Galapagos-Aktie: Milliardendeal wirbelt europäische Biotech-Landschaft durcheinander

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Galapagos: Milliarden-Investment von Gilead lässt europäische Biotechnologiebranche jubeln. Gilead schraubt Aktienanteil hoch und leistet milliardenschwere erfolgsunabhängige Auftaktzahlung. (Foto: chrisdorney / shutterstock.com)

Die Aktie des belgischen Biotechunternehmens Galapagos kennt momentan kein Halten mehr. Seit Jahresbeginn kletterten die Papiere um 100% nach oben. Dabei ging der jüngste Kursschub auf das Konto eines milliardenschweren Investments durch den Pharmariesen Gilead.

Der US-Konzern ist bekannt für sein HIV- und Hepatitis-C-Geschäft. Doch die Zeiten des exorbitanten Wachstums sind vorbei. Auslaufende Patente und die zunehmende Konkurrenz machen Gilead zu schaffen. Bereits seit längerem ist Gilead daher auf der Suche nach attraktiven Übernahmeobjekten und Kooperationspartnern und ist bei Galapagos fündig geworden.

Ritterschlag für die europäische Biotechnologiebranche

Jetzt hat Gilead gemeldet, im Rahmen einer milliardenschweren Transaktion seinen Anteil an den Belgiern aufzustocken. Das wirft ein positives Licht auf die europäische Biotech-Branche, die sonst immer im Schatten ihrer übermächtigen Konkurrenz aus den USA steht. Wirklich große Deals sind in Europa selten und durchschlagende Entwicklungserfolge treten, allein schon auf Grund der fehlenden Masse an Unternehmen, nur sehr sporadisch auf.

Gilead greift tief in die Tasche

Für Galapagos kommt die erweiterte Kooperation einem Geldregen gleich. Zum einen erhöhte Gilead für 1,1 Milliarden Dollar den Anteil an der Firma von 12,3 auf nunmehr 22%. Je Aktie zahlt der Konzern 140,59 Euro. Das entspricht einem Aufschlag von 20% auf den Durchschnittspreis der vergangenen 30 Tage.

Besonders bemerkenswert ist aber ein weiterer Geldfluss: Gilead zahlt nämlich zusätzlich eine erfolgsunabhängige Auftaktzahlung in Höhe von 3,95 Milliarden Euro an den belgischen Biotechnologiespezialisten. Dafür erhält der US-Pharmagigant exklusive Produktrechte außerhalb Europas. Das ist in der Branche absolut ungewöhnlich. Normal fließen solch signifikante Summen immer erst beim Erreichen bestimmter Meilensteine.

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Damit ist der Deal einer der größten, den es jemals in der europäischen Biotechnologiebranche gab. Galapagos kommt mit der Kooperation seinem Ziel näher, führend in der Immunologie und mit Medikamenten gegen Entzündungserkrankungen zu werden.

Starkes Wachstum und Verluste

Schon oft in der Vergangenheit wurde Galapagos als mögliches Übernahmeziel gehandelt. Wie attraktiv das Unternehmen für die großen Pharmariesen ist, hat Ihnen der jüngste Deal gezeigt. Immerhin greift Gilead für Galapagos tief in die Tasche. Sie müssen bedenken: Auch wenn das Unternehmen stark wächst (118% Umsatzplus in 2018), ist die absolute Unternehmensgröße noch sehr überschaubar. Unter dem Strich gingen im zurückliegenden Geschäftsjahr bei Galapagos gerade mal 328,6 Millionen Euro an Umsatz durch die Bücher. Netto machte die Firma einen Verlust von 33 Millionen Euro.

Gegen Gilead wirken die Belgier damit ausgesprochen winzig. Für Sie zum Vergleich: Gilead kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von 22 Milliarden Dollar. Bei einer Gewinnspanne von 25% blieb dabei ein satter Gewinn von 5,5 Milliarden Dollar hängen.

Gesamtübernahme nicht in Sicht

Trotz des spannenden Deals können Sie bei Galapagos nicht mit einer schnellen Gesamtübernahme durch Gilead rechnen. Beide Firmen haben nämlich ein Stillhalteabkommen abgeschlossen. Über zwei Optionsscheinemissionen kann Gilead zwar seinen Anteil auf 29,9% weiter aufstocken, aber beide Konzerne haben vereinbart, dass eine Erhöhung darüber hinaus beziehungsweise auch eine Komplettübernahme mit der Vereinbarung ausgeschlossen ist.

Auch wenn es keinen großen Übernahmehammer gibt, für die Biotechnologiebranche in Europa ist der Deal ein voller Erfolg. Vielleicht werfen zukünftig die großen US-Pharmakonzerne öfter mal ein Auge über den großen Teich, um ihre Produktpipelines zu stärken.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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