Genomic Health: Nächster Milliardenschwerer Biotech-Hammer steht vor der Tür

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Genomic Health: Der nächste Übernahmehammer im Biotechnologiemarkt. Der Kampf gegen Krebs geht in die nächste Runde. Mit der Transaktion werden die Karten auf dem Markt für Krebsdiagnostik neu gemischt. (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Jetzt ist es amtlich und die seit einigen Tagen kursierenden Gerüchte haben sich bestätigt. Exact Sciences will für insgesamt 2,8 Milliarden Dollar Genomic Health, einen Spezialisten für Krebstests, schlucken. Durch den Zusammenschluss entsteht ein neues spannendes Unternehmen auf dem Markt der Krebsdiagnostik. Während die Aktie des Objekts der Begierde Genomic Health naturgemäß auf Grund der gebotenen Übernahmeprämie fester notierte, kletterte auch der Preis der Exact Sciences-Papiere in Richtung Allzeithoch.

Kaufpreis in Cash und Aktien

Im Rahmen der Transaktion sollen die Anleger von Genomic Health für jede Aktie 27,50 Dollar in Cash und 44,50 Dollar in Exact Sciences-Aktien erhalten. Das entspricht einer Prämie von 19% auf den durchschnittlichen Genomic Health-Aktienkurs der zurückliegenden 30 Tage. Auf Grund des zuletzt bereits angesprungenen Kurses liegt die Offerte aber nur 5% über dem Schlusskurs vor dem Tag der Bekanntgabe der geplanten Übernahme.

Wer hinter dem Bieter steckt

Exact Sciences Corporation, ein Molekulardiagnostikunternehmen, konzentriert sich auf die Entwicklung von Produkten zur Früherkennung und Prävention verschiedener Krebsarten in den USA. Das Unternehmen bietet Cologuard an, einen nicht-invasiven Stuhl-basierten DNA-Screening-Test für die Früherkennung von Darmkrebs und Präkarzinom. Es bestehen Lizenzvereinbarungen mit der MAYO Foundation for Medical Education and Research und Hologic.

In den zurückliegenden Jahren sind die Umsätze von dem Krebsspezialisten sprunghaft angestiegen, wenn auch von niedrigem Niveau. Seit 2013 kletterten die Erlöse von 4,1 auf 454,5 Millionen Dollar in 2018. Allerdings schrieb Exact Sciences mit einem Verlust von 175,1 Millionen Dollar weiterhin rote Zahlen.

Kooperation mit Pfizer sorgt für starken Rückenwind

Nach Angaben des Unternehmens wuchs der Umsatz von Cologuard im zweiten Quartal 2019 um 94% gegenüber dem Vorjahr, was nicht zuletzt auf die Marketinganbindung an Pfizer im vergangenen August zurückzuführen ist. Zu Beginn dieses Jahres verzeichnete Exact Sciences einen Anstieg der Zahl der Ärzte, die den Test zum ersten Mal bestellen, um etwa 40% bis 50%. Diese Dynamik könnte bald nochmals zulegen. Momentan hat die Gesellschaft bei der US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung des Krebstests für die Altersgruppe der 45-49-jährigen beantragt, womit ein erhebliches zusätzliches Umsatzpotenzial verbunden ist.

Gigantischer Markt für Krebsdiagnostik

Über 600.000 Amerikaner starben laut National Cancer Institute vergangenes Jahr an Krebs. Mehr als 38 % der Männer und Frauen in den USA werden wahrscheinlich irgendwann im Laufe ihres Lebens einmal mit Krebs diagnostiziert werden. Genau diese Zahl wollen Firmen wie Exact Sciences und Genomic Health drastisch reduzieren. Der Schlüssel liegt in Bluttests, die es ermöglichen, gleich mehrere Krebsarten in sehr frühen Stadien zu erkennen. Bei Erfolg könnten Flüssigbiopsien die Krebsbehandlung für viele Patienten revolutionieren.

Genomic Health bereits profitabel

Auch wenn Genomic Health mit einem Jahresumsatz von 394,1 Millionen Dollar noch in einem frühen Stadium steckt, schaffte es der Konzern bereits in die Gewinnzone. In 2018 blieb ein Reingewinn in Höhe von 25,7 Millionen Dollar hängen. In den zurückliegenden vier Quartalen schrieb die Gesellschaft durchgehend schwarze Zahlen.

1,6 Milliarden Dollar Umsatz im nächsten Jahr

Mit einem Zusammenschluss dürfte ein neuer bedeutender Player auf dem Diagnostikmarkt entstehen. Die Tests beider Firmen ergänzen sich perfekt. Exact Sciences zielt mit seinem Stuhltest auf die Darmkrebserkennung, Genomic Health hingegen auf die Erkennung von Brust- und Prostatakrebs.

Diese drei Bereiche allein stellen etwa 40% aller neuen Fälle von Tumoren dar, so die Unternehmen, die eine kombinierte Marktchance von etwa 20 Milliarden Dollar bedeuten. Bereits im kommenden Jahr rechnen beide Firmen damit, einen Umsatz in Höhe von 1,6 Milliarden Dollar zu erzielen. Dabei soll ein Bruttogewinn von 1,2 Milliarden Dollar hängenbleiben.

Vorstände sind sich einig

Das Ziel des Deals ist klar: Beide Firmen wollen langfristig Biomarker für die 15 tödlichsten Krebsarten identifizieren. Der geplante Zusammenschluss, der von den Vorständen beider Unternehmen bereits genehmigt wurde, soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Nach dem Deal halten die Anleger von Exact Sciences voraussichtlich etwa 91% des fusionierten Unternehmens, während Genomic Health-Aktionäre den Rest besitzen.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.