Genüsse für Ihr Depot: Renditevorsprung gegenüber Bundesanleihen

Genussscheine für Zins- und Steueroptimier ung

Charts:

•10-Jahres-Chart Umlaufrendite Bundesanleihen (Seite G 33/002) •5-Jahres-Chart Genussschein Bertelsmann (Seite G 33/008) •3-Jahres-Chart Genussschein Drägerwerk (Seite G 33/010)

Zinsen bleiben im Euro-Raum niedrig: Bundesanleihen fallen als Renditebringer aus

Die Zinsschere zwischen den USA und dem Euro-Raum geht immer weiter auseinander. Durch 8 Zinserhöhungen in Folge hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) um ihren charismatischen Präsidenten Alan Greenspan den Leitzins auf 3,0% geschraubt. Da die amerikanische Wirtschaft relativ robust mit Raten von 3 bis 4% zulegt, soll das Anziehen der Zinsschraube ein Ausufern der Inflation verhindern.

Im Euro-Raum verharrt der Leitzins dagegen bei 2,0%. Dabei wäre eine leichte Erhöhung des Zinsniveaus auf Grund der steigenden Geldmenge wünschenswert. Die Europäische Zentralbank (EZB) befürchtet jedoch, dass selbst der kleinste Zinsschritt die Konjunktur noch weiter abwürgen könnte.

Angesichts dieser volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird verständlich, dass die Leitzinsen im Euro-Raum zumindest bis 2006 auf einem niedrigen Niveau verharren werden. Das schlägt sich auch in der Rendite für Bundesanleihen nieder. Mit 3,12% erreicht die Umlaufrendite aktuell ein historisches Tief.

Rendite der Bundesanleihen im Sinkflug

6,5 6,0 5,5 5,0 4,5 4,0 3,5 3,0 96 97 98 99 2000 01 02 03 04 05

Die niedrige Umlaufrendite von 3,12% zeigt an, dass die Märkte eine schwache Konjunkturentwicklung und niedrige Zinsen im Euro-Raum erwarten.

Mit einer Bundesanleihe, die eine Rendite von 3,12% abwirft, können Sie trotz der niedrigen Inflationsraten kein Geld verdienen. Nach Inflation, Steuer und Bankgebühren bleibt davon praktisch nichts übrig. Für einen spürbaren Vermögenszuwachs brauchen Sie Zinspapiere, die mindestens 5% Rendite pro Jahr abwerfen. Die Alternative: ausgewählte Genussscheine. Mit einem einfachen Zinstrick können Sie die Nettorendite dieser Depot-Genüsse sogar noch weiter steigern.

Genussscheine: Renditestarke „Exoten“ am Zinsmarkt

Obwohl Genussscheine seit Jahrzehnten an deutschen Börsen gehandelt werden, sind sie in der Öffentlichkeit nicht sehr bekannt. Genussscheine können unterschiedliche Funktionen haben: Mittelbeschaffung für ein Unternehmen oder Bestandteil eines Entlohnungssystems für Mitarbeiter (betriebliche Mitarbeiterbeteiligung).

Speziell Geschäftsbanken und Hypothekenbanken nutzen diese Finanzierungsform. Über 90% der börsennotierten Genüsse stammen von Finanzinstituten. Die meisten neu emittierten Genüsse landen direkt wieder in den Portfolios der Banken, die sich diese renditestarken Zinspapiere sichern. Immerhin bringen selbst konservative Genussscheine mit einem guten Rating eine Mehrrendite von 1 bis 2 Prozentpunkten gegenüber Bundesanleihen.

Ein weiterer Grund, der die Bekanntheit von Genussscheinen einschränkt, ist die relativ geringe Anzahl. Im Sommer 2005 werden in Deutschland rund 200 bis 300 Genüsse gehandelt. Davon können aber nur knapp 50 als liquide bezeichnet werden, haben also regelmäßigen Umsatz an den Börsen. Unter diesen Genusscheinen gibt es aber ausreichend viele attraktive Kandidaten, mit denen Sie Ihr Zinsdepot bereichern können.

Genussscheine sind eine Mischung aus Aktien und Anleihen. Eine genaue Abgrenzung fällt schwer, da der Gesetzgeber keinen klaren Merkmalskatalog vorgibt. Das hat zum einen Vorteile, weil sehr interessante Rendite-Komponenten eingebaut werden können, wie bei der Genussscheinserie der Drägerwerk AG (Seite G 33/009).

