Gazprom-Aktie: Warum das Geschäft in der EU stockt

Eine politisch hochbrisante Woche liegt hinter uns:

  • Der neue Bundestag ist am Dienstag zu seiner konstituierenden Sitzung erstmals zusammengetroffen
  • Die Verhandlungen rund um eine mögliche Jamaika-Koalition im Bund laufen.
  • Und mit Frank-Walter Steinmeier hat erstmals seit 7 Jahren ein deutsches Staatsoberhaupt die russische Hauptstadt besucht.

Die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau hatten sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt.

Das liegt zum einen an der Kanzlerin, die im Gegensatz zu ihrem Amtsvorgänger kein freundschaftliches Verhältnis zu Russlands Staats-Chef Wladimir Putin zu unterhalten pflegt.

Zum anderen hat die neue Eiszeit aber auch wesentlich mit Russlands Außenpolitik zu tun:

Seit der Annexion der Halbinsel Krim, die von westlicher Seite scharf kritisiert wurde und auch wirtschaftliche Sanktionen nach sich zog, gilt das Verhältnis als angespannt.

Gazprom: Keine Geschäfte ohne Politik

Die politische Dimension muss immer mitgedacht werden, wenn es um Infrastruktur- und Handels-Beziehungen zwischen Russland und Europa geht.

Wesentlich davon betroffen ist auch Gazprom, der russische Gaskonzern, in dem der Kreml kräftig mitmischt und der weite Teile Europas mit dringend benötigtem Gas beliefert.

Um die Versorgung künftig auch bei steigendem Bedarf sicherzustellen, läuft bereits seit geraumer Zeit das Projekt Nord Stream 2.

Dies ist eine Pipeline, die über die Ostsee Erdgas von Russland nach Deutschland transportieren soll und bei deren Bau die EU gern mehr Mitspracherecht hätte, als ihr bislang zusteht.

Die Angst des Baltikums

Die politische Dimension betrifft europaweit nämlich mitnichten nur Berlin, Paris oder Brüssel und die dortige Empörung über russisches Expansions-Gehabe.

Stattdessen sind es fundamentale Existenz-Ängste in ehemaligen Sowjet-Staaten wie Polen oder dem Baltikum, welche die Diskussion um die Ostsee-Pipeline mit Vehemenz auf die europäische Agenda rücken.

Kurzfristig fürchten sie um Einnahmen aus Transit-Gebühren, doch im Kern geht es um mehr:

Wenn Moskau sich einfach so die Krim einverleiben kann, wer würde Putin dann davon abhalten, Gleiches auch beispielsweise mit Estland zu veranstalten?!

Es schwingt eine Menge Politik und Geschichte mit in den Geschäften zwischen der Europäischen Union und Gazprom.

Immerhin: Steinmeier und Putin haben sich um versöhnliche Worte bemüht und bei ihrem Treffen offiziell für eine Wiederannäherung geworben – einfach wird das allerdings gewiss nicht.

Gazprom-Aktie auf Erholungskurs

Anleger, die trotz allem auf die Gazprom-Aktie setzen, konnten sich zumindest in den letzten 2 Monaten wieder über eine leicht ansteigende Kurs-Entwicklung freuen.

Zuvor war es jedoch rapide bergab gegangen:

Auf Jahressicht notiert das Papier noch immer rund 7% im Minus. Für 3,63 € oder 4,31 US-Dollar war die Gazprom-Aktie am Mittwoch zu haben.

Ob sich die Erholung fortsetzt oder nicht, wird wohl nicht zuletzt davon abhängen, ob es in Brüssel und Berlin gelingt, eine Annäherung an Moskau zu gestalten – unter Berücksichtigung auch der kleineren, östlich gelegenen EU-Staaten.

2017-10-25 Gazprom


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28. Oktober 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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