Gea-Aktie: Maschinenbauer setzt Talfahrt nach schwachen Geschäftszahlen fort

Gea-Aktie: Spezialmaschinenbauer rauscht nach schwachen Zahlen in den Keller. Großaktionäre machen Druck (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Der Blick auf den Kurschart des Maschinenbauers Gea macht wahrlich keine Freude. Um knapp 20% rutschte der Kurs im vergangenen halben Jahr in den Keller. Zuletzt beschleunigte sich die Talfahrt sogar noch. Alleine am Donnerstag verloren die Papiere nach Vorlage der Quartalszahlen um mehr als 6% an Wert.

Was sind die Hintergründe der schwachen Zahlen? Wie steht es um die langfristigen Perspektiven und wie schätzen die Analysten die Zukunft des Konzerns ein?

Gea – Prozesstechnik für die Nahrungsmittelindustrie

Bevor ich auf die jüngste Geschäftsentwicklung eingehe, möchte ich Ihnen den Düsseldorfer Konzern näher vorstellen. Gea ist einer der größten Systemanbieter für die nahrungsmittelverarbeitende Industrie, die für rund 72% der Umsätze verantwortlich ist. Der Fokus liegt auf den beiden verfahrenstechnischen Grundprozessen Wärmeaustausch und Stofftrennung.

Weltweit entsteht beispielsweise etwa ein Drittel des Instantkaffees in Anlagen der GEA Group und ungefähr jeder vierte Liter Milch wird mit Equipment der GEA Group gemolken bzw. weiterverarbeitet. Etwa 27% der Erlöse erzielt die Düsseldorfer Technologiefirma mit Dienstleistungen einschließlich der Wartung und Reparatur.

Führende Wettbewerbsposition

In ihren Märkten ist GEA zumeist innerhalb der Top 3 Anbieter weltweit positioniert. Größe und Innovation (Investitionen ~2% des Umsatzes) bieten einen gewissen Schutz gegen neue Marktteilnehmer. Bestehende Wettbewerber sind SPX (Energieerzeugende Industrie), Alfa Laval (#1 in Wärmetauschern), DeLaval (Milchproduktion und Nutztierhaltung) und Tetra Laval (Nahrungsmittelverarbeitung und –verpackung).

Schwache operative Entwicklung

Zuletzt ließ die operative Entwicklung des Anlagenbauers aber zu wünschen übrig. Probleme in Amerika und die Investitionszurückhaltung der Milchindustrie machen dem Anlagenbauer Gea zu schaffen. Deutlich wird das beim Blick in das abgelaufene Quartal. Während der Umsatz minimal auf 1,035 Milliarden Dollar stieg, brach das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um sage und schreibe 32% auf 65 Millionen Euro ein. Einziger Hoffnungsschimmer war der Auftragseingang, der mit 1,1 Milliarden Euro höher ausfiel als erwartet.

Prognose in Gefahr

Die Gea-Anleger sind leid geprüft. Im zurückliegenden Geschäftsjahr musste der Anlagenbauer dreimal seine Jahresprognose nach unten schrauben. Ob in diesem Jahr das gleiche Schicksal droht, wird sich noch zeigen. Vorstandschef Jürg Olas warnte vor einem herausfordernden Umfeld und trat auf die Euphorie-Bremse. Zwar hält er vorerst an der Planung fest, koppelt jedoch das Erreichen an die Entwicklung der Auftragseingänge im zweiten Quartal.

Großaktionäre machen Druck

Ruhe dürfte daher so schnell bei dem Düsseldorfer Konzern nicht einkehren. Denn die beiden Großanleger, der Milliardär Albert Frère und der Hedgefondsmanager Paul Singer, haben gerade einen vorzeitigen Chefwechsel durchgesetzt. Damit aber nicht genug. Die Investoren wollen die Einkaufstour des Konzerns einschränken und den Fokus schärfen. Ein Vorschlag ist das margenschwache Geschäft des Anlagebauers abzustoßen und auf die Kostenbremse zu treten.

Analysten sind sich nicht einig

Unterdessen sind sich die Analysten nicht einig, wie sie das Potenzial der Aktie einschätzen sollen. Von den insgesamt 31 Experten, die sich mit der Aktie beschäftigen, raten 12 zum Kauf der Papiere, während 17 Analysten in Gea eine Halteposition sehen und 2 Banker sogar den Verkauf der Aktie empfehlen. Im Schnitt erwarten die Experten für 2018 einen Gewinn von 1,98 Euro je Aktie. Damit wird Gea momentan mit dem 15-Fachen des erwarteten Gewinns bewertet. Das durchschnittliche Kursziel liegt nach dem Kurssturz mit 39,76 Euro gut 23% über dem aktuellen Kursniveau.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.