Auf der anderen Seite locken die Gestaltungsfreiheiten auch den Grauen Kapitalmarkt an. Wie Sie dubiose Genussschein-Angebote erkennen, erfahren Sie ab Seite G 33/012.

Die wichtigsten Ausstattungsmerkmale von Genussscheinen

Genussscheine sind Wertpapiere, die ein so genanntes „Genussrecht“ in Form einer jährlichen Ausschüttung aus dem Bilanzgewinn des Emittenten (Bank oder Unternehmen) verbriefen. Einige Merkmale passen zu Aktien, andere zu Anleihen.

Parallelen zu Anleihen:

  • Jährliche Zinsausschüttung

  • Kein Stimmrecht auf der Hauptversammlung

  • Rückzahlung zum Nennwert

Parallelen zu Aktien:

  • Erfolgsabhängige Ausschüttung

  • Beteiligung am laufenden Verlust möglich. Verluste beim Emittenten können in einigen Fällen zu einer Aussetzung oder Reduzierung der Rückzahlung führen.

  • Kursabschlag nach der Ausschüttung (ähnlich wie Dividendenabschlag bei Aktien)

  • Nachrangige Bedienung im Konkursfall

Wichtig für die Rendite: Da das Risiko größer ist als bei einer Bundesanleihe, liegt die Verzinsung deutlich höher. Sichere Bank-Genussscheine bieten Ihnen einen Zinsvorteil von 1 bis 2 Prozentpunkten. Mit Unternehmensgenussscheinen können Sie die Renditeerwartung sogar verdoppeln. So haben die Genussscheine von Bertelsmann (siehe Seite G 33/006) in den vergangenen Jahren regelmäßig Renditen zwischen 6 und 7,5% abgeworfen.

Wichtig für die Auswahl der Genussscheine: Laufzeit und Ausschüttung

Da Genussscheine sehr flexibel gestaltet werden können, ist ein reiner Renditevergleich nicht zielführend. Das Wertpapier mit der höchsten Rendite muss nicht der attraktivste Genussschein sein. Wichtig für Ihre Anlageentscheidung sind zusätzliche Kriterien wie Laufzeit und Ausschüttungsregeln.

Feste oder unbegrenzte Laufzeit

Anders als bei Bundesanleihen gibt es bei Genussscheinen nicht immer ein festgelegtes Laufzeitende (Fälligkeit).

2 Varianten sind Standard:

  • Feste Laufzeit

  • Unbegrenzte Laufzeit

Bei der 1. Variante können Sie sich auf ein zeitlich klar begrenztes Investment einstellen. Hat der Emittent den 31. Dezember 2008 als Laufzeitende festgelegt, wird Ihnen der Nominalwert wenige Tage später, im Januar 2009, automatisch gutgeschrieben. Selbstverständlich bleibt es Ihnen unbenommen, den Genussschein schon während der Laufzeit über die Börse zu verkaufen.

Bei Genussscheinen mit unbegrenzter Laufzeit gibt es kein im Vorfeld festgelegtes Fälligkeitsdatum. Selbstverständlich werden aber auch diese Wertpapiere nicht endlos laufen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Papiere fällig zu stellen:

  • Der Emittent kann in den Emissionsbedingungen Kündigungstermine oder Fristen festlegen, die nach Ankündigung ausgeübt werden können.

  • Die Emissionsbedingungen können Kündigungsfristen für die Genussschein-Besitzer enthalten. In diesem Fall können die Besitzer eine Rückzahlung des Nominalwerts fordern.

  • Der Emittent kann die Genussscheine über die Börse zurückkaufen und einziehen.

Verschiedene Ausschüttungs-/Verzinsungsmodelle

Ein wichtiges Unterscheidungskriterium zwischen Genussscheinen und Anleihen ist die Regelung der Ausschüttung.

Bei Bundesanleihen gibt es jeweils an einem bestimmten Tag im Jahr die festgelegte Zinsausschüttung. Genussscheine sind in diesem Punkt wesentlich variabler. Es gibt Genussscheine mit:

  • fester Ausschüttung (wie Anleihen),

  • erfolgsabhängiger Verzinsung und

  • mit variabler Verzinsung.

Einige ganz exotische Genussscheine besitzen sogar noch zusätzliche Options- oder Wandlungsrechte.

Wichtig bei der Auswahl: Höhere Rendite darf nicht zu stark zu Lasten der Sicherheit gehen

Die höchsten Renditen werfen die Genussscheine ab, die bestimmte Risikoklauseln enthalten. Die jährliche Ausschüttung wird in diesen Fällen nur dann ausgezahlt, wenn der Emittent im abgelaufenen Geschäftsjahr bestimmte Gewinnziele erreicht hat.

Bei der Auswahl ist es daher wichtig, die richtige Mischung zu finden: Es muss ein gewisses Restrisiko vorhanden sein (das treibt die Rendite nach oben), gleichzeitig sollte die Ausschüttung mit höchster Wahrscheinlichkeit gesichert sein. Diesen Spagat schaffen die beiden Genussscheine von Bertelsmann und Drägerwerk.

Bertelsmann: Genussschein mit fester Ausschüttung

Zu den umsatzstärksten Genussscheinen in Deutschland gehört das Wertpapier des Medienkonzerns Bertelsmann AG (WKN 522994, ISIN DE0005229942). An Spitzentagen wechseln an der Börse Bertelsmann-Genüsse im Wert von über 1 Mio. € den Besitzer.

Zinssatz × 100 = Rendite Kurs 15 × 100 = Rendite = 6,28% 239

Besonders attraktiv ist der Zinssatz von 15%. Dieser bezieht sich jedoch nur auf den Nominalbetrag. Da der Kurs deutlich höher liegt, aktuell bei 239%, reduziert sich die Rendite für Neueinsteiger entspechend. Berechnung der Rendite:

Die Rendite von 6,28% ist fast genau doppelt so hoch wie die Umlaufrendite der Bundesanleihen.

Dieser Renditevorsprung wird den Anlegern nicht ohne Gegenleistung geboten. Falls Bertelsmann festgelegte Unternehmensziele nicht erreicht, kann die jährliche Ausschüttung ganz oder teilweise ausfallen. Sollte Bertelsmann in eine schwere Krise geraten, wäre sogar das Genussscheinkapital gefährdet.

Diese Erfolgsabhängigkeit der Auszahlung ist ein typisches Merkmal der Genussscheine. Daher ist es sehr wichtig, die Finanzkraft und Glaubwürdigkeit des Emittenten zu überprüfen.

Bei Bertelsmann ist eine genaue Analyse der Finanzkraft schwierig, da das Unternehmen nicht börsennotiert ist und daher nur einen Teil der Unternehmensdaten veröffentlichen muss.

Auf der anderen Seite gehört Bertelsmann seit Jahrzehnten zu den eifrigsten Emittenten von Genussscheinen. Bisher gab es noch nie Schwierigkeiten mit der Ausschüttung. Selbst in Krisenphasen der Medienbranche wie zu Beginn des Jahrzehnts mit dem Zusammenbruch des Kirch-Imperiums als Höhepunkt, wurde der Maximalbetrag von 15% ausgezahlt.

Der Medienkonzern aus dem ostwestfälischen Gütersloh verfügt über verdeckte Reserven, die in schlechten Zeiten aufgelöst werden können. Damit konnten Schwankungen bisher stets ausgeglichen werden. Erfahrungen aus der Vergangenheit sind natürlich keine Ausschüttungsgarantie. Eine jährliche Verzinsung von 6 bis 7,5% ist aber eine ausreichende Entschädigung für die vorhandenen Risiken.

Während Bertelsmann die Ausschüttungshöhe immer konstant halten konnte, ist der Kurs der Genussscheine erheblichen Schwankungen unterworfen. Der Chartverlauf erinnert eher an eine Aktie, weniger an ein festverzinsliches Wertpapier.

Klarer Aufwärtstrend beim Bertelsmann-Genussschein: Kurs hat sich von der Medienkrise gut erholt

250 240 230 220 210 200 190 180 170 160 Jan.01 Jan.02 Jan.03 Jan.04 Jan.05

Die Lage des Unternehmens spiegelt sich im Chartverlauf wider: In guten Zeiten steigt der Kurs, gerät das Unternehmen in eine Krise, kommt es zu zwischenzeitlichen Kurseinbrüchen.

Im Chartverlauf erkennen Sie die Höhen und Tiefen des Medienkonzerns in den vergangenen 5 Jahren. Tiefpunkt war das Platzen der New-Economy-Blase und die Absetzung des damaligen Bertelsmann-Chefs Thomas Middelhoff.

