Gazprom Aktie: Was die Experten jetzt sagen

Das Jahr 2014 hat den russischen Energieriesen Gazprom vor zahlreiche Herausforderungen gestellt, die nicht durch das Unternehmen selbst, sondern durch externe politische und wirtschaftliche Faktoren abgesteckt wurden.

Das Zerwürfnis des Westens mit Moskau in der Krise um die Ukraine hat zu Sanktionen aus Washington und Brüssel geführt, deren Auswirkungen gerade Gazprom deutlich zu spüren bekommen hat.

Inzwischen befindet sich die gesamte russische Wirtschaft in Schieflage. Die Finanzmärkte rauschen ebenso in den Keller wie die Landeswährung, internationale Geschäfte werden immer schwieriger.

Für die Energiebranche kommt erschwerend hinzu, dass nicht nur der russische Rubel, sondern auch der Ölpreis immer tiefer abstürzt. Anfang Januar war das Barrel der weltweit wichtigsten Ölsorte Brent erstmals seit 2009 für weniger als 50 Dollar zu haben und damit nur noch halb so teuer wie noch vor wenigen Monaten. Diese Entwicklung trifft Energiekonzerne weltweit, wirkt sich aber für Gazprom aufgrund der allgemein schwierigen Rahmenbedingungen besonders heftig aus.

Gazprom-Chart bleibt auch 2015 sprunghaft

Der Aktienkurs rauschte in den Keller und markierte im Dezember ein Tief von 2,78 Euro. Zwar hat sich das Papier inzwischen davon erholt und notierte zuletzt bei rund 4 Euro. Doch gerade diese Sprunghaftigkeit dürfte auch im neuen Jahr charakteristisch bleiben für die Gazprom-Kurve.

Immerhin sind die politischen und wirtschaftlichen Probleme keineswegs ausgeräumt oder auch nur ansatzweise gelöst. Ganz im Gegenteil: Russlands Präsident Wladimir Putin stimmte seine Landsleute bereits Ende 2014 auf wirtschaftlich harte Zeiten ein, die er aber in wenigen Jahren für überwunden ansieht.

Erst einmal heißt das jedoch für Gazprom und seine Aktionäre: Auch 2015 wird ein ungemütliches Jahr. Dementsprechend mahnen auch Analysten zur Vorsicht.

Gazprom-Aktie: nur für risikobereite Anleger geeignet

Sie sehen die Aktie zwar als sehr günstig bewertet an, warnen jedoch gerade konservativ orientierte Anleger vor einem Investment. Denn auch im neuen Jahr ist mit hoher Volatilität zu rechnen, eine stichhaltige Prognose, wohin die Reise geht, wagt kaum jemand zu treffen.

Wer das Risiko nicht scheut und auf mögliche Gewinne spekulieren möchte, kann allerdings derzeit günstig einsteigen. Ausgeschlossen ist eine positive Geschäftsentwicklung nicht unbedingt. Das Management zeigt sich optimistisch und hält an seinen Investitionsplänen weitgehend fest.

Experten rechnen allerdings mit rückläufigen Umsätzen. Die Prognosen liegen derzeit bei 111 Milliarden Dollar, das wären etwa 20 Prozent weniger als in 2014. Begründet liegen diese Einschätzungen vor allem im niedrigen Ölpreis, da viele langfristige Lieferverträge eine Koppelung des Gaspreises an den Ölpreis vorsehen.

Auch das operative Ergebnis wird sich Analysen zufolge rückläufig entwickeln und von 48 auf 42 Milliarden Dollar schrumpfen. Dass der Nettogewinn mit 24,8 Milliarden Dollar fast doppelt so hoch angesetzt wird wie im Vorjahr ist hingegen vor allem auf hohe Sonderbelastungen in 2014 zurückzuführen.

Fazit: Wer das Risiko scheut, sollte die Finger von Gazprom-Aktien lassen. Wer sich auf Unsicherheiten und sprunghafte Chartverläufe einlassen möchte, kann jetzt günstig einsteigen.

12. Januar 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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