kann, erscheint höchst zweifelhaft. Tatsache ist, dass die Ölpreisentwicklung von etlichen Faktoren abhängig ist.

Diese Ölkonzerne haben gute Aussichten

Alle von mir beobachteten Ölkonzerne haben im vergangenen Jahr von gestiegenen Preisen profitiert. Die Kursentwicklung lässt aber zu wünschen übrig. Stärker als der Ölpreis sind nur die Aktien von OMV, Lukoil und Statoil gestiegen. Die Aktien der meisten Konzerne haben auch schlechter als der Vergleichsindex abgeschnitten. Neben Lukoil und Statoil gehört Royal Dutch Shell zu meinen Favoriten.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.