Geplatzte Deals: Was wurde aus Billabong und Ten Network?

Wenn Sie den Übernahme-Sensor häufig lesen, dann wissen Sie, dass nicht nur die spannendsten Transaktionen durchleuchtet werden, sondern das auch vor drohenden Übernahme-Abbrüche berichtet wird.

In den vergangenen beiden Jahren hatte ich Ihnen von den beiden australischen Übernahme-Kandidaten Ten Network und Billabong geschrieben, bei denen ich Sie vor einen Einstieg zur Erzielung von Übernahme-Gewinnen gewarnt hatte. Heute möchte ich einmal zurückblicken, was passierte und wo die Aktien der beiden Unternehmen stehen.

Zankapfel Preis: Großaktionär gegen Discovery/Foxtel-Einstieg

Im November 2013 sorgten Meldungen wie „TimeWarner übernimmt Ten Network“ für Schlagzeilen. Dem amerikanischen Medien-Unternehmen wurde ein Übernahme-Interesse an dem australischen Sender nachgesagt.

Das Interesse stimmte zwar, doch kam es nicht zu einem Deal. Ebenso wenig wurde ein Deal zwischen Ten Network und Discovery Communications vollzogen. Zwar gab es eine lange Bieterliste, doch ein formales Übernahme-Angebot wurde nicht abgegeben.

Dies lag vor allem daran, dass sich der Ten-Großaktionär Bruce Gordon sperrte. Gordon machte klar, dass sein 14.9% Anteil an dem Unternehmen nicht zum Verkauf steht.

Aktie nach Deal-Aus zunächst stark unter Druck – inzwischen wieder mit riskanter Prämie auf Alternativ-Deal

An der Börse in Sydnesy stieg die Aktie im Zuge der Übernahme-Spekulationen auf 0,27 Austral-Dollar (AUD). Der Übernahme-Sensor warnte Sie, dass ein Deal wacklig ist und eine Investition kein attraktives Chancen-Risiko aufwies.

Als klar wurde, dass kein potenzieller Bieter bereit war, einen Preis zu bieten, der die Großaktionäre zum Verkauf bewegen würde, ging die Aktie dann auch zurück. Zu Beginn des Jahres wechselte das Papier zu unter 0,20 AUD den Besitzer – über 25% unter dem Börsenkurs von Anfang November.

Inzwischen ist der Preis zwar wieder bei 0,22 AUD, doch ist es für Entwarnung zu früh. Ten Network ist immer noch schwer angeschlagen und der Preis dürfte auch weiterhin von Übernahme-Spekulanten gestützt werden. Zuletzt wurde berichtet, dass Discovery und Foxtel nicht locker lassen und einen Teil-Einstieg planen.

Der Preis für den Einstieg soll allerdings unter der früheren Preisvorstellung von 0,23 AUD je Aktie liegen. Fraglich, ob sich das Management darauf einlässt.

Ten teilte mit, dass mit vielen Interessenten gesprochen wird. Ob sich daraus jedoch auch etwas positives für die Aktie ergibt, bleibt unklar. Findet sich keine akzeptable Lösung, könnte das Papier sogar erneut unter Druck geraten und unter die Tiefs bei 0,18 AUD rutschen.

Billabong-Pleite abgewendet: Schwacher Trost für Langfrist-Investoren

Bei der australischen Surfermarke Billabong schrieb Ihnen der Übernahme-Sensor, dass nach den gescheiterten Übernahme-Versuchen die Pleite nicht weit ist.Nachdem sich das Unternehmen katastrophal bei Übernahme-Verhandlungen verzockte, ging das Geld aus. Die Aktie brach um über 90% ein.

Zunächst die gute Nachricht: Es gibt Billabong noch – eine Pleite wurde abgewendet! Nächste gute Nachricht: Der Aktienkurs hat sich seit dem Tief im Juli 2013 versiebenfacht. Die schlechte Nachricht: Der Aktienkurs liegt bei 0,61 AUD – und damit immer noch 83% unter dem damals angebotenen Preis.

Wenn Großaktionär oder Management einen Deal vergeigen, schützt nur ein gesundes Unternehmen vor hohen Verlusten

Die beiden Unternehmen zeigen, welche ärgerlichen Risiken im Übernahme-Geschäft auftauchen können. Im Falle von Ten Networks hat ein Großaktionär einen Deal in der ersten Runde verhindert und damit einen Kursrückgang ausgelöst. Die Bieter haben ihr Angebot bereits reduziert. Es bleibt das Risiko weiterer Kursverluste, wenn auch die zweite Verhandlungsrunde scheitert.

Bei Billabong hat die utopische Preisvorstellung des Managements eine Katastrophe ausgelöst. Zunächst wurde in der ersten Runde ein Deal abgelehnt – die Aktie geriet unter Druck.

Dann kam ein anderer Bieter, der Interesse zeigte, aber ein niedrigeres Angebot vorlegte. Zwischen den beiden Geboten lag weniger als ein Jahr und es zeigte sich, dass das Management zu optimistisch war. Dennoch lehnte das Management auch dieses Angebot ab und wieder fiel die Aktie. Am Ende musste das Unternehmen von Finanzinvestoren vor der Pleite gerettet werden.

Wenn Sie sich an Übernahme-Spekulationen beteiligen, dann sollten Sie unbedingt darauf achten, dass der Übernahme-Kandidat auch ohne Deal kaufenswert ist. So können Sie verhindern, dass Ihre Investition stramm Richtung Süden zieht, wenn Management oder Großaktionär die Übernahme-Verhandlungen platzen lassen.

27. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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