Fusion von LSE und Deutsche Börse jetzt deutlich wahrscheinlicher

Die Fusion der Londoner Börse London Stock Exchance (LSE) mit der Deutschen Börse ist heute deutlich wahrscheinlicher geworden.

Grund dafür ist, dass die Annahme-Quote zur Dealfreigabe deutlich gesenkt wurde. Statt 75% Zustimmung zur Übernahme, sind jetzt nur noch 60% notwendig.

Damit verbunden ist auch mehr Zeit, um die notwendigen Stimmen für den Plan zu gewinnen. Ende der Annahmefrist ist nun der 26. Juli.

Herabsetzung der Annahmequote ist verständlich

Der Schritt wurde Ende vergangener Woche bereits erwartet.

Laut Deutsche Börse ist die Herabsetzung der Meldeschwelle dem Umstand geschuldet, dass große Aktienpakete bei Indexfonds liegen, die aus technischen Gründen erst an der Übernahme teilnehmen können, wenn die Mindestannahme-Quote erreicht ist.

Der Schritt ist vollkommen verständlich, nachdem bereits im Vorfeld berichtet wurde, dass bis zu 15% der Deutsche Börse-Anteile bei Indexfonds liegen könnten.

Wenn dann von den verbleibenden 85% die Mindestannahme-Quote von 75% erreicht werden soll, ist das schon eine hohe Hausnummer. Man kann also nicht sagen, dass die Herabsetzung geschehen ist, um den Deal gegen eine Vielzahl von Aktionären durchzudrücken.

Vielmehr könnte man sagen: Die Hürde war von Beginn an zu hoch, weil bis zu 15% der Aktionäre ihrem Willen ohnehin keinen Ausdruck verleihen konnten.

Die Fusion ist allerdings vermutlich auch nicht der beste Zusammenschluss seit Jahren. Der Brexit, ein Ereignis, der das Kräfte-Verhältnis klar beeinflusst hat, führte nicht zu einer Neubewertung des Deals.

Vielleichten haben sich auch deswegen bislang erst 25% der Aktionäre zur Annahme der Fusions-Offerte bereit erklärt.

Das alleine ist zwar nicht besorgniserregend, doch einige Großaktionäre sollen hinter vorgehaltener Hand das Umtausch-Verhältnis der „Fusion unter Gleichen“ in Frage gestellt haben.

Firmensitz-Problematik: London, Frankfurt oder Amsterdam?

Die Aktionärs-Zustimmung zu dem Deal ist jetzt ziemlich wahrscheinlich, doch in trockenen Tüchern ist die Fusion deswegen dennoch nicht. Der größte Solperstein ist die Suche nach einem gemeinsamen Firmensitz.

Die beiden Parteien verständigten sich im Zuge der Fusion darauf, dass neue Unternehmen in London anzusiedeln. Frankfurt wird demnach zwar auch Hauptquartier, ist dann aber nur ein (operativer) Firmensitz zweiter Klasse.

Die Wahl von London als Firmensitz wurde vielfach kritisiert. Es wurden Bedenken laut, dass die Ansiedlung in Großbritannien nicht genehmigungsfähig sein könnte. Jetzt, nach dem Brexit, wird eine Genehmigung sogar als „illusorisch“ bezeichnet.

Spekuliert wird daher, dass man sich auf einen neutralen Standort einigen könnte, um nicht eine Seite zu bevorteilen. So wird überlegt, ob der Sitz nicht in die Niederlande verlegt werden könnte.

Das wäre allerdings eine kostenintensive Lösung und raubt den Vorteil eines bestehenden Firmensitzes. Operatives Hauptquartier in Frankfurt und London und rechtlicher Sitz dann in Amsterdam?

Das könnte lange, umständliche Entscheidungswege nach sich ziehen – ist aber immerhin genehmigungsfähiger als ein Nicht-EU-Sitz.

Aktien beider Unternehmen legen zu

An der Börse kamen die Neuigkeiten sehr gut an. In einem äußerst freundlichen Marktumfeld stieg die Aktie der Deutschen Börse bis zum Nachmittag um 2,4%.

Ebenfalls im Aufwind ist die Aktie der Londoner Börse, die um 2,5% zulegte. Mit aktuell 30,52 € notiert die Aktie allerdings rund 20% unter dem Niveau von Ende Mai.

Das zeigt, dass die Skepsis über einen erfolgreichen Deal-Abschluss weiterhin hoch ist. Es bleibt spannend.

11. Juli 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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