Geld schießt eben keine Tore

Die Ablösesummen steigen unaufhörlich an. Doch Aktionäre profitieren davon nicht. (Foto: ninopavisic / shutterstock.com)

Philippe Coutinho verlässt den FC Liverpool und Trainer Jürgen Klopp. Barcelona zahlt für den Mittelfeldmann mindestens 120 Millionen Euro. Damit wird Coutinho zum drittteuersten Spieler aller Zeiten. Erinnern Sie sich noch, wer diesen Titel zuvor innehatte?

Erst im August vergangenen Jahres vermeldete Deutschlands einziger börsennotierter Fußballverein, der BVB Borussia Dortmund, den Wechsel seines Stürmers Ousmane Dembele ebenfalls nach Barcelona. Damals erhielt der BVB für den französischen Nationalspieler eine Ablösesumme von 105 Millionen Euro. Diese kann durch verschiedene Sonderzahlungen auf bis zu 147 Millionen Euro ansteigen.

Nicht schlecht für einen Spieler, den der Verein ein Jahr zuvor für gerade einmal 15 Millionen Euro eingekauft hat. In nur einem Jahr hat sich für den BVB der Einsatz mindestens versiebenfacht. Der Transfer von Dembele wird für den Verein einen Rekordgewinn zur Folge haben.

Dabei ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Wie der Fall Coutinho gezeigt hat, werden die Transfergelder weiter ansteigen. Auch, weil es immer wieder Marktteilnehmer gibt, die nicht darauf angewiesen sind, Geld zu verdienen. Weil sie etwa von arabischen Ölgeldern finanziert werden.

Doch Aktionäre profitieren nicht von der Ertragslage ihres Vereins

Kein Wunder, dass der Wechsel, trotz bedenklicher Handlungen des zuvor streikenden Profis Dembele, von den Verantwortlichen des Vereins als Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten bezeichnet wurde. Ob damit aber auch die Aktionäre gemeint waren, ist jedoch fraglich. Denn Aktionäre von Fußballvereinen profitieren üblicherweise nicht von der Ertragslage ihres Vereins.

Damit unterscheiden sich Fußballvereine von allen anderen Unternehmen. Üblicherweise gilt die Ertragslage als der wichtigste Faktor für die Entwicklung des Aktienkurses eines Unternehmens. Steigt die Ertragslage an, führt dies, unter sonst gleichbleibenden Bedingungen, auch zu einem Ansteigen des Aktienkurses.

Geld schießt keine Tore

Nicht jedoch bei Fußballvereinen. Dies zeigen Studien, die von Fußball-Analysten (diesen Beruf gibt es tatsächlich) in schöner Regelmäßigkeit veröffentlicht werden. Demnach ist die Entwicklung des Aktienkurses eines börsennotierten Fußballvereins viel stärker vom sportlichen Erfolg als vom Gewinn der börsennotierten Muttergesellschaft abhängig.

Ein Blick auf die Bundesligatabelle wenige Tage vor Beginn der Rückrunde zeigt, dass diese für den BVB nicht allzu rosig aussieht: Nur Platz 3, mit 13 Punkten Rückstand auf Rekordmeister Bayern München. Da hatten die Investoren mehr erwartet. Daher muss es nicht verwundern, dass der Aktienkurs des BVB seit Oktober um mehr als ein Viertel seines Wertes eingebüßt hat.

Geld schießt eben keine Tore. Das hat schon Otto Rehagel gewusst. Für einen seriösen Investor ist es daher nur in seltenen Fällen eine gewinnträchtige Option, sich die Aktien ihres Lieblingsvereins ins Depot zu legen. Eher für einen Fan.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.