General Electric: Absturz eines Giganten

Lesen Sie hier, warum der größte Mischkonzern der Welt, General Electric, seinen Aktionären bislang ein Horrorjahr 2017 beschert hat: (Foto: Jonathan Weiss / shutterstock.com)

Ein Blick auf die Kurs-Tafel zeigt uns auch heute: Die Aktienmärkte befinden sich dieser Tage im Rückwärtsgang.

Der DAX rutschte heute zeitweise deutlich unter die 13.000-Punkte-Marke (Tages-Tief bei 12.847 Punkten), bevor eine leichte Erholung den Tages-Verlust begrenzte.

Aktienmärkte momentan im Rückwärtsgang – Gesunde Korrektur

Aktuell notiert der deutsche Leitindex mehr als 500 Punkte unter dem Monats- und Allzeithoch – kein Beinbruch aus meiner Sicht.

Stattdessen handelt es sich dabei vielmehr um eine gesunde Korrektur.

Diese kühlt den vorher leicht überhitzten Markt ab und sorgt dafür, dass wieder mehr Luft nach oben für eine Jahresendrally vorhanden ist.

DAX-Anleger können daher aus meiner Sicht gelassen bleiben. Wie bereits im Januar geschrieben, erwarte ich am Jahresende einen DAX-Stand von rund 13.000 Punkten.

Auf Basis der für 2018 geschätzten Gewinne der 30 DAX-Unternehmen liegt das Index-Ziel bis Ende 2018 bei knapp über 13.900 Punkten.

Zwischenzeitliche Schwäche-Phasen können Sie daher entspannt „aussitzen“, wenn die Konzerngewinne und Dividenden weiterhin so üppig sprudeln.

Bei General Electric geht’s rasant bergab

Weniger gelassen dürften dieser Tage die Aktionäre des US-amerikanischen Industrie-Konzerns General Elelectric (GE) sein:

Während die GE-Aktie zu Beginn des Jahres noch bei rund 32 US-Dollar notierte, liegt der Kurs derzeit nur noch bei knapp über 18 US-Dollar.

Das bedeutet ein Minus von mehr als 40% seit Jahresbeginn. Das Allzeithoch der Aktie ist sogar noch viel weiter vom aktuellen Kurs entfernt.

Welch ein Absturz des vor gar nicht so langer Zeit wertvollsten börsennotierten Unternehmens der Welt!

Die negative Bilanz der GE-Aktie im laufenden Jahr wird umso verheerender, wenn Sie sich Folgendes vergegenwärtigen:

Die US-Aktienmärkte sind in diesem Jahr von einem Rekordhoch zum nächsten geklettert.

Und sowohl der Dow Jones als auch der S&P 500 (deckt die 500 größten börsennotierten US-Firmen ab) haben deutlich 2-stellig zugelegt.

In den vergangenen Tagen und Wochen hat sich der Abwärtstrend der GE-Aktie noch einmal deutlich verschärft.

Doch was sind die Gründe für den Absturz des Giganten General Electric und was unternimmt das Management dagegen?

Gründe für den GE_Absturz und Gegenmaßnahmen

Sowohl der Umsatz als auch der Gewinn sind bei GE schon seit Jahren rückläufig.

Zwar hat der langjährige Firmenchef Jeffrey Immelt, der erst kürzlich seinen Posten geräumt hat, einige Anstrengungen unternommen, um den schrumpfenden Umsätzen und Gewinnen entgegenzusteuern, doch offensichtlich tat er nicht das richtige.

Eine Rückbesinnung auf die Wurzeln des Industrieriesen GE und die Fokussierung auf besonders aussichtsreiche Geschäftsbereiche sollte die Wende bringen – doch das gelang nicht.

Und so legt der neue GE-CEO John Flannery jetzt die Axt ans Portfolio an: Statt auf 7 Industrie-Sparten will sich General Electric in Zukunft auf 3 Kernbereiche konzentrieren.

Neben der Luftfahrt, der angesichts der hervorragenden Auftragslage im kommenden Jahr 7 – 10% organisches Wachstum zugetraut werden, soll dies die Medizintechnik sein, die ebenfalls wächst

Und es bleibt auch das Energie-Geschäft, das mit einem erwarteten Umsatz-Rückgang von 10% im kommenden Jahr das Sorgenkind im Portfolio bleiben wird.

Prognosen kassiert und Dividende halbiert

Zu dem deutlichen Kurssturz in diesem Jahr führte vor allem die Tatsache, dass GE sowohl die Prognose für das laufende Jahr als auch die Ziele für das kommende Jahr kassieren musste – und zwar deutlich.

Nachdem der ehemalige GE-Chef Immelt für 2018 noch ein Ergebnis von 2 US-Dollar je Aktie in Aussicht gestellt hatte, sind es jetzt nur noch 1,00 – 1,07 US-Dollar je Aktie.

Analysten hatten zuletzt immerhin noch mit einem Gewinn je Aktie in Höhe von 1,17 US-Dollar für das kommende Jahr gerechnet.

Darüber hinaus teilte der Konzern mit, dass die Quartals-Dividende auf 0,12 US-Dollar je Aktie halbiert wird.

Die Senkung der Dividende ist erst die 3. in der über 125-jährigen Geschichte des Konzerns – und die 1. Kürzung in einer allgemein guten Konjunktur-Phase.

Das zeigt, dass viele Probleme hausgemacht sind.

Ob es der neue GE-Chef Flannery schafft den einstigen Vorzeige-Konzern GE zeitnah wieder in die Spur zu bringen, wird sich zeigen.

Derzeit sollten auf jeden Fall nur spekulativ orientierte Anleger bei GE zugreifen!

Da die Börse oft übertreibt – auch bei Kurs-Abschlägen –, könnten sich bald Kaufgelegenheiten ergeben, wenn der Abwärtstrend noch einige Tage anhält.

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.