Seit Mitte 2003 geht es mit dem Genussscheinkurs wieder stetig aufwärts. Das hat 2 Gründe: Zum einen hat Bertelsmann zu alter Ertragsstärke zurückgefunden, zum anderen treibt das niedrige Zinsniveau Investoren in die wenigen attraktiven Zinspapiere.

Da die Zinsen im Euro-Raum – wie eingangs beschrieben – noch länger niedrig bleiben werden, ist der Bertelsmann- Genussschein nach wie vor eine attraktive Depotbeimischung. Bei Kursen unter 250% (aktuell 239%) lohnt sich der Einstieg.

Empfehlung des „Geldanlage-Beraters“: Investieren Sie ausschließlich in den oben beschriebenen Bertelsmann- Genussschein mit der WKN 522994 (Ausgabejahr 2001).

KpG-Anlagekonzept* Genussschein Bertelsmann AG WKN 522994, ISIN DE0005229942 mittel- bis langfristige Anlage Bis 20% für Ihr Basis-Investment für Vermögens-Zuwachs * siehe Seite 6, K50/007 oder ab Seite K52/001

Der 1992 von Bertelsmann auf den Markt gebrachte Genussschein (WKN 522990) ist zwar optisch billiger, wird jedoch schlechter verzinst und soll langsam ausgetrocknet werden. Bertelsmann kauft die Genussscheine an der Börse zurück und vernichtet sie anschließend. Zum Stichtag 31.12.2004 war nur noch ein Volumen von 17 Mio. € im Markt. Zum Vergleich: Der neue Genussschein (WKN 522994) hat ein Volumen von 499 Mio. €. Die Liquidität und Handelbarkeit ist also deutlich höher.

Drägerwerk AG: Genussscheine mit variabler Ausschüttung und Hebelwirkung

Eine in dieser Form fast einmalige Ausschüttungsformel macht die Genussscheine der Lübecker Drägerwerk AG, einem Spezialisten für Medizin- und Sicherheitstechnik, zu einem echten Geheimtipp unter den Genüssen.

Die Genussscheine gewähren Ihnen einen Anspruch auf eine jährliche Ausschüttung, die dem Zehnfachen der gezahlten Aktien-Dividende entspricht.

Praxisbeispiel: Auf der Hauptversammlung der Drägerwerk AG sollte am 10. Juni für das abgelaufene Geschäftsjahr 2004 eine Dividende von 0,45 € je Vorzugsaktie beschlossen werden. Die Besitzer der Dräger-Genüsse erhalten dann zeitgleich den Betrag von 4,50 € je Genussschein (10 × 0,45 €). Bei einem aktuellen Genussscheinkurs von 83,00 € können Sie mit einer Rendite von 5,42% rechnen.

Das ist weniger als bei Bertelsmann, dafür verfügen die Dräger-Genüsse über den höheren Gewinnhebel. Sollte Dräger bei positiver Geschäftsentwicklung im nächsten

Jahr die Dividende auf 0,50 € erhöhen, steigt die Rendite bereits auf 6,02% (bei einem Einstiegskurs von 83 €). Wird die Dividende gleich um 10 Cent von 0,45 auf 0,55 € gesteigert (parallel steigt die Ausschüttung der Genüsse auf 5,50 €), läge die Rendite bereits bei 6,63%.

Da die Drägerwerk AG bereits 2004 über 2,00 € je Aktie verdient hat und die Tendenz weiter steigend ist, sind die oben beschriebenen Dividendensteigerungen ein realistisches Szenario. In wenigen Jahren kann die Rendite der Dräger-Genüsse daher deutlich über 6% liegen. Im Gegenzug ist nicht auszuschließen, dass Dräger eine Schwächephase erlebt und die Dividende teilweise oder sogar ganz streichen muss.

Genussscheine mit variabler Ausschüttung haben starke Ähnlichkeiten zu Aktien. Steigt der Gewinn stark an, kommt es zu Kursgewinnen, da die Wahrscheinlichkeit einer üppigen Dividendenerhöhung zunimmt.

Dräger-Genussschein: Außergewöhnlich starker Kursanstieg für ein Zinspapier

80 75 6570 5560 50 45 3540 Jan.03 Jan.04 Jan.05

Der nachhaltige Sprung in die Gewinnzone, die Sanierung der Bilanz und die zukunftsweisende Kooperation mit Siemens beflügeln das Unternehmen seit 3 Jahren.

