Gefährlich: Lebensversicherungen bangen um Rendite – wegen Anleihen

Kaum jemand wollte glauben, was wir hier seit längerer Zeit beschreiben: Lebensversicherungen bringen zu wenig Rendite.

Jetzt wird es dramatischer: Versicherungsgesellschaften verdienen mit Staatsanleihen, die solide sind, kaum noch Geld.

Deutsche Anleihen sind aus Renditesicht eine Katastrophe. Dies trifft auch Ihre Verträge und deren Rendite.

Vorsicht: Zinsen sinken und sinken

Wer Versicherungen für die Kapitalbildung abgeschlossen hat – also Kapitallebensversicherungen – wird sich in den nächsten Jahren wundern.

Die Renditen sinken drastisch, wenn es nach Adam Riese geht. Grund sind die Rendite-Chancen für die Versicherungen selbst. Der Staat verpflichtet die Gesellschaften dazu, Ihr Geld überwiegend in Anleihen zu investieren.

Diese aber bringen dieser Tage für 6 Monate vom Bund etwa noch 0,08% Zins.

Davon müssen die Versicherungsgesellschaften aber die Garantiezinsen (auf den Kapitalanteil) finanzieren.

1,75% werden es für Verträge ab dem kommenden Jahr „nur“ noch sein, nur: Sie können sich ausmalen, dass es schwierig wird, diesen Zins von den Erträgen zu erwirtschaften.

Achtung: noch greifen die Versicherungsgesellschaften ihre immensen Reserven aus früheren Einzahlungen an. Nur reichen die Reserven in aller Regel nicht über die nächsten Jahre hinaus. Das bedeutet, dass Investoren spätestens bei der Auszahlung der Verträge in einigen Jahren mit einer deutlich geringeren Überschussbeteiligung rechnen müssten. Die Rechnung also für sinkende Zinsen kommt.

Zusatzproblem: „Luftgewinne“

Die „Allianz Leben“ räumt sogar ein, dass ein hoher Anteil der aufgelaufenen Reserven aus „Luftgewinnen“ besteht. Diese errechnen sich aus den hohen Kursen von Anleihen, die sich im Depot befinden.

Da die Versicherungen anders als viele private Investoren Anleihen meist bis zum Ende der Laufzeit halten, existieren die Gewinne in der Endabrechnung nicht.

Denn: zahlen die Schuldner zurück, dann erhalten die Gläubiger 100% – und nicht 105% oder mehr, wie es aktuelle Kursgewinne vermuten ließen. Das Problem:

Die Auszahlungen zum heutigen Zeitpunkt verschleiern den Umstand, dass Lebensversicherungen Luftgewinne erzielen. So meint der Branchendienst „map-report“ dazu, dass Geld ausgezahlt würde, das augenblicklich nicht vorhanden ist. Zum Problemfall werden danach alle Verträge, die noch 20 Jahre lang oder länger laufen.

Achtung:

  • Lebensversicherungsverträge beziehen sich bei der Kapitalbildung nur auf den kapitalbildenden Anteil (etwa 70% bis 75% dessen, was Sie einzahlen),
  • Die Garantiezinsen von 2,25% (aktuell) sind in Ausnahmefällen sogar noch revidierbar,
  • jährliche Überschussbeteiligungen reduzieren die Beteiligungen zum Laufzeitende, weil Versicherungsgesellschaften derzeit auf Reserven zurückgreifen müssen, um die gut 4% zu zahlen.

GeVestor meint: Die Branche selbst schlägt aktuell bereits Alarm. Lebensversicherungen sind in ernsthafter Gefahr. Die aktuellen Renditen werden die Konzerne nicht mehr lange halten können.

Zumindest Neuverträge würden wir nicht mehr abschließen. Eine Alternative zum kapitalbildenden Teil sind Sparpläne – besonders auf börsengehandelte Aktienfonds (ETFs), wie Direktbanken sie anbieten.

14. November 2011

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Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

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