General-Electric-Aktie: Kursdebakel beim weltgrößten Mischkonzern

Früher galt die Aktie von General Electric als feste Bank. Mit der breiten Aufstellung des Mischkonzerns profitierten die Anleger bei brummender Konjunktur so gut wie immer.

Doch damit ist jetzt Schluss – diesen Eindruck gewinnt man zumindest, wenn man einen Blick auf den Aktienkurs wirft:

Nach dem jüngsten Kurs-Kollaps notieren die GE-Papiere seit Jahresbeginn mit einem satten Minus von 40% – wohlgemerkt während einer Zeit, in der die US-Märkte beeindruckende Höchststände erklommen haben.

Alleine der Dow Jones Index liegt im gleichen Zeitraum beinahe 18% in der Gewinnzone.

General Electric – Eine Traditionsfirma im Krisen-Modus

Die GE-Anleger werden im Moment auf eine harte Probe gestellt – einst das Aushängeschild der US-Wirtschaft, hat sich der Siemens-Rivale zu einem richtigen Sorgenkind entwickelt:

Seit 2008 purzelten die Jahres-Umsätze von über 180 auf zuletzt nur noch 123 Mrd. Dollar in den Keller.

Einst lagen die Gewinne über der 20-Mrd.-Dollar-Marke, während im letzten Geschäftsjahr nur noch 8,8 Mrd. Dollar erzielt wurden.

Dabei hatte der langjährige Vorstand Jeffrey Immelt, der erst kürzlich zurückgetreten ist, bereits die strategischen Weichen gestellt:

Die Rückbesinnung auf die Wurzeln des Industriekonzerns und die Fokussierung auf die aussichtsreichsten Geschäftsbereiche sollten die Trendwende bringen.

So stampfte Immelt die Tochter GE Capital ein, deren Finanz-Dienstleistungen einst mehr als die Hälfte zum Umsatz beisteuerten.

Im Gegenzug setzte er mit der Übernahme der Energiesparte von Alstom noch stärker auf das Energie-Geschäft – allerdings mit schlechtem Timing.

Der Einbruch der Öl- und Gas-Branche hinterließ tiefe Furchen in der Bilanz.

Neuer Vorstand setzt auf intensive Schrumpfkur

Doch dem neuen Firmenchef John Flannery ist das nicht genug; er holt jetzt zu einem tiefgreifenden Kahlschlag aus:

Zum 2. Mal nach der großen Wirtschaftskrise in den 30er-Jahren will General Electric seine Dividende kürzen.

Das bedeutet, dass die Quartals-Dividende auf nur noch 12 Cent je Aktie halbiert werden soll.

Zudem will sich GE künftig auf die Geschäftsbereiche Gesundheitstechnik, Energie und Luftfahrt konzentrieren.

Darüber hinaus sollen Vermögens-Anteile im Wert von 20 Mrd. Dollar abgestoßen werden.

Welche Sparten dem Sparkus als Erstes zum Opfer fallen werden, ist noch ungewiss.

Spekulationen zufolge stehen das Geschäft mit Flugzeug-Leasing, Beleuchtung und auch das Zuggeschäft auf dem Prüfstand.

Tiefe Einschnitte stehen bevor

Was die Maßnahmen bedeuten, zeigt Ihnen ein Blick auf die nackten Zahlen:

Die Veräußerungs-Pläne betreffen rund 1/5 des gesamten Jahres-Umsatzes. Mit der Dividenden-Kürzung spart der Mischkonzern rund 4 Mrd. Dollar ein.

Dabei setzt der neue Firmenchef auch auf eine Neuaufstellung der Management-Kapazitäten. So soll der Verwaltungsrat verkleinert und die Bürokratie grundlegend abgebaut werden.

Offenbar hatte GE eine so komplexe Größe erreicht, dass sich zunehmend Ineffizienzen breit gemacht haben.

Jahres-Ausblick drastisch gesenkt

Für das Gesamtjahr zeichnete der Konzern bereits bei der Vorlage der Quartalszahlen vor einigen Wochen ein düsteres Bild:

Zuvor hatte der US-Konzern noch einen Gewinn von 1,60 – 1,70 Dollar in Aussicht gestellt, nun soll es lediglich 1,10 Dollar werden.

Der Blick ins 3. Quartal zeigt Ihnen das volle Ausmaß: Der Umsatz legte zwar auf 33,5 Mrd. Dollar zu (+14%), was aber primär am Zukauf des Ölfeld-Ausrüsters Baker Hughes lag.

Beim Gewinn musste GE einen Einbruch um 9% auf 1,8 Mrd. Dollar ausweisen.

Jetzt liegt es an der Konzernführung zu zeigen, dass sie den Riesentanker wieder schnell auf Kurs bringen kann.

Sollten nicht bald Erfolgsmeldungen kommen, dürfte die negative Stimmung den Aktienkurs weiter unter Druck setzen.

15. November 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Richard Mühlhoff. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt