Gea: Quartalszahlen hauchen strauchelndem Anlagenbauer wieder Lebensenergie ein

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Gea-Aktie: Totgesagte leben länger. Anleger feiern soliden Jahresstart und bestätigte Prognose. Operativ gibt es aber noch zahlreiche Stolpersteine. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Lange Zeit ging nichts bei der Gea-Aktie. Nach operativen Schwierigkeiten und mehrfachen Gewinnwarnungen mussten die Anleger mit zusehen, wie sich der Aktienkurs seit 2016 zwischenzeitlich mehr als halbierte. Da half auch (zumindest kurzfristig) der Einstieg von zwei aktivistischen Investoren, die Druck auf das Management ausübten, wenig.

Doch zuletzt konnte Anleger den sprichwörtlichen Silberstreif am Horizont sehen. Nach einem soliden Jahresstart und der Bestätigung der Prognose startete die Aktie zuletzt durch. Nach einem Tagesplus von beinahe 10% am vergangenen Freitag liegt der Börsenwert wieder bei mehr als 4,5 Milliarden Euro.

Prozesstechnik für die Nahrungsmittel-Industrie

Gea ist einer der größten System-Anbieter für die nahrungsmittelverarbeitende Industrie, die für rund 72% der Umsätze verantwortlich ist. Der Fokus liegt auf den beiden verfahrenstechnischen Grundprozessen Wärme-Austausch und Stofftrennung.

Weltweit entsteht z. B. etwa 1/3 des Instant-Kaffees in Anlagen der GEA Group, und ungefähr jeder 4. Liter Milch wird mit Equipment der GEA Group gemolken bzw. weiterverarbeitet. Etwa 27% der Erlöse erzielt die Düsseldorfer Technologiefirma mit Dienstleistungen einschließlich der Wartung und Reparatur.

Gea mit führender Wettbewerbs-Position

In ihren Märkten ist GEA zumeist innerhalb der Top 3 Anbieter weltweit positioniert. Größe und Innovation (Investitionen ~2% des Umsatzes) bieten einen gewissen Schutz gegen neue Marktteilnehmer. Bestehende Wettbewerber sind:

  • SPX (Energieerzeugende Industrie),
  • Alfa Laval (#1 bei Wärmetauschern),
  • DeLaval (Milchproduktion und Nutztierhaltung)
  • und Tetra Laval (Nahrungsmittel-Verarbeitung und -Verpackung).
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Mehr Umsatz aber weniger Ergebnis

Umsatzseitig erreichte Gea im Startquartal, vor allem getragen vom Geschäft in Nord- und Mitteleuropa, Asien-Pazifik sowie in Nordamerika einen Anstieg um 1,7% auf 1,1 Milliarden Euro. Dabei hat sich das Servicegeschäft der Sparte Equipment, mit Produkten wie Separatoren, Ventilen, Pumpen und Ausrüstungen für Kältetechnik, überdurchschnittlich entwickelt.

Beim Ergebnis gab es allerdings einen kleinen Rücksetzer. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging ohne die Sanierungs-Rückstellung um knapp 3% auf 74,6 Millionen Euro zurück. Alle Kennziffern lagen aber leicht über den Markterwartungen.

Stellenabbau soll Effizienz steigern

Unterdessen setzt der Anlagenbauer auf ein umfangreiches Sparprogramm. Vor allem im Bereich der Milchverarbeitung sollen bestehende Überkapazitäten gekappt werden. Sie müssen wissen: Der Bereich Milchverarbeitung läuft seit Längerem nicht rund. In den letzten drei Jahren ist der Beitrag für die konzernweiten Auftragseingänge um 6 Prozentpunkte auf nunmehr 18% gesunken.

Die Maßnahmen dürften weltweit zu einem Abbau von 200 bis 250 Stellen führen. Die notwendigen Rückstellungen für die Restrukturierungsmaßnahmen dürften zwischen 30 und 45 Millionen Euro liegen und voraussichtlich im zweiten Quartal gebucht werden.

Jahresprognose hat Bestand

Für das Gesamtjahr hält die neue Führung an den Zielen fest. So soll der Umsatz moderat unter dem Vorjahresniveau von 4,8 Milliarden Euro liegen. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebidta) peilen die Düsseldorfer einen Bereich zwischen 450 und 490 Millionen Euro an. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital soll zwischen 8,5 und 10% liegen.

Fazit: Die Anleger feiern die Zahlen und die bestätigte Prognose. Der ehemalige Schuler-Chef, der jetzt Gea führt, scheint wieder Vertrauen bei den Investoren zu gewinnen. Allerdings sollten Sie beachten, dass der um 8% gestiegene Auftragseingang auch mit deutlich höheren Vertriebskosten zusammenhängt. Für eine nachhaltige Wende muss der Anlagenbauer jetzt zeigen, dass mittelfristig sowohl Wachstum erzielt als auch die Profitabilität gesteigert werden kann.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.