Gazprom-Aktie im Keller: Wann kommt die Trendwende?

Die Gazprom-Aktie bleibt tiefrot – die Bilanz für Q2 verstärkt den Effekt noch. Und auch bei Rosneft sieht es derzeit nicht besser aus. (Foto: g0d4ather / shutterstock.com)

Die Gazprom-Aktie ist im Keller. Auf Jahressicht hat das Papier rund 12% an Wert eingebüßt.

Tatsächlich geht es seit Januar eigentlich nur noch bergab, allein in den vergangenen 6 Monaten beläuft sich der Kursverlust auf 20%.

An der ausgesprochen schlechten Stimmung an der Börse mit Blick auf den russischen Gasriesen dürften auch dessen jüngste Quartalszahlen nichts ändern – ganz im Gegenteil:

Für den Zeitraum von April bis Ende Juni musste der Konzern einen massiven Gewinn-Einbruch vermelden.

Währungsbereinigt brach der Gewinn um heftige 80% ein auf 48 Mrd. Rubel (umgerechnet etwa 686 Mio. €).

Gazprom-Aktie: Währungs-Effekte belasten Quartals-Bilanz

Das liegt insbesondere an 2 Problemen:

Zum einen hat sich der Gaspreis – im Gegensatz zum Öl – noch nicht stabilisieren können.

Zum anderen hat der Rubel durch die westlichen Sanktionen mit einer deutlichen Abwertung zu kämpfen.

Es sind v. a. diese negativen Währungs-Effekte, die die Geschäfts-Bilanz von Gazprom eintrüben.

Ohne diese stünde das Unternehmen prächtig da, die Nachfrage ist ungebrochen hoch, Umsatz und Absatz sind auch im 2. Quartal gestiegen.

Für beide Effekte kann die Firma nichts und hat zudem auch kaum Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen oder gegenzusteuern.

Der Gazprom-Aktie dürfte das aber kaum helfen, sie bleibt wohl unter Beschuss. Zuletzt war das Papier für weniger als 3,50 € zu haben.

Andere Energie-Konzerne werden sich allmählich von der Ölpreis-Krise erholen, mit Gewinnen glänzen und mit Kaufempfehlungen der Analysten überhäuft.

Bei Gazprom verhält es sich allerdings anders. Das dürfte nicht zuletzt auch an der engen Verflechtung mit dem Kreml liegen.

Rosneft-Aktie: Der (Ex-)Kanzler kommt

À propos Kreml: Der unterhält bekanntlich nicht nur zu Gazprom, sondern auch zu anderen bedeutsamen russischen Großkonzernen enge Beziehungen, so auch zu Rosneft.

Der Ölkonzern, der derzeit vom ehemaligen Büroleiter Wladimir Putins geleitet wird, macht hierzulande derzeit Schlagzeilen.

Denn Altbundeskanzler Gerhard Schröder soll offenbar Ende September in den Aufsichtsrat gewählt werden.

Schröders „Männer-Freundschaft“ zu Putin hat ihm schon während seiner Kanzlerschaft viel Kritik eingebracht; sein Ausspruch, Putin sei ein „lupenreiner Demokrat“, hängt ihm bis heute nach.

Es ist also kein Wunder, dass die Meldung für Schröders SPD zur Unzeit kommt, mitten in der heißen Phase des Bundestags-Wahlkampfs.

Da hilft es dem Kandidaten Martin Schulz wohl auch wenig, dass er sich öffentlich von Schröders Entscheidung distanziert hat und diese im TV-Duell mit Angela Merkel vor einem Millionen-Publikum kritisierte.

Die Rosneft-Aktie übrigens steht ähnlich schlecht da wie die von Gazprom; auch hier ging es seit Jahresbeginn deutlich abwärts: Knapp 4,50 € war das Papier an diesem Freitag wert.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.