Gelber Fluss leidet: Wassermangel und Luftverschmutzung

Chinas Provinz Gangsu: Die Region ist reich an Bodenschätzen und mit einer Reihe von Umweltproblemen konfrontiert. (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Am frühen Morgen, nach einer Fahrzeit von über 17 Stunden, erreicht der Zug Lanzhou, die Hauptstadt der Gansu Provinz. Wer hierhin fährt, hat sicher seine Gründe, denn ein klassisches Reiseziel ist die Stadt gewiss nicht

Gelber Fluss: Wasserknappheit und Luftverpestung

Schon außerhalb des Bahnhofs wird sofort deutlich warum: Die Stadt liegt unter einer dichten Smogwolke. Verglichen mit dem, was einem hier in Sachen Luftverschmutzung geboten wird, erscheinen andere chinesische Metropolen wie Beijing, Shanghai oder Guangzhou als die reinsten Luftkurorte.

Die missliche Lage ist ebenso der Schwerindustrie und petrochemischen Industrie zu verdanken als auch der geographischen Lage geschuldet. Lanzhou, mit 3,3 Mio. Einwohner immerhin so groß wie Berlin jedoch auf 1.600 Meter gelegen, hat sich entlang des Gelben Flusses entwickelt.

Die Stadt hat sich in Ost-West-Richtung entlang des Flusslaufes ausgebreitet, da sich die Berge recht nah an den Gelben Fluss heranschieben und die Entwicklungsmöglichkeiten begrenzt sind.

Geographie begünstigt Luftverschmutzung

Die Berge behindern nicht nur die weitere städtische Entwicklung, sondern begünstigen auch die Entwicklung von Smog. Sehr leicht können sich Luftschichten übereinander schieben und einen natürlichen Austausch verhindern.

Zudem unterbricht eine ungünstige Flussbiegung den normalen Luststrom, sodass nur selten frische Luft in die Stadt strömen kann. Die Folge ist eine Luftverschmutzung, die Lanzhou in die Riege der 30 meist verschmutzten Städte der Welt aufsteigen ließ.

Ein höchst zweifelhafter Ruhm, den auch die Stadtverwaltung gerne loswerden würde. Dass man in China bei der Wahl der geeigneten Mittel mitunter nicht besonders zimperlich ist, hat sich im Westen bereits herumgesprochen.

Doch selbst ich war erstaunt zu hören, dass die Regierung ernsthaft die Sprengung der Berge erwogen habe um das Smog- und Entwicklungsproblem der Stadt in den Griff zu bekommen.

Der Plan scheiterte angeblich an den zu hohen Kosten. Doch auch technisch dürften die Probleme zu groß gewesen sein, denn die Bebauung reicht so dicht an die Berge heran, dass mit der Sprengung der Berge auch die benachbarten Stadtteile gleich mit gesprengt oder unter einer gigantischen Staubwolke begraben worden wären.

So leistet die Stadtverwaltung gerade so etwas wie ihren umwelt- und entwicklungspolitischen Offenbarungseid, denn so wie bisher kann es dauerhaft kaum weitergeahen und wirkliche Lösungen des Problems sind kaum in Sicht.

Kampf gegen die Versteppung

Einem Kampf gegen Windmühlen gleicht auch der Versuch dem Wasserproblem Herr zu werden. Wasser ist in China höchst ungleich verteilt. Während der Süden eher zu viel Wasser hat, ist der Norden extrem trocken.

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Die Landschaft wirkt braun und ausgedorrt. Geregnet hat es hier seit Wochen nicht  mehr und ob die verdorrten Bäume bis zum nächsten Regen überleben werden, darf in vielen Fällen bezweifelt werden.

Dennoch gibt die Stadtverwaltung Jahr für Jahr viel Geld für die Pflanzung neuer Bäume und Sträucher aus. Die meisten Pflanzen gehen schnell wieder ein und doch muss man den Chinesen gerade an dieser Stelle besonders viel Glück und Hartnäckigkeit wünschen, denn die Wüste Gobi ist ohnehin schon nahe genug.

Auch der Gelbe Fluss selbst führt nicht mehr so viel Wasser wie in früheren Jahren. Zu beiden Seiten des Flusses haben sich breite Zonen entwickelt in denen die Bewohner Lanzhous nach den berühmten Kieselsteinen suchen, die anschließend auf den Märkten der Stadt verkauft werden.

Die Uferpromenade, die vor gut 20 Jahren noch an das Wasser herangereicht haben soll, ist heute an vielen Stellen bis zu 50 Meter vom Strom entfernt.

Relativer Wohlstand

Im 2. Weltkrieg wurde die Stadt von den Japanern heftig bombardiert, jedoch nie erobert. Zu sehen  ist davon natürlich nichts mehr. Was an alten Gebäuden die Bomben der Japaner überstand fiel anschließend den Abrissbirnen zum Opfer. Heraus kommt jener Einheitsbrei, der für die modernen chinesischen Städte so typisch ist.

Dank der reichen Bodenschätze, in der Region um Lanzhou werden Gold, Silber, Kupfer, Zink, Nickel und Mangan abgebaut, bringt es die Stadt auf einen ansehnlichen Wohlstand.

Im Jahr 2008 rangierte Lanzhou mit einem Bruttoinlandsprodukt von 25.566 Yuan (3.631 US Dollar) je Einwohner immerhin auf Rang 134 unter 659 chinesischen Städten. Trotzdem ist das Preisniveau hier sehr niedrig.

Eine Taxifahrt kostet deutlich weniger als in Beijing und nur die Hälfte dessen was in Shanghai für die gleiche Fahrleistung verlangt wird.

Die Region ist jedoch einem klassischen Strukturwandel unterworfen, der mich ein wenig an den Wandel des Ruhrgebiets erinnert. Die goldenen Jahre des Bergbaus und der Schwerindustrie sind vorbei. Nicht nur Lanzhou selbst, die ganze Region ist in einen Transformationsprozess eingetreten. Über diesen werde ich Ihnen morgen berichten.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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