Fußballclubs in der Corona-Zwickmühle

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Mit Ach und Krach hat die Bundesliga die erste Coronasaison zu Ende gespielt. Nun zieht sie Lehren für die nächste Spielzeit. (Foto: Lutsenko Oleksandr / shutterstock.com)

Die Fußball-Bundesliga ist abgeschlossen. Mit den Relegationsspielen vor wenigen Tagen steht die Zusammensetzung der Ersten Liga für die kommende Saison nun fest.

Wenig überraschend sicherte sich der FC Bayern München ein weiteres Mal den Meistertitel, auch der BVB und RB Leipzig befinden sich erwartungsgemäß in den Top 3 der Tabelle zum Saisonabschluss. Die ehemaligen Zweitligisten Paderborn und Fortuna Düsseldorf werden in der kommenden Spielzeit wieder zweitklassig sein. Werder Bremen hat in einem Relegationskrimi gegen Heidenheim den Klassenerhalt gerade noch gesichert, während sich der Hamburger SV allmählich gemütlich einrichtet in der Zweiten Liga und die Qualifikation zur Relegation knapp verpasste.

Also alles ganz normal? Mitnichten. Corona hat Spuren hinterlassen und dürfte auch die kommende Spielzeit erheblich prägen.

Es ging in erster Linie um TV-Gelder

Nach der mehrwöchigen Pause während des allgemeinen Lockdowns im Frühjahr hatten die Proficlubs die Saison in weitgehend leeren Stadien zu Ende gespielt. Die damit verbundenen Gelder aus den TV-Übertragungsrechten waren wohl auch der eigentliche Grund, warum die DFL so deutlich auf der Fortsetzung der Saison bestanden hatte: Einen Ausfall dieses Budgets konnten sich viele Clubs schlichtweg nicht leisten, gerade wenn darüber hinaus die Einnahmen durch die Fans im Stadion ausbleiben.

Mehrere Clubs gerieten dennoch in finanzielle Bedrängnis, schrammten gar knapp an der Insolvenz vorbei. 13 der 36 Proficlubs aus den ersten beiden Ligen, davon sieben Zweitligisten, waren nach Medienberichten vom Frühjahr akut von der Zahlungsunfähigkeit bedroht.

Berichte wie diese schrecken auf – und überraschen viele, angesichts des Glamours, den der Profifußball üblicherweise versprüht. Die Spielergehälter sind saftig, gerade in der Ersten Bundesliga kicken Einkommensmillionäre.

Schalke-Kicker: Hungerlohn von 2,5 Millionen Euro?

Schalke 04 hat kürzlich angekündigt, Spielergehälter künftig vorerst auf 2,5 Millionen Euro im Jahr begrenzen zu wollen. Was für Ottonormalbürger einen Betrag darstellt, der selbst in einem gesamten Berufsleben nur schwer zu erreichen ist, gilt im Fußballkosmos als Hungerlohn. Man muss schon eine besondere Verbundenheit zum Revierclub haben, um sich für ein solches Salär das königsblaue Trikot überzustreifen.

Pikant dabei ist vor allem, dass auch Schalke zu den finanziell angeschlagenen Proficlubs zählt und erst kürzlich mit der NRW-Landesregierung um eine Bürgschaft für einen Kredit im zweistelligen Millionenbereich verhandelte.

Wie realistisch sind Zuschauer im Stadion?

Unterdessen erwägt das Land Sachsen, in der kommenden Saison wieder Fußballfans im Stadion zuzulassen – allerdings unter strengen Auflagen. Dazu zählen etwa personalisierte Tickets, die gerade in organisierten Fanszenen äußerst kritisch gesehen werden, eine Begrenzung der Zuschauerzahl, sodass etliche Sitzplätze freibleiben würden, sowie Einschränkungen, deren Umsetzung ziemlich realitätsfern erscheint: So soll auf Rufen, Singen oder Umarmen auch auf den Rängen verzichtet werden – kaum vorstellbar.

Der Profifußball steht, wie viele Branchen, vor massiven Herausforderungen im Kontext der Corona-Pandemie. Die kommenden Monate der Sommerpause werden Clubs und Ligaverantwortliche nutzen, um Konzepte für die kommende Saison auszuarbeiten – man darf gespannt sein auf die Ergebnisse, auch im Hinblick auf etwaige einheitliche Lösungen und deren konsequente Umsetzung.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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