Für EU-Freigabe: Bayer macht weitere Zugeständnisse

Bayer macht weitere Zugeständnisse, um die Bedenken der EU-Behörde zur Monsanto-Übernahme zu zerstreuen. Eine Entscheidung übder den Deal fällt bis zum 5.April. (Foto: ricochet64 / shutterstock.com)

Die Übernahme des US-amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto nähert sich dem Ende. Bieter Bayer hat an den vergangenen Tagen weitere Zugeständnisse gemacht, mit denen die Bedenken der EU-Wettbewerbsbehörde ausgeräumt werden sollen.

Welche Zugeständnisse das im Detail sind, wurde nicht mitgeteilt. Ein Sprecher des Leverkusener Pharma- und Chemie-Konzerns zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass damit der Deal abgeschlossen werden kann.

Bayer mischt bei Übernahme-Welle in der Branchenspitze mit

Rückblick: Durch die Agrarchemie-Branche rollte in den vergangenen beiden Jahren eine Übernahme-Welle. In der Branchenspitze kam es zu Milliarden-Zusammenschlüssen zwischen Syngenta und ChemChina sowie DowChemical und DuPont.

Um nicht ins Hintertreffen zu geraten, suchte Bayer den Schulterschluss mit Monsanto. Im September 2016 verständigten sich die beiden Konzerne auf einen Deal im Volumen von 66 Mrd. Dollar inklusive Schulden.

Vertiefte Prüfung: EU-Kommission betrachtet Monsanto-Übernahme skeptisch

Die Verringerung der Anbieterzahl im Markt für Saatgut und Pestizide hatte die EU-Wettbewerbskommission auf den Plan gerufen. Sie befürchtete, dass die Preise steigen und die Qualität leiden könnte. Zudem sah sie eine Gefahr für die Innovationsbereitschaft der Konzerne.

Erst nach verschiedenen Zusagen wurden die Zusammenschlüsse von Syngenta/ChemChina und DowDuPont genehmigt.

Auch für die Freigabe des später eingereichten Deals zwischen Bayer und Monsanto wurden Auflagen verlangt. Im Juli vergangenen Jahres ging Bayer daher auf die Kommission zu, doch denen reichten die Zusagen nicht.

Im weiteren Verlauf trennte sich Bayer dann noch von verschiedenen Teilen des Geschäfts und hat jetzt vermutlich die letzten Zusagen gemacht, um den Deal zu retten.

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Markt zuversichtlich, dass Übernahme klappt

Eine Entscheidung zur Monsanto-Übernahme wird jetzt bis zum 5.April fallen. Die Wettbewerbshüter brauchen Zeit, um die neuen Zugeständnisse zu bewerten, sodass das vorherige Prüffristende erneut verlängert wurde.

Wie das Votum ausfallen wird, ist ungewiss. Aktuell kostet die Monsanto-Aktie 121 Dollar – und notiert damit nur rund 5% unter dem von Bayer angebotenen Übernahme-Preis.

Dies signalisiert die Zuversicht des Marktes, dass die Übernahme klappt.

Bayer-Aktie könnte nach Deal-Freigabe Kursrally starten

Während die Aktionäre der Übernahme-Kandidaten Monsanto und Syngenta Sowie der Fusionspartner Dow und DuPont im Zuge ihrer Zusammenschlüsse deutlich zulegen konnten, fällt das Plus bei Bayer nur moderat aus.

Die Unsicherheit darüber, ob der Deal jetzt kommt oder nicht, hat mit dazu beigetragen, dass die Aktie auf Jahressicht eine Nullrunde hinlegte – während der Chemiesektor um fast 20% zulegte.

Kommt es allerdings zum von Bayer (und vom Markt) erwarteten Übernahme-OK, könnte das Papier die zurückliegende Underperformance schnell wieder wett machen. Das US-Analysehaus Bernstein bezeichnete für die Nach-Deal-Phase die Bayer-Aktie unlängst als das beste Investment für Anleger in diesem Sektor und rief ein Kursziel von 129 Euro aus.

Der Rücksetzer der vergangenen Tage auf 100 Euro könnte also eine willkommene Einstiegschance sein. Ein genauerer Blick lohnt sich.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.