Fusions-Aus: LSE und Deutsche Börse gehen endgültig getrennte Wege

Die Börsenhochzeit zwischen der Londoner Börse LSE und dem deutschen Börsen-Betreiber Deutsche Börse ist endgültig abgesagt.

Die EU-Kommission teilte heute mit, dass der Zusammenschluss der beiden Unternehmen den Wettbewerb zu stark eingeschränkt hätte.

Für die Investoren und die Führungs-Gremien der beiden Börsen-Betreiber dürfte das offizielle Fusions-Aus keine Überraschung sein.

Im Februar weigerte sich die LSE ihre italienische Handels-Plattform MTS zu veräußern.

Der Verkauf war allerdings Bedingung der Wettbewerbs-Behörden, um den Zusammenschluss zu genehmigen.

In der Folge sah Deutsche-Börse-CEO Carsten Kengeter die Fusion „in schwierigem Fahrwasser“.

Streng genommen lag der Fusions-Plan allerdings damals schon auf dem Grund der Fahrrinne.

Dass die Wettbewerbs-Behörden auf einmal auf ihre Verkaufs-Forderung verzichten würden, glaubte keiner.

Deutsche Börse-Aktie im Plus: Fusions-Aus bereits eingepreist

An der Börse reagierten die Investoren dementsprechend gelassen.

Aktien der Deutschen Börse gehören heute sogar zu den größten Gewinnern in Deutschlands Leitindex DAX.

In einem leicht festeren Gesamtmarkt notiert das Papier kurz vor Handelsschluss mit 1,3% im Plus bei 83,50 €.

Der Schmerz über den geplatzten 30 Mrd. Dollar-Deal hält sich in Grenzen.

Als sich das Fusions-Aus Ende Februar andeutete, fiel die Aktie auf 78 € zurück. Inzwischen ist die Kursdelle ausgebügelt.

Übernahme-Spekulationen verhindern Rückfall der LSE-Aktie

Ebenfalls unbelastet zeigt sich der Kurs des Fusions-Partners LSE. An der Heimatbörse in London legt die Aktie sogar um 2,5% auf 31 britische Pfund zu.

Die Londoner Börse galt seit der BrExit-Entscheidung im Sommer 2016 als größerer Profiteur des Zusammenschlusses.

Dennoch hat das Fusions-Aus nicht dazu geführt, dass die Aktie auf ihr ursprüngliches Kursniveau zurückfiel.

Dies könnte daran liegen, dass nicht wenige Beobachter darauf setzen, dass es nach dem geplatzten Deal mit der Deutschen Börse zu einer anderen Hochzeit kommt.

Im Zuge der Fusions-Verhandlungen mit den Deutschen, teilte die Intercontinental Exchange (ICE) – Betreiber des New Yorker Börsenplatzes – mit, dass sie ein Übernahme-Angebot erwäge.

Letztendlich entschieden sich die Amerikaner allerdings, kein Angebot abzugeben – auch weil die Londoner sich wenig kooperationsbereit zeigten.

Diesmal könnte sich die LSE offener für Übernahme-Gespräche zeigen.

Und auch für die ICE könnte ein neuer Anlauf lohnend sein. Aufgrund des BrExit notiert der US-Dollar gegenüber dem Pfund rund 15% fester.

Eine Übernahme hat also automatisch einen 2-stelligen Währungs-Discount, was die Kalkulation sehr positiv verändert.

Kommende BrExit-Schwäche ist Chance für Deutsche Börse ohne Deal zu wachsen

Es stellt sich die Frage, wie es mit der Deutschen Börse nach dem dritten gescheiterten Versuch eines Zusammenschlusses mit der LSE weiter geht.

Das Unternehmen sieht sich sehr gut aufgestellt, um auch alleine im globalen Wettbewerb wachsen zu können.

Gleichwohl ist die geplatzte Fusion zur europäischen Superbörse eine Niederlage. Kengeter selbst hat wiederholt die Wichtigkeit des Schulterschlusses hervorgehoben.

Jetzt sollen es neue Produkte, Dienstleistungen und Technologien richten. Der Plan, ohne Übernahme deutlich voran zu kommen könnte sogar aufgehen.

Mehrheitlich wird erwartet, dass der BrExit Großbritanniens Wirtschaft und den Londoner Finanzplatz erheblich schwächt.

Mit der Attraktivität eines modernen Börsen-Betreibers in Kontinental-Europa könnte es gelingen, Listings britischer Firmen zu gewinnen.

29. März 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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