General Electric-Aktie: Industriekonglomerat verschafft sich Luft mit Milliardenverkauf

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General Electric meldet Megadeal. Das Industriekonglomerat trennt sich für über 20 Milliarden Dollar von seiner Biophamasparte. (Foto: Jonathan Weiss / shutterstock.com)

Derzeit nimmt der Markt für Übernahmen und Fusionen wieder kräftig an Fahrt auf. In den vergangenen Tagen gab es gleich mehrere Milliardendeals. Ein besonderer Paukenschlag war die Ankündigung des strauchelnden Industrieriese General Electric (GE) seine Biopharmasparte zu verkaufen. Die Meldung ließ die Aktionäre jubeln. Zeitweilig kletterte der GE-Kurs um beinahe 20%. Seit dem Dezembertief haben die Papiere nunmehr knapp 60% an Wert gewonnen.

Dabei ist die jüngste Kursreaktion durchaus nachvollziehbar. Immerhin fließen General Electric durch den Verkauf rund 20 Milliarden Dollar in bar zu. Der hoch verschuldete Konzern verschafft sich damit bilanziell wieder mehr Freiraum, auch für die Kreditwürdigkeit ist der Deal ein entscheidender Schritt. Zuletzt hatten mehrere Ratingagenturen die Bonität von GE herabgestuft.

US-Wettbewerber schlägt für 21 Mrd. Dollar zu

Die Nachricht war ein Befreiungsschlag. Für gut 21 Milliarden Dollar wechselt das Geschäft mit Laborausrüstung für Biotech- und Pharmaunternehmen den Besitzer. Die Produkte von GE Biopharma setzen Unternehmen ein, die Medikamente erforschen und produzieren. So bietet die Sparte etwa den schlüsselfertigen Aufbau von Bioreaktoren an.

Käufer ist der US-Rivale Danaher. Besonders interessant: Danaher hat laut US-Medienberichten bereits vor einem Jahr bei GE angeklopft und Interesse für die Biopharmasparte bekundet. Beim damaligen Firmenboss John Flannery stieß Danaher aber auf Ablehnung.

Jetzt sind sich beide Unternehmen aber einig geworden. GE-Chef Lawrence Culp, der selbst von 2001 bis 2014 im Vorstand bei Danaher war, fädelt nun den größten Deal des Rivalen ein.

Danaher zahlt den 7-fachen Umsatz

Im vergangenen Jahr hat das Geschäft mit Laborgeräten und anderen Instrumenten für Biotechfirmen und Pharmaunternehmen bei GE rund 3 Milliarden Dollar Umsatz beigetragen. Laut Einschätzung von Analysten zahlt Danaher das 17-fache des erwarteten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Mit der Transaktion setzt Danaher seine Fokussierung auf das Life Science-Geschäft konsequent fort.

Kreditlast wird spürbar gesenkt

Der Mittelzufluss von gut 20 Milliarden Dollar kommt für General Electric gerade zur rechten Zeit. Sie müssen wissen: Der Mischkonzern saß zuletzt auf einem Schuldenberg von über 110 Milliarden Dollar. Mit dem Verkauf könnte die Verschuldung im Bestfall um knapp 20% reduziert werden.

Zuletzt hatte GE Probleme, da zahlreiche Ratingagenturen die Daumen gesenkten hatten und ihre Einschätzungen heruntergenommen hatten. Von den großen Agenturen wurde GE zuletzt nur noch drei Notches über Ramschniveau bewertet und von Fitch zugleich mit einem negativen Ausblick versehen.

Börsengang der Medizinsparte vorerst vom Tisch

Nach dem Deal ist vor dem Deal. Sie können davon ausgehen, dass der Konzernumbau bei GE weiter vorangetrieben wird, aber seine Zeit benötigt. Mit dem Verkauf der restlichen Gesundheitssparte will sich Firmenboss Culp mehr Zeit lassen. Zugleich will sich der Mischkonzern zukünftig auf die Bereiche Luftfahrt, erneuerbare Energien und das operativ angeschlagene Kraftwerksgeschäft konzentrieren. Der Börsengang der Medizinsparte ist aber nach der Milliardentransaktion vom Tisch.

Fazit: Der Verkauf ist grundsätzlich positiv und ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch liegt ein gutes Stück Arbeit vor dem einstigen Vorzeigekonzern. Mit einem Marktwert von 92 Milliarden Dollar ist General Electric nur noch ein Schatten seiner selbst (600 Milliarden Dollar Börsenwert zu Hochzeiten).

Im letzten Jahr war GE vor allem wegen horrender Abschreibungen in der Energiesparte tief in die Verlustzone gerutscht (-22,4 Milliarden Dollar). Zugleich war das Unternehmen nach über hundert Jahren aus dem Dow Jones Index geflogen. Fortschritte im Umbau sind daher lebensnotwendig.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.