Fußballaktien unter Druck

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Leere Ränge und Skandale: Fußballaktien sind unter Druck. Und folgen dennoch der Logik des Aktienmarktes. (Foto: ninopavisic / shutterstock.com)

Wer glaubte, es könne nicht schlimmer kommen, wird in diesen Tagen häufiger als sonst eines Besseren belehrt. Nun geht es also auch unserem Lieblingshobby an den Kragen: Die Deutsche Fußball Liga DFL und die UEFA haben alle Fußballspiele auf nationaler und internationaler Ebene fürs erste abgesagt. Andere Länder, darunter auch England, das Mutterland des Fußballs, sind inzwischen gefolgt. Fußball soll nicht vor leeren Rängen gespielt werden, sondern gar nicht.

Erheblich unter Druck

Dementsprechend haben die Anteilsscheine von Borussia Dortmund seit Jahresanfang nicht weniger als 35% eingebüßt. Seit dem bisherigen Jahreshoch vom 19. Februar, dem Tag nach dem Sieg der Schwarz-Gelben im Champions-League-Hinspiel gegen Paris Saint-Germain, sind es gar 42 %, deutlich mehr als der DAX, der seit Jahresbeginn „nur“ 29% verloren hat.

Was zeigt, dass die Aktienkurse des BVB schon vorher unter Druck standen. Verantwortlich hierfür ist also nicht allein das Coronavirus, das hierzulande bislang doch eher für eine Eintrübung der allgemeinen Kapitalmarktstimmung verantwortlich ist, als dass es – Stand heute – bei den Unternehmen handfeste ökonomische Konsequenzen gehabt hätte. Nein, ursächlich für den jüngsten Kursverfall der BVB-Aktie war nicht die Pandemie, sondern das Ausscheiden aus der Champions League, das dem Verein hohe Einnahmenausfälle beschert.

Laut den Statuten der UEFA belaufen sich die fixen Einnahmen eines Vereins für die Qualifikation des Viertelfinales auf 10,5 Millionen Euro. Hinzu kommen die Spieltagseinnahmen aus Ticket- und Merchandisingverkäufen, die sich ebenfalls auf einen Millionenbetrag summieren. Und mit dem Viertelfinale muss es ja auch noch nicht zu Ende sein.

Leere Ränge belasten

Denn für jede weitere Runde in den europäischen Wettbewerben schüttet die UEFA zusätzliche Prämien aus. Das Erreichen des Champions League-Finales etwa, für das in diesem Jahr – sollte es denn stattfinden – Istanbul ausgewählt wurde, bringt einem Verein zusätzliche 27 Millionen Euro aus der zentralen Fernsehvermarktung ein.

Insgesamt entgehen dem BVB-Schatzmeister also Einnahmen, die sich durchaus auf bis zu 50 Millionen Euro summieren können. Sie sehen, der Absturz des BVB-Aktienkurses ist, wie bei jedem anderen Unternehmen auch, auf ökonomische Ursachen zurückzuführen.

Und auch Gerüchte

Das mussten in den vergangenen Monaten übrigens auch die Aktionäre von Juventus Turin erfahren. Der spielt zwar noch in der Champions League und hat auch gute Chancen, das Viertelfinale zu erreichen, hat jedoch mit einem anderen Problem zu kämpfen: Mit seinem Superstar Cristiano Ronaldo. Für dessen Künste hat der italienische Rekordmeister bekanntlich im Juni 2018 nicht nur eine Ablösesumme von 112 Millionen Euro hingeblättert, sondern ist auch Gehaltsverpflichtungen von 232 Millionen Euro über einen Zeitraum von vier Jahren eingegangen.

Trotz dieser unglaublichen Summen hat sich der Aktienkurs in den drei Monaten nach Bekanntgabe der Verpflichtung fast verdoppelt, was durch neue Werbemöglichkeiten, steigende Ticketpreise und höhere Trikotverkäufe begründet werden kann. Einem weiteren Kursanstieg stand dann jedoch eine US-Amerikanerin entgegen, die Vergewaltigungsvorwürfe gegen den portugiesischen Superstar erhob.

Worauf die Aktie rasch wieder auf das Ausgangsniveau in der Vor-Ronaldo-Zeit zurückkehrte. Und inzwischen weiter verfiel: Allein seit Jahresanfang um 49%. Womit die Aktie des italienischen Rekordmeisters auf einem unmittelbaren Abstiegsplatz im Ranking des Stoxx Euro Football Index steht.

Fußballaktien von denselben Faktoren belastet

Woran sich auch fürs erste nichts ändern dürfte. Schließlich wurde Juve-Verteidiger Daniele Rugani vor kurzem positiv auf das Coronavirus getestet, weshalb sich die ganze Mannschaft für zwei Wochen in Quarantäne begeben muss.

So irrational wie manche glauben machen wollen scheinen sich Aktien von Fußballvereinen also nicht zu entwickeln. Wer aus der der 1. Liga seines nationalen Verbandes absteigt, wer vom Virus oder einem Skandal betroffen ist, wer vor leeren Rängen spielen muss: Stets erhält der Verein deutlich niedrigere Einnahmen – was wie bei einem Industrieunternehmen Auswirkungen auf den Kursverlauf hat.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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