Gazprom-Aktie: Was ist denn da los?

Mit fallenden Kursen ist es so eine Sache: Einerseits sollten Anleger günstige Einstiegs-Gelegenheiten erkennen.

Wer mutig ist, kauft bei niedrigen Kursständen – und freut sich über umso höhere Gewinne. Andererseits besagt eine alte Börsen-Weisheit, dass man nie ins fallende Messer greifen sollte.

Kaufen, verkaufen, abwarten – vor dieser Frage stehen Anleger derzeit auch bei Gazprom.

Zum Jahreswechsel markierte die Gazprom-Aktie ein Jahreshoch bei gut 5,30 €, doch seit Mitte Januar geht es steil abwärts.

Seither hat das Papier rund 20% an Wert verloren, zuletzt drohte sogar ein Abrutschen unter die 4-€-Marke.

Ist damit bereits das Gröbste überstanden und eine baldige Gegenbewegung die logische Folge?

Oder ist der Abwärtstrend intakt, der bereits mehrere Unterstützungs-Linien nach unten hin durchbrochen hat?

Charttechnisch gut – fundamental schlecht

Aus charttechnischer Sicht sind viele Beobachter überzeugt, dass die Talsohle bald erreicht sein dürfte und die Aktie wieder Kurs nach oben nehmen müsste.

Dann wären die aktuell niedrigen Notierungen ein guter Zeitpunkt zum Einstieg.

Allerdings – und das ist ein großes Aber – verweisen selbst die vergleichsweise optimistischen Stimmen auf die vielen Fragezeichen bei Gazprom.

So fielen die Bilanzen zuletzt wenig erfreulich aus, auch die Dividendenrendite bleibt hinter den Erwartungen der Anleger zurück.

Hinzu kommen externe Herausforderungen:

Mit dem Wahlsieg des neuen US-Präsidenten Donald Trump hatten zahlreiche Beobachter und Investoren die Hoffnung verknüpft, dass sich das Verhältnis zwischen Moskau und Washington entspannt.

Ganz so schnell und reibungslos scheint das aber nicht vonstatten zu gehen. Stattdessen ist Trump seit seinem Amtsantritt im Januar damit beschäftigt, Skandale und Skandälchen zu provozieren und zu relativieren.

Er regiert per Dekret, sein Stab scheint kaum handlungsfähig, bereits jetzt wurden zahlreiche Führungskräfte ausgetauscht.

Außenpolitisch macht sich Trump vor allem wegen seiner wirtschaftlichen Abschottungs-Politik wenig Freunde, innenpolitisch verscherzt er es sich zugleich mit Medien- und Justiz-Vertretern.

Für Annäherungen an Russland blieb bislang kaum Zeit.

Gazprom-Aktie: Nichts für schwache Nerven

Doch nicht nur die politische Gemengelage ist aus Sicht von Gazprom nicht unbedingt optimal.

Hinzu kommt der neuerliche Kurssturz beim Ölpreis, der nach monatelanger Seitwärts-Bewegung im März eingesetzt hat.

Bekanntlich treffen Turbulenzen beim Ölpreis mit etwas Verzögerung auch die Gaspreise, was die Geschäftszahlen zusätzlich belasten dürfte.

Dass obendrein auch noch der Rubel im Verhältnis zum Dollar zuletzt fester notierte, kommt für Gazprom ebenfalls mehr als ungelegen.

So sehr es also aus charttechnischer Sicht Argumente für einen Kauf der Gazprom Aktie geben mag, so sehr sollten interessierte Anleger auch die fundamentalen Schwierigkeiten im Hinterkopf behalten, mit denen sich das Unternehmen jetzt und in Zukunft konfrontiert sieht.

Fazit

Die Gazprom Aktie ist nichts für schwache Nerven.

2017-03-24 Gazprom

24. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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