General Electric muss nach 110 Jahren den Dow Jones verlassen

Dieses Ereignis geht in die US-amerikanische Wirtschaftsgeschichte ein: GE muss nach über 100 Jahren den Dow Jones verlassen. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Am Montag dieser Woche habe ich Ihnen hier im Schlussgong über die jüngsten Änderungen innerhalb der deutschen Indexlandschaft berichtet. Zwar gab es zahlreiche Änderungen in den Indizes, doch der Leitindex DAX war davon dieses Mal nicht betroffen. Anders sieht es in den USA aus.

Auch dort werden die Aktien-Indizes von Zeit zu Zeit angepasst und dieses Mal gab es dort einen echten Paukenschlag: Der schon seit längerer Zeit angeschlagene US-Industriekonzern und Siemens-Konkurrent General Electric (GE) wird aus dem US-Leitindex Dow Jones ausgeschlossen. Das teilte das Unternehmen S&P Dow Jones Indices mit.

GE muss nach über 110 Jahren Dow-Jones-Zugehörigkeit den Index verlassen und wird am 26. Juni von der Apothekenkette Walgreens Boots Alliance ersetzt, die laut Indexbetreiber wichtiger für den Index sei.

Angesichts dessen, dass GE bereits seit einiger Zeit arg schwächelt, kommt der Schritt rational betrachtet nicht überraschend. Dennoch ist es ein Paukenschlag. Zumal GE Gründungsmitglied des Dow Jones ist und nach einer kurzen Index-Pause seit 1907 (!) ohne Unterbrechung im wichtigsten US-Index Dow Jones vertreten war.

Die Gründe für den Niedergang und Gegenmaßnahmen

Bereits im November des vergangenen Jahres habe ich an dieser Stelle über die Gründe für den Niedergang von GE geschrieben. Hier noch einmal eine Zusammenfassung:

Sowohl der Umsatz als auch der Gewinn sind bei GE schon seit Jahren rückläufig. Zwar hat der langjährige GE-Chef Jeffrey Immelt, der im vergangenen Jahr seinen Posten geräumt hat, einige Anstrengungen unternommen, um den schrumpfenden Umsätzen und Gewinnen entgegenzusteuern, doch offensichtlich tat er nicht das richtige.

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Eine Rückbesinnung auf die Wurzeln des Industrieriesen GE und die Fokussierung auf besonders aussichtsreiche Geschäftsbereiche sollten die Wende bringen. Doch das gelang nicht. Und so legt der neue GE-Chef John Flannery jetzt die Axt ans Portfolio an. Statt auf 7 Industriesparten will sich GE auf nur noch 3 Kernbereiche konzentrieren.

Neben der Luftfahrt, der angesichts der hervorragenden Auftragslage für das laufende Jahr 7 bis 10% organisches Wachstum zugetraut werden, soll dies die Medizintechnik sein, die ebenfalls wächst und das Energiegeschäft, das mit einem erwarteten Umsatzrückgang von 10% im laufenden Jahr das Sorgenkind im Portfolio bleiben wird.

Die Entwicklung der GE-Aktie

Schauen wir uns abschließend die Entwicklung der GE-Aktie an: Noch zu Beginn des Jahres 2017 notierte die GE-Aktie bei rund 32 US-Dollar. Dann folgte der große Absturz. Ende des vergangenen Jahres notierte die GE-Aktie dann nur noch bei rund 18,50 US-Dollar, was ein Jahresminus von etwa 42% bedeutete.

Im laufenden Jahr verlor die Aktie weitere 30% an Wert und rutschte auf aktuell rund 12,90 US-Dollar ab. Seit Anfang 2017 beläuft sich das Minus damit auf etwa 60%.

Bleibt noch die Frage, wie es weitergeht? Meine Einschätzung: Ob der neue GE-Chef Flannery es schafft, GE wieder in die Spur zu bringen, wird sich zeigen. Derzeit sollten nur mutige Anleger bei GE zugreifen. Zeichnet sich nach mehreren starken Quartalen eine operative Trendwende ab, könnte die Aktie mittel- und langfristig auch für etwas konservativere Anleger wieder interessant werden.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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