Gea: Neuer Konzernspitze will den Spezialanlagenbauer mit Stellenabbau und Portfolioverkäufen auf Profit trimmen

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Gea-Aktie: Konzernumbau nimmt mit neuem Mangement Formen an. Massiver Stellenabbau und Randverkäufe sollen Rendite trimmen. (Foto: ET1972/Shutterstock)

Lange Zeit ging nichts bei der Gea-Aktie. Nach operativen Schwierigkeiten und mehrfachen Gewinnwarnungen war der Aktienkurs auf Talfahrt und halbierte sich vom Herbst 2017 bis zum Februar dieses Jahres. Doch mit dem Chefwechsel im Februar hat sich auch die Stimmung unter den Investoren wieder verbessert und den Kurs der Papiere seither um 20% steigen lassen.

Jetzt lässt das Management Taten folgen und hat auf dem Kapitalmarkttag in London den Investoren seine neue Mittelfristplanung vorgestellt. Klar ist, der neue Vorstandschef Stefan Klebert und der Finanzvorstand Marcus Ketter drücken bei der Neuaufstellung des zuletzt ertragsschwachen Konzerns kräftig auf die Tube.

Prozesstechnik für die Nahrungsmittel-Industrie

Bevor ich auf die neuen Planungen eingehe, möchte ich Ihnen das Unternehmen erst einmal näher vorstellen. Gea ist einer der größten System-Anbieter für die nahrungsmittelverarbeitende Industrie, die für rund 72% der Umsätze verantwortlich ist. Der Fokus liegt auf den beiden verfahrenstechnischen Grundprozessen Wärme-Austausch und Stofftrennung.

Weltweit entsteht z. B. etwa 1/3 des Instant-Kaffees in Anlagen der GEA Group, und ungefähr jeder 4. Liter Milch wird mit Equipment der GEA Group gemolken bzw. weiterverarbeitet. Etwa 27% der Erlöse erzielt die Düsseldorfer Technologiefirma mit Dienstleistungen einschließlich der Wartung und Reparatur.

Gea mit führender Wettbewerbs-Position

In ihren Märkten ist GEA zumeist innerhalb der Top 3 Anbieter weltweit positioniert. Größe und Innovation (Investitionen ~2% des Umsatzes) bieten einen gewissen Schutz gegen neue Marktteilnehmer. Bestehende Wettbewerber sind:

  • SPX (Energieerzeugende Industrie),
  • Alfa Laval (#1 bei Wärmetauschern),
  • DeLaval (Milchproduktion und Nutztierhaltung)
  • und Tetra Laval (Nahrungsmittel-Verarbeitung und -Verpackung).
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Durchwachsene Geschäftsentwicklung

In den vergangenen Jahren lief es operativ bei Gea eher durchwachsen. In 2018 lag der Umsatz mit 5,49 Milliarden Euro in etwa auf dem Niveau wie 2014. Beim Gewinn musste der Anlagenbauer aber kräftige Einschnitte machen. Unter dem Strich blieben 129 Millionen Euro hängen. Das entspricht einer Gewinnspanne von 2,35% und erreichte damit das niedrigste Niveau seit dem Krisenjahr 2008.

Gea treibt Umbau voran

Unterdessen setzt der Anlagenbauer auf ein umfangreiches Sparprogramm. Bis 2020 sollen etwa 800 Vollzeitarbeitsstellen abgebaut werden. Das sind rund 4% der kompletten Belegschaft. Zusätzlich sollen Produktionskapazitäten nach Osteuropa verlagert werden und die bestehenden Standorte in Asien/Pazifik zusammengeführt werden, um die Auslastung zu erhöhen. Stand heute produziert Gea noch zu einem Großteil in Hochlohnländern. Dieser Anteil soll bis 2025 von 73% auf 63% reduziert werden.

Bündelung des Einkaufs schafft hohes Einsparpotenzial

Zugleich soll das Einkaufsvolumen gebündelt und damit rund 50 Millionen Euro pro Jahr ab 2022 einspart werden. Allerdings belasteten die Maßnahmen erst einmal die Bilanz. Der Restrukturierungsaufwand wird mit 210 bis 250 Millionen Euro bis 2022 beziffert. Bei den neuen Mittelfristzielen peilt Gea bis 2022 ein jährliches Umsatzwachstum von 2 bis 3% an. Die Gewinnmarge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBIDTA) soll von voraussichtlich 9,8% im laufenden Geschäftsjahr bis dahin auf 11,5 bis 13,5% gesteigert werden.

Darüber hinaus werden die geplanten Portfoliobereinigungen ins Visier genommen. Konkret nennt der Vorstand Verkäufe in der Farmtechnik und Kältetechnik, da diese Bereiche nur geringe Margen abwerfen.

Fazit: Das beherzte Durchgreifen der neuen Konzernspitze dürfte den Anlegern gefallen. Die Pläne zur Neuausrichtung könnten mittelfristig erhebliches Margenpotenzial entfalten. Die bestätigte Prognose und das Bekenntnis zur Dividende in Höhe von 85 Cent je Aktie dürfte die Aktie ebenfalls nach unten absichern. Für deutlich höhere Kurse ist aber mehr von Nöten. Die neue Führung ist jetzt in der Bringschuld und muss zeigen, dass es sich bei den Plänen nicht nur um bloße Lippenbekenntnisse handelt.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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