Gefährliche Forderung: Bargeld abschaffen

Das Tauziehen zwischen Bulle und Bär geht am Aktienmarkt weiter. Nach starken Tagesschwankungen legte der deutsche Leitindex DAX am Ende um rund 1,3% zu und kletterte auf 11.594 Punkte.

Abseits des Aktienmarktes passieren in diesen Tagen Dinge, die sehr kritisch hinterfragt werden müssen. Auf einen besonderen Punkt möchte ich heute hier im „Schlussgong“ eingehen.

Das geflügelte Wort „nur Bares ist Wahres“ klingt heute zum Teil fast schon wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Immer mehr Zahlungen werden per Überweisung, per Bankeinzug, aber auch per EC-Karte oder per Kreditkarte getätigt.

Auch ich nutze häufig meine EC- oder Kreditkarten, um Zahlungen zu tätigem. Andererseits bezahle ich auch immer noch ganz gerne mit Bargeld und häufig ist es zudem gar nicht anders möglich, als mit Bargeld zu bezahlen.

Denken Sie beispielsweise an den Brötchenkauf in der Bäckerei, an den Fleischkauf in der Metzgerei oder auch an kleine Wochenmärkte.

Daher kann und will ich mir eine Welt ohne Bargeld nicht vorstellen. Und doch könnte es schon bald so weit sein. Am heutigen Montag richtet die Schweizer Notenbank (SNB) eine hochkarätige Konferenz in London aus, auf der Top-Ökonomen wie Ken Rogoff und Willem Buiter Vorschläge zur Abschaffung des Bargeldes mit Notenbankvertretern diskutieren.

Hintergründe der möglichen Bargeldabschaffung

Daniel Stelter, ehemaliger Partner der renommierten Beratungsgesellschaft Boston Consulting schreibt: „Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass Regierungen und Notenbanken mit ihrem Latein am Ende sind: Hier ist er. Das Verbot von Bargeld wird offen gefordert.“

Als Begründung für die Abschaffung von Bargeld wird oft die Eindämmung der sogenannten Schattenwirtschaft – also etwa Drogenhandel oder Schwarzarbeit – herangezogen.

Andere Beweggründe sieht dagegen Robert Halver, der Chefanalyst der Baader Bank: „In Wahrheit soll sich niemand mehr gegen Negativzinsen wehren können.“

Er geht zudem davon aus, dass es zunächst zu einer Begrenzung der Bargeld-Nutzung kommt und dann im zweiten Schritt zu einer Abschaffung. In die Kerbe der Begrenzung schlägt auch Kenneth Rogoff.

Der Star-Ökonom, der heute im Rahmen der bereits angesprochenen Konferenz in London Vorschläge zur Abschaffung des Bargeldes diskutiert, fordert, dass die Ausgabe großer Scheine gestoppt werden sollte.

Gegen eine Abschaffung der großen Scheine hätte ich persönlich nichts einzuwenden. Denn: Wann hat man schon einmal einen 500 Euro Schein in der Hand?

Aber: Dies darf aus meiner Sicht nicht der erste Schritt sein, Bargeld ganz abzuschaffen. Und genau diese Gefahr sehe ich, wenn mit dem Verbot der großen Scheine ein erster Schritt in diese Richtung getätigt wird.

In der Schweiz: Aufbewahrung von Bargeld günstiger als Sichteinlagen

In der Schweiz ist es dank der Negativzinsen schon jetzt so, dass die Aufbewahrung von Bargeld selbst nach Abzug von Versicherungs- und Tresorkosten günstiger ist, als Geld auf der Bank zu haben – also als sogenannte Sichteinlagen.

Denn: In der Schweiz hat die SNB vor einiger Zeit einen Negativzins von minus 0,75% eingeführt und ist damit einer der Vorreiter der Negativzinsen. Dies könnte auch der Grund dafür sein, warum die SNB die heutige Konferenz in London, bei der die Abschaffung von Bargeld diskutiert wird, zuvor nicht an die große Glocke gehängt hat.

Fazit: Eine Abschaffung von Bargeld nicht mehr undenkbar

Die Bundesbank äußerte sich noch vor wenigen Tagen wie folgt zu diesem Thema: „Restriktionen für die Bargeldhaltung, wie sie vereinzelt gefordert werden, lehnt die Bundesbank ebenso ab, wie die Forderung nach einer Abschaffung von Banknoten und Münzen.“

Das bedeutet: Die Bundesbank ist strikt gegen die Abschaffung von Bargeld. Aber: Aus meiner Sicht ist ein solches Szenario nicht mehr undenkbar. Daher sollten Sie schon jetzt Ihr Vermögen vernünftig aufteilen. Auch eine Beimischung von Gold und Silber halte ich für sehr sinnvoll.

18. Mai 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Rolf Morrien. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt