Gerät die Wirtschaft der Eurozone in einen Abschwung?

Langsam aber sicher gerät der Wirtschaftsaufschwung in Europa selbst massenmedial ins Stocken. (Foto: maradon 333 / shutterstock.com)

Anscheinend ist es nun wirklich vorbei mit dem angeblich starken und dynamischen Aufschwung der Wirtschaft in Europa. Selbst massenmedial gibt es nun erste Zweifel über die Robustheit der Konjunktur. Steht nach dem sog. XXL-Aufschwung ein langer Abschwung bevor?

IWF mit pessimistischer Prognose

In diesen hochsommerlichen Tagen war es der IWF, der reichlich Wasser in den Konjunkturwein der Optimisten in Europa goss. Die Wirtschaft in der Eurozone müsse sich nach Einschätzung des IWF in den nächsten Jahren auf deutlich nachlassende Wachstumsraten einstellen. Die Experten verwiesen dabei auf eine ganze Reihe an gravierenden Risiken. Unter dem Strich werde die hohe Wachstumsrate des vergangenen Jahres in den kommenden Jahren nicht mehr erreicht werden können.

Risiken im Fokus

Spannend ist in dem Kontext ja immer, welche Risiken der IWF konkret aufführt. Wie nicht anders zu erwarten stellt der von US-Präsident Trump entfachte Handels- und Zollkonflikt ein großes Risiko für die europäische Exportwirtschaft dar. Aber die Ökonomen des IWF kritisieren auch die Staaten der Eurozone, dass sie nicht genug dafür tun würden, ihre Volkswirtschaften krisenfester und robuster aufzustellen. Ferner schwebe die Gefahr eines ungeordneten Brexit wie ein Damokles-Schwert über dem alten Kontinent.

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Und hier hat der IWF ja ausgerechnet, dass ein Ausstieg der Briten ohne neue Handelsvereinbarungen mit der EU das BIP der verbliebenen EU-Staaten jährlich um rund 1,5 Prozent schmälern würde. Voll zum Tragen würden die Brexit-Auswirkungen dem IWF zufolge wahrscheinlich in fünf bis zehn Jahren kommen. Angesichts mangelnder Fortschritte in den aktuellen Brexit-Verhandlungen sei die Gefahr eines ungeordneten Brexit sehr hoch. Darüber hinaus moniert der IWF die schwache Entwicklung der Produktivität in der EU und die ungünstige demografische Konstellation in den kommenden Jahren.

Ja, liebe Leser, unter dem Strich sind die Risiken für die Wirtschaft in Europa gewaltig. Und angesichts derartiger Rahmenbedingungen bleibt dem IWF zufolge auch die Inflation vergleichweise niedrig. Die Ökonomen betonen, dass es noch Jahre dauern wird, