Für K+S geht ein schwieriges Jahr zu Ende

Bei aller Euphorie und trotz der Aktiennotierungen auf Höchstständen kennt das Börsenjahr auch Verlierer. Vor allem solche, an die vor einem Jahr noch niemand unter uns gedacht hat. Einer dieser Verlierer ist die hessische K+S AG, die als Produzent von Salzen und Standard- und Spezialdüngern über Jahre hinweg eine stetig aufwärts gerichtete Entwicklung genommen hat.

Zwar verliefen die Geschäfte konjunkturbedingt unter Schwankungen, doch unterm Strich ging es immer bergauf, die Gewinne stiegen kontinuierlich, der Börsenkurs entwickelte sich stetig aufwärts, wirkliche Sorgen kannten weder die Unternehmenslenker noch ihre Aktionäre.

Doch wie aus dem Nichts endete die Beschaulichkeit, als im Juli diesen Jahres der russische Konkurrent Uralkali die Vertriebspartnerschaft mit seinem weißrussischen Partner Belaruskali aufkündigte und der Vorstand ankündigte, mit einem Preiskampf die Kalipreise sinken zu lassen.

Was letztendlich auch gelang. Die Folgen für K+S waren gravierend. Der Unternehmensgewinn sank dramatisch, die Dividende muss mehr als halbiert werden. Zusätzlich wurde ein Sparpro-gramm in Höhe von 500 Millionen Euro aufgelegt, das in den kommenden fünf Jahren etliche Beschäftigte ihren Job kosten wird. Und die Aktie? Sie zählt mit einem Jahresverlust von -37,42% zu den großen Verlierern am deutschen Aktienmarkt.

Management investiert gegen den Trend in neue Kalimine

Doch allen Bemühungen zum Trotz gelingt es dem Unternehmen bislang nicht, die Wende herbei zuführen. Denn die Preise für Weizen liegen am Boden und damit bleibt die Bereitschaft der Bauern gering, mit dem Einsatz von Spezialdüngern ihre Ernteerträge zu steigern. Eine schwierige Situation vor allem für die westlichen Kaliproduzenten.

Denn sie benötigen zur Deckung ihrer hohen Produktionskosten auskömmliche Erträge, die sie derzeit aber nicht erzielen. Der kanadische Kaliminenbetreiber Potash steht bereits vor der Schließung einer größeren Abbaufläche und aufgeregte Aktionärsvertreter bei K+S fordern, die Erschließung des konzerneigenen Milliardenprojekts Legacy in Kanada zu stoppen.

Doch davon will das Management nichts wissen, die Mannen um Vorstandschef Norbert Steiner wollen zukünftig von Kanada aus die Wachstumsmärkte in Südamerika, Asien und Indien beliefern und sehen trotz der Milliardenaufwendungen statt der Risiken die Chancen hinter dem Projekt.

Die Verunsicherung ist groß, wie geht es in 2014 weiter? Gibt es Hoffnung für den Kalimarkt und damit für K+S?

Ja, es scheint Bewegung in den Markt zu kommen. Dem Vernehmen nach nähern sich die verfeindeten osteuropäischen Partner Uralkali und Belaruskali wieder einander an und arbeiten an einer neuen Vertriebspartnerschaft. Auch der Einstieg des russischen Mineraldünger-herstellers UralChem bei Uralkali soll für mehr Stabilität, sprich höhere Preise sorgen.

Die Aktionäre der K+S AG halten es derweil mit Goethes Faust, sie entsinnen sich dem Spruch „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“. Die Masse der Anleger hält sich deshalb mit Neuengagements zurück, die Umsätze an den Börsenplätzen zeigen, nur wenige Unverzagte greifen bereits zu und setzen damit auf eine nachhaltige Kurserholung.

Doch was sagen die Charts, was meint unsere Point&Figure-Charttechnik zur Lage bei K+S? Lohnt sich bereits ein Einstieg oder wartet man besser ab?

K+S-Chart 30-12-2013

(anklicken zum Vergrößern)

Schauen wir auf die obige Chartdarstellung, sehen wir die K+S-Aktie nach dem Überwinden des historischen Tiefs bei 15,02 € zwar in einem bestätigten Point&Figure-Kaufsignal (grüner Kreis), doch spielt sich das Ganze noch unterhalb der abwärts gerichteten Trendlinie (grün) ab. Daher relativiert sich die Aussagekraft des Kaufsignals, ja verbietet nach den strengen Regeln der Point&Figure-Charttechnik sogar einen Einstieg in die Aktie.

Besser wird die Lage erst, wenn es dem Aktienkurs gelingt, die besagte Trendlinie zu über-winden. Doch auch hier, bei etwa 31,00/32,00 € lauern neue Gefahren, hier verläuft die ehemalige Unterstützungszone (gelber Rahmen), die nun zum Widerstand werden könnte.

Mein Fazit: Auch wenn ein Einstieg noch so verlockend erscheint, die Kursphantasien der heutigen Käufer wird durch die Point&Figure-Charttechnik noch nicht bestätigt. Erst ein klares Point&Figure-Kaufsignal oberhalb der gezeigten Trendlinie kann uns einer eventuellen Kaufent-scheidung näher bringen.

30. Dezember 2013

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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.

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