Gebremster Schaum bei diesem Überflieger

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Digitale Medien können durchaus erfolgreich sein. Dies zeigt Axel Springer seit Jahren. Doch wie geht es weiter? Lesen Sie unsere Analyse! (Foto: 360b / shutterstock.com)

Lesen Sie noch Zeitung? Sicher, im Urlaub greifen noch immer viele Deutsche zur heimischen Tageszeitung. Doch im Alltag? Wenn es morgens schnell gehen muss, verlassen sich viele Menschen auf das Radio und gelesen wird dann im Büro bei der zweiten Tasse Kaffee oder während der Mittagspause. Trotzdem muss dieses veränderte Nutzungsverhalten keine schlechte Nachricht für Medienhäuser sein.

Wie sich dennoch Geld verdienen lässt, zeigt seit Jahren erfolgreich Axel Springer. Lesen Sie unsere Analyse und erfahren Sie mehr! Der Axel Springer Verlag wurde 1946 gegründet und ist mit der Bild Europas größtes Zeitungshaus. Das Kerngeschäft liegt auf dem Printsektor mit Zeitungen wie Bild, Die Welt und Berliner Morgenpost sowie Zeitschriften, Druckereien und Vertriebsorganisationen. Schwerpunkte der Auslandsaktivitäten im Zeitungs- und Zeitschriftengeschäft sind Frankreich, Spanien und die Schweiz sowie in Osteuropa Polen, Ungarn und Tschechien.

Springer setzt auf Internationalisierung

Springer hat seine Digitalisierungsstrategie im 1. Halbjahr weiter vorangetrieben. Der Umsatz sank zwar um 1,9% auf rund 1,5 Mrd €, dafür sind die Umsätze aber deutlich digitaler geworden. Rund drei Viertel des Umsatzes stammen jetzt aus dem digitalen Bereich. Tendenz weiter steigend. Springer ist damit der einzige europäische Zeitungskonzern, der den Digitalisierungsprozess frühzeitig erkannt und für sich genutzt hat.

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Allerdings waren diese Schritte nicht ganz preiswert. Die Rentabilität hat sich deutlich verschlechtert. Auch der freie Cashflow nahm um über ein Drittel ab. Interessanter als die jüngsten Zahlen ist aber der Einstieg des Großinvestors KKR. Der Finanzinvestor wird 27,8% von Springer erwerben. Der Vorstand und der Aufsichtsrat sowie die Konzernerbin Friede Springer begrüßten das Angebot. In einer mehr als 110- seitigen Stellungnahme wurde aber immer wieder betont, dass die journalistische Unabhängigkeit gewahrt bleiben werde. Man sehe den Schritt nur als einen weiteren Meilenstein der Internationalisierung.

Sonderbelastung als Wendepunkt?

Allerdings scheinen die großen Worte nicht ganz ernst genommen zu werden. Denn als Übernahmebedingung wurde ein Mindestergebnis der Welt-Gruppe vorgeschrieben. Für die auflagenstärkere und erfolgreichere BILD-Gruppe gelten diese Vorschriften jedoch nicht. Wie das mit der journalistischen Unabhängigkeit konform gehen soll, ist zweifelhaft. An der Börse wurde die Übernahmeofferte als positiv wahrgenommen.

Uns ernüchtert die Entwicklung dennoch ein wenig. Nach Jahren des Aufschwungs könnte die hohe Sonderbelastung das Wachstum etwas bremsen. Die Aktie bleibt gut, aber ist nicht mehr der Überflieger der letzten Jahre. Kaufen Sie nur bei Schwäche!


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.