Bei den Dräger-Genüssen ist daher die Ausschüttungs-Rendite nicht das alleinige Entscheidungskriterium. Aufgrund der variablen und erfolgsabhängigen Ausschüttung reagiert der Kurs der Genüsse sehr stark auf positive und negative Unternehmensnachrichten.

Diese Wertpapiere sind deutlich spekulativer als die festverzinslichen Genüsse von Bertelsmann, dafür locken mittelfristig höhere Ausschüttungen und zusätzliche Kursgewinne.

An der Börse können Sie aktuell 3 Genussschein-Serien von Dräger handeln:

  • Serie A (WKN 555065, ISIN DE0005550651)

  • Serie K (WKN 555067, ISIN DE0005550677)

  • Serie D (WKN 555071, ISIN DE0005550719)

KpG-Anlagekonzept* Genussschein Drägerwerk AG WKN 555065, ISIN DE0005550651 mittel- bis langfristige Anlage Bis 20% für Ihr Chancen- Investment für Mehr Rendite * siehe Seite 6, K50/007 oder ab Seite K52/001

Diese Vielfalt hat sich gebildet, weil Dräger schon frühzeitig das attraktive Instrument für unterschiedliche Ziele (Finanzierung, Mitarbeiterbeteiligung) für sich entdeckt hat. Im Jahr 1983 erfolgte die Börseneinführung der Genussscheine. Seit 1994 erhalten die Mitarbeiter freiwillige Erfolgsbeteiligungen in Form von Genussscheinen. Wir empfehlen momentan ein Kauflimit bis maximal 83 €.

Alle 3 Serien haben ähnliche Ausstattungsmerkmale und werden an der Börse gehandelt. Den höchsten Umsatz weist zur Zeit die Serie A auf. Daher ist diese Serie der Favorit unter den Dräger-Genüssen.

Wie Sie mit Genuss Steuern sparen

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Anleihen und Genussscheinen ist der Zinswert. Während bei Anleihen die bis zum Zinstermin angesammelten Erträge separat ausgewiesen werden (Stückzinsen), sammeln sich die Zinserträge beim Genussschein im Kurs an (Genüsse werden „flat“ gehandelt). Am Tag der Ausschüttung erfolgt ein rechnerischer Kursabschlag in Höhe der Ausschüttung.

Beispiel: Wirft ein Genussschein 7% Zinsen ab, wird am Tag der Zinszahlung der Kurs des Wertpapiers um etwa diesen Betrag fallen. Einen ähnlichen Effekt können Sie auch bei Aktien beobachten: Am Tag der Dividendenauszahlung sackt fast immer auch der Aktienkurs ab. Man spricht hier vom Dividendenabschlag.

Das Ansammeln der Zinsen bei Genussscheinen können Sie für einen legalen Steuertrick nutzen: Wenn Sie einen Genussschein verkaufen wollen, sollten Sie dies wenige Tage vor der nächsten Ausschüttung tun. Im Verkaufserlös sammelt sich dann fast der gesamte Zinsertrag eines Jahres an. Liegt der Kauf des Genussscheins länger als 12 Monate zurück (Ende der Spekulationsfrist), kassieren Sie diesen Ertrag steuerfrei.

Würden Sie dagegen noch eine Woche warten, müssten Sie die erhaltenen Ausschüttungen unabhängig von der Haltedauer als Zinseinnahme versteuern.

Damit Sie diesen Steuerspar-Trick optimal nutzen können, ist es wichtig, dass Sie die Ausschüttungstermine der Genussscheine kennen. Beim Bertelsmann-Genussschein erfolgte die Ausschüttung Mitte Mai, bei den Dräger Genüssen Anfang/Mitte Juni. (Stets am ersten Banktag nach der Hauptversammlung, die dieses Jahr am 10.6.2005 stattfindet.) Kurz nach der Ausschüttung ist für gewöhnlich ein guter Zeitpunkt für den Einstieg, da der Kurs nach der Ausschüttung erfahrungsgemäß sehr niedrig ist.

Vorsicht vor Lockangeboten

Die recht freien Gestaltungsmöglichkeiten führen dazu, dass auch finanzschwache Unternehmen mit eingeschränkter Kreditwürdigkeit oder aber junge Wachstumsunternehmen mit schwacher Kapitalbasis Genussscheine für sich entdeckt haben.

