Für kurzfristige Schwankungen der Märkte gibt es keine logischen Gründe

Gestern konnten Sie wieder gut beobachten, wie von vielen Medien jede Zuckung des DAX 30 Index mit scheinbar logischen Gründen kommentiert wurde. Das Beste, was Sie mit diesen ständig wechselnden Wasserstandsmeldungen tun können, ist: sie ignorieren.

Unsinnige Begründungen für normale Kursschwankungen

Gestern legte der DAX 30 Index kurz nach Börsenstart bis auf 11.920 Punkte zu. Sofort wussten vermeintliche Börsenfachleute zu berichten, warum der DAX 30 Index so stark eröffnete. So wurde um 9:34 Uhr diese Meldung der DPA verbreitet:

„Der kräftig gesunkene Euro hat dem deutschen Aktienmarkt Auftrieb gegeben. Trotz der Nervosität rund um Griechenland und dem Linksruck nach den Regional- und Kommunalwahlen in Spanien sprang der DAX kurz nach Handelsstart auf 11 881,78 Punkte hoch. Ein schwacher Euro stützt Export orientierte Unternehmen und deren Aktien, da die Produkte für Käufer außerhalb der Eurozone günstiger werden.“

Klingt logisch, ist nur falsch.

Kaum veröffentlicht, schon als unsinnig entlarvt

Der DAX kletterte zwar noch auf 11.920 Punkte. Aber kaum war die Meldung veröffentlich, notierte der DAX 30 Index schon knapp unter 11.700 Punkten (gegen 9:40 Uhr) und damit mehr als 200 Punkte unter dem Kurs, der scheinbar logisch begründet wurde.

Die Betrachtung dieses kurzen Zeitraums zeigt, wie unsinnig die Kommentierung einer jeden Zuckung des DAX 30 Index ist. Da wird nicht die Performance des DAX 30 Index kommentiert, sondern seine normale Kursschwankung, die mal aufwärts, mal abwärts läuft.

Wie das Fähnchen im Winde

Gegen 10:15 Uhr wurde diese neueste Meldung der DPA veröffentlicht:

„Nervöse Anleger haben den deutschen Aktienmarkt auf Berg- und Talfahrt geschickt.“

Mit „nervöse Anleger“ war man schon nah dran am Tagesgeschehenen, damit wäre die Meldung vollständig gewesen. Aber dann wurde doch wieder eine Begründung geliefert, die jede Zuckung des DAX 30 Index logisch erklären soll:

„Hin- und hergerissen zwischen dem wieder deutlich schwächelnden Euro auf der einen Seite sowie der Sorge um Griechenland und dem Ausgang der Regionalwahlen in Spanien auf der anderen Seite sprang der DAX in kürzester Zeit um insgesamt etwas mehr als 200 Punkte nach oben und unten.“

Andere Börsendienste wussten zu berichten, dass die „italienische Banca Monte dei Paschi di Siena für Verwerfungen an den europäischen Börsen sorgte“. Deren Begründung für den Kursverlust des DAX 30 Index lautete, das sei, weil die italienische Großbank im Stresstest der EZB durchgefallen war und eine Kapitalerhöhung plane, um 3 Milliarden Euro einzunehmen.

Als der Dow Jones dann um 15.30 Uhr unserer Zeit mit leichten Kursverlusten eröffnete, waren es wieder die mögliche Griechenland-Pleite, die Wahl in Spanien und auch Zinssorgen der Anleger, die als „logische“ Begründungen herhalten mussten.

Meldungen ignorieren spart Zeit

Das zwanghafte Erklären der Zuckungen des DAX 30 Index im Minutentakt ist unsinnig. Wie oben geschrieben: Das beste, was Sie mit diesen ständig wechselnden Wasserstandsmeldungen tun können, ist: sie ignorieren.

Sparen Sie sich die Zeit, das zu lesen, zumal es oft sowieso schon wieder überholt ist, bevor Sie es sehen.

Es wird Volatilität, nicht Performance begründet

Der Fehler ist, dass diese Kommentare die normale Volatilität der Märkte als Performance ansehen und diese zu begründen versuchen.

Die einfache Erklärung für die Kursbewegungen der letzten Tage

Der DAX 30 Index konsolidiert nach der Rally zum Jahresanfang. Dabei fällt er nicht stark zurück sondern läuft volatil (schwankungsreich) zwischen 11.500 und 12.000 Punkten seitwärts.

Gleichzeitig notiert der Weltleitindex Dow Jones im Kursbereich um 18.000 Punkte und damit nur knapp unter Allzeithoch.

Die Aufwärtstrends der Aktienindizes sind also intakt.

Zum guten Schluss: Heute vor 451 Jahren, also am 27.05.1564, starb der Schweizer Reformator Jean Calvin. Er schrieb:

„Darum haben es alle nötig, sich selbst wach zu machen, damit sie sich aufgrund ihres Reichtums nicht für glücklich halten.“

Damit mahnte er, Reichtum nicht für Glück zu halten. Dem stimme ich zu. Ich wünsche Ihnen Reichtum und Glücklichsein … wobei Reichtum durchaus einen Beitrag zum Glück liefern kann.

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

27. Mai 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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