Gap: Anleger lassen Aktien der Modekette links liegen

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Gap-Aktie: Größte US-Modekette kassiert Prognose. Anleger reagieren enttäuscht und schicken Aktie auf Talfahrt (Foto: Vintage Tone/Shutterstock)

Modeaktien sind eine Liga für sich. In wenigen Branchen liegen Freud und Leid so nah beieinander. Wird eine Marke gehyped, dann schießen die Aktien der Modeketten oft in kurzer Zeit regelrecht durch die Decke. Ebenso kräftig geht es aber auch nach unten, wenn Marken aus der Mode kommen. Dass vor diesem Phänomen auch Größe nicht schützt, musste unlängst GAP, immerhin der größte US-amerikanische Bekleidungshersteller, feststellen. So rauschte die Aktie der US-Modefirma GAP seit Jahresbeginn um 30% in den Keller, von ihrem Fünfjahreshoch hat sich die Aktie inzwischen mehr als 60% entfernt.

GAP im Portrait

Im Jahr 2018 waren etwa 135.000 Mitarbeiter bei Gap beschäftigt. Das Unternehmen Gap ist damit der größte Bekleidungseinzelhändler in den Vereinigten Staaten, der auch in Japan, Kanada, Frankreich und Großbritannien aktiv ist.

Zu Gap gehören neben der Freizeitmodemarke Gap mit weltweit ca. 1.700 Einzelhandelsgeschäften überdies die Ladenketten Banana Republic mit klassischerer Bekleidung (1983 erworben), die preisgünstigere Modemarke Old Navy (1994 gegründet), die Marke für Damensportbekleidung Athleta mit eigenen Geschäften (2008 erworben) sowie der Multi-Marken-Einzelhändler für gehobene Damenmode Intermix (2013 erworben).

Moderiese plant seine Aufspaltung

Im Februar gab Gap die bis 2020 geplante Aufspaltung des Unternehmens bekannt. Danach soll mit der Marke Old Navy ein eigenes Unternehmen entstehen und ein weiteres Unternehmen mit dem vorübergehenden Namen NewCo beinhaltet die Modelabels Gap, Banana Republic, Athleta, Intermix und Hill City. Das Unternehmen beendete das erste Quartal des Geschäftsjahres 2019 mit 3.849 Filialen in 44 Ländern, von denen 3.335 eigenständig betrieben wurden.

Die Entscheidung zur Aufspaltung resultierte aus gegensätzlichen Entwicklungen bei den einzelnen Konzernsparten in den vergangenen Jahren. Konstante Zuwächse erzielte seit geraumer Zeit nur noch die Marke Old Navy, die mit ihren erschwinglichen Angeboten in einem ganz anderen Marktsegment operiert als die übrigen Segmente. Sie steuerte zuletzt mit 7,8 Milliarden Dollar 47% des Konzernumsatzes bei, einen weitaus größeren Anteil als die viel bekanntere Marke Gap, die seit langem schwächelt und im vergangenen Geschäftsjahr nach einem weiteren Umsatzrückgang nur noch auf knapp 5,2 Milliarden Dollar kam.

Rückgänge bei allen Marken

Zuletzt waren die Geschäftszahlen bei GAP alles andere als berauschend. Im ersten Quartal sackte der Umsatz auf vergleichbarer Fläche (einer der wichtigsten Kennzahlen zur Beurteilung von Einzelhandelsunternehmen) in den GAP-Markenläden um satte 10% in die Tiefe.

Einst mit seinen Kapuzenpullovern ein Trendsetter für lässige Mode, muss sich GAP der Konkurrenz von Modeketten wie H&M und Zara stellen, die ihre Kollektionen schneller erneuern. Auch die Marke Old Navy, ein Lichtblick für den Konzern in den vergangenen Jahren, enttäuschte mit einem unerwarteten Umsatzminus 1% Prozent im ersten Quartal. Analysten hatten mit einem Plus von knapp 1% gerechnet.

Deutlich schwächer als erwartet

Unter dem Strich verringerten sich die Erlöse auf vergleichbarer Fläche im gesamten Konzern um 4% auf 3,7 Milliarden Dollar. Der freie Cashflow, definiert als Nettogeldfluss aus betrieblicher Tätigkeit abzüglich der Investitionen in Sachanlagen, belief sich auf minus 136 Millionen Dollar gegenüber minus 204 Millionen Dollar im Vorjahr.

Im Berichtszeitraum betrug der verwässerte Gewinn je Aktie 0,24 Dollar auf bereinigter Basis, ohne den Gewinn aus dem Verkauf eines Gebäudes, Kosten im Zusammenhang mit der geplanten Trennung des Unternehmens und Kosten im Zusammenhang mit der zuvor angekündigten Restrukturierung der Spezialflotte.

Jahresprognose kassiert

Zugleich schockte der traditionsreiche Modespezialist mit einer Kappung der Jahresziele. Gerechnet wird nun mit einem Umsatzrückgang auf vergleichbarer Fläche um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz. Zuletzt war noch eine Stagnation oder sogar ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr prognostiziert worden. Auch beim Gewinn macht GAP jetzt Abstriche. Statt einem Gewinn von 2,4 bis 2,55 Dollar je Aktie erwartet das Unternehmen jetzt einen Gewinn von 2,05 bis 2,15 Dollar je Anteilschein. Damit wurde die Prognose um gut 15% nach unten geschraubt.

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.