Gazprom Knüller: Jetzt kommt Hilfe aus China

Es ist ein Unternehmen, das sehr gemischte Gefühle hervorrufen kann: Gazprom.

Allein durch seine Größe flößt der Gasgigant aus Russland Respekt ein, es handelt sich immerhin um den größten Erdgaskonzern der Welt. Ihm gehört mehr als ein Viertel der bekannten Gasvorkommen rund um den Globus – und das russische Exportmonopol auf den Rohstoff.

Dass der Staat die Mehrheit hält und der Kreml kräftig mitmischt bei den Geschäften, scheint Anleger kaum zu schrecken, und das trotz der immer wieder kritisierten Intransparenz.

Doch der Konzern hat schwere Jahre hinter sich – und womöglich auch noch vor sich.

Konflikte mit Europa

Die Konflikte um die Ukraine und die russische Annexion der Halbinsel Krim sorgten für eine diplomatische Krise zwischen Moskau und dem Westen, insbesondere Washington und der Europäischen Union. Wirtschaftliche Sanktionen waren die Folge – und die trafen auch Gazprom mit aller Härte.

Dennoch ist Europa nach wie vor ein wichtiger Abnehmer für russisches Gas und durchaus auch abhängig von den Russen, was hierzulande oftmals nur zähneknirschend eingestanden wird – denn es bedeutet auch politische Zugeständnisse, die wiederum zuhause schwer vermittelbar sind.

Rohstoffpreise: Steht das Schlimmste noch bevor?

Doch nicht nur vor dem Hintergrund politischer Auseinandersetzungen gestaltete sich das Geschäft für Gazprom in den letzten Jahren schwierig. Auch der Preiscrash an den Rohstoffmärkten schlägt sich in den Büchern nieder.

Zwar profitierte der Konzern im vergangenen Jahr von der Schwäche des russischen Rubels, der gegenüber dem US-Dollar stark abgewertet hatte, denn die internationalen Geschäfte werden zumeist in US-Dollar bezahlt und für die Bilanz in Rubel umgerechnet.

Experten gehen jedoch davon aus, dass nach den Tiefstständen, die der Ölpreis in den vergangenen Monaten markiert hat, auch der Gaspreis abstürzen wird – mit einem halben bis Dreivierteljahr Abstand. Dann stünde Gazprom das Schlimmste noch bevor.

Aktie unter Beschuss

Nichtsdestotrotz scheint die Gazprom-Aktie auf Anleger eine Faszination auszuüben – und das, obwohl der Kurs in den vergangenen Jahren kräftig abgeschmiert ist.

2008 kostete der Anteilsschein noch rund 20 Euro, inzwischen ist er für nicht einmal 4 Euro zu haben. Auf einen tiefen Sturz zum Jahresende 2008 folgte lediglich in 2011 noch einmal ein kurzes Aufbäumen auf rund 12 Euro, doch seither geht der Trend stetig abwärts.

Milliarden aus China

Ob Gazprom eine Kehrtwende schafft? Das ist schwer zu sagen. Frisches Geld immerhin kam gerade aus China: Die Bank of China hat dem Gasriesen gerade einen Kredit in Höhe von zwei Milliarden Euro gewährt bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Verwendungszweck? Unklar.

Asien allerdings wird für die Russen ohnehin immer wichtiger: Gerade seit es in Europa schlechter läuft, wurden die östlichen Nachbarregionen als Handelspartner entdeckt. Eine weitere Expansion in asiatische Gefilde kann dementsprechend als durchaus wahrscheinlich angesehen werden.

10. März 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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