Gazprom-Aktie: Scheitert Nord Stream 2 doch noch?

Gas-Pipeline Nord Stream 2: Das Großprojekt droht zu scheitern. Die Gazprom-Aktie konnte zuletzt Boden gutmachen, schwächelt aber weiterhin. (Foto: g0d4ather / shutterstock.com)

Droht der Gas-Pipeline Nord Stream 2 das Aus?

Zumindest besteht diese Gefahr, und sie ist wieder etwas bedrohlicher geworden, seit die USA erneut Sanktionen gegen Russland verhängt haben.

Der Dauerstreit zwischen Russland und dem Westen, der sich seit der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Moskau verschärft hat, sorgt nicht nur politisch für Verunsicherung in der Welt.

Auch große Infrastruktur-Projekte stehen wieder vermehrt auf dem Prüfstand.

Starke Abhängigkeit von russischem Gas

Über die Nord Stream 2 ist schon viel diskutiert worden. Über die geplante Pipeline könnte der russische Gasriese Gazprom jedes Jahr 55 Mrd. Kubikmeter Gas in die EU exportieren.

Das wäre für beide Seiten gut; Gazprom wittert starke Geschäfte, Europa ist auf die Gasversorgung aus Russland angewiesen.

Diese Abhängigkeit wird in Zukunft noch steigen, führt man sich die hiesigen Debatten rund um alternative Fahrzeug-Antriebe oder auch energetisch nachhaltige Immobilien-Sanierungen an.

Europa setzt auf Umweltfreundlichkeit, und da ist vergleichsweise sauberes Gas ein gern gesehener Rohstoff.

Etliche Rückschläge in der Planung

Eine neue, gigantische Pipeline wäre also im Sinne aller Beteiligten. Und doch sind politische Bedenken im Weg.

Denn durch die neuerlichen Sanktionen besteht die Gefahr, dass in den kommenden Wochen und Monaten immer mehr dringend benötigte Partner abspringen.

Und dadurch könnte das Projekt letztlich doch nicht realisiert werden.

Doppelschlag gegen Russland: Sanktionen und Jukos-UrteilDoppelschlag gegen Russland: Schiedsgericht in Den Haag verhängt Milliardenstrafe wegen Jukos-Enteignung und EU beschließt neue Sanktionen.  › mehr lesen

Schon häufiger hatte das Projekt in der Planungs-Phase Rückschläge verkraften müssen, immer wieder wurden Horror-Szenarien auch im Aktienkurs eingepreist.

Ein jetziges Aus würde zudem nicht nur künftige Einnahme-Potenziale verpuffen lassen, sondern auch bereits getätigte Investitionen pulverisieren, die Gazprom dann abschreiben müsste.

Gazprom-Aktie im Keller

Anleger sind jedoch schon einigen Kummer gewohnt:

  • Die Gazprom-Aktie hat nach ihrem Jahreshoch im Januar, als sie kurzzeitig für etwas mehr als 5 € gehandelt wurde, zum Sinkflug angesetzt und ist auf bis zu 3,23 € zurückgefallen.
  • Der Jahres-Tiefstwert wurde Ende Juli erreicht.
  • Zwar hat sich das Papier zuletzt wieder leicht berappeln können: Auf Monats-Sicht lag die Gazprom-Aktie zuletzt rund 4% im Plus.
  • Doch die Langzeit-Betrachtung spricht Bände: Auf 12-Monats-Sicht beträgt das Minus 7%.
  • Knapp 3,50 € oder 4,18 US-Dollar war das Papier in dieser Woche wert.

Gas und Öl: Schwierige Partner

Die russischen Großkonzerne, die traditionell eng verknüpft sind mit dem Kreml, haben im Rest der Welt oftmals einen eher zweifelhaften Ruf.

Dennoch lässt sich die Abhängigkeit des Westens und insbesondere Europas von den russischen Gaslieferanten leugnen.

Ebenso wenig ist die Tatsache abzustreiten, dass der weltweite Öldurst immer noch vornehmlich aus Quellen in arabischen Staaten befriedigt wird.

Dort wiederum sieht die Verwobenheit zwischen Staats- und Konzernführung nicht eben besser aus.

Es ist ein schmaler Grat, auf dem die Politik wandelt, wenn sie mit diesen Lieferanten einerseits Geschäfte aushandeln muss, sich aber andererseits gezwungen sieht, Sanktionen zu verhängen.

Welche Auswirkungen all das auf Nord Stream 2 letztlich haben wird, bleibt abzuwarten.

2017-09-21 Gazprom


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.