Diese dubiosen Angebote sollten Sie ignorieren. Es gibt einige Kriterien, die zum sofortigen Ausschluss führen:

  • In einigen Verkaufsprospekten heißt es blumig: „Bei unseren Genussscheinen gibt es keine Nerven aufreibenden Kursschwankungen.“ Im Klartext bedeutet das: Diese Genussscheine sind nicht börsennotiert. Sie haben keine Möglichkeiten, den aktuellen Marktwert dieser Genüsse zu kontrollieren.

  • Wichtig ist, dass Sie das Argument entkräften: Kursschwankungen sind kein Übel, sondern zeigen Markteinschätzungen an. Wenn ein Kurs fällt, kann Gefahr im Verzug sein, und Sie können durch einen rechtzeitigen Verkauf Ihren Einsatz retten. Ist ein Wertpapier nicht börsennotiert, fehlt diese wichtige Warnfunktion. Am Tag der Fälligkeit gehen Sie dann im schlimmsten Fall komplett leer aus.

  • Im Kleingedruckten finden sich Hinweise, dass versteckte Kosten anfallen. Das kann eine Art Ausgabeaufschlag sein (Agio), Bearbeitungsgebühren oder andere Renditefresser.

  • Die dubiosen Genussscheinanbieter locken mit jährlichen Renditen von 6 bis 10%. Auch hier findet sich oft erst im Kleingedruckten der Hinweis, dass es sich nur um „prognostizierte Wertsteigerungen“ handelt.

  • Da Sie in der Regel keine Informationen zur Geschäftsentwicklung und zur Bilanzqualität erhalten, ist dieses schwammige Renditeversprechen wertlos. Auch bei seriösen Emittenten wie Bertelsmann und Drägerwerk erhalten Sie keine Garantien, aber es handelt sich dabei um bekannte Konzerne, die im Rampenlicht der Medien stehen und die seit Jahrzehnten ihren Zahlungsverpflichtungen immer nachgekommen sind.

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Checkliste Genussschein-Auswahl

  • Entscheiden Sie sich für eine Laufzeitvariante: Feste Laufzeit oder unbegrenzte Laufzeit. Bei festen Laufzeiten können Sie das Investment zeitlich klar planen und begrenzen. Unbegrenzte Laufzeiten bieten Ihnen mehr Flexibilität, dafür kann der Fall eintreten, dass in der gewünschten Verkaufsphase der Kurs unter Druck gerät und Sie überraschende Kursverluste hinnehmen müssen.

  • Entscheiden Sie sich für eine Zins-Variante: Feste oder variable Verzinsung. Auch hier gilt: Bei einer festen Verzinsung können Sie die jährlichen Ausschüttungen genau berechnen (wenn der Emittent keinen Zahlungsausfall verkünden muss). Bei variablen Ausschüttungsmodellen (Musterfall Dräger-Genüsse) erhalten Sie einen stärkeren Hebel. Ausschüttungshöhe und auch der Kurs schwanken stärker.

  • Wählen Sie nur Genussscheine von Emittenten, die Sie kennen und auch überprüfen können. Vorteilhaft sind Genüsse von börsennotierten Gesellschaften, weil Sie dann die Bilanzen und vielleicht sogar die Quartals- und Halbjahreszahlen als Kontrollinstrumente haben.

  • Genussscheine, die nicht über offizielle Börsen gehandelt werden können, sollten Sie grundsätzlich meiden.

  • Wichtig ist eine ausreichend große Liquidität. Überprüfen Sie, ob der gewünschte Genussschein in den vergangenen Wochen und Monaten regelmäßig an der Börse gehandelt wurde. Ist das der Fall, können Sie die Genussscheine schnell zu Geld machen. Eine Übersicht mit den 30 liquiden Genussscheinen finden Sie im aktuellen Faxabruf unter der Nummer 0711/237776-216.

  • Notieren Sie sich rechtzeitig die Zins-Termine, damit Sie beim abschließenden Verkauf den auf Seite G 33/012 empfohlenen Steuerspar-Trick anwenden können.

Ein „Geldanlage-Berater“-Beitrag von Rolf Morrien.Rolf Morrien ist Chefredakteur des „Depot-Optimierers“ und leitender Redakteur der „Geldanlage-Berater“-Eil-Mitteilungen.

11. Mai 2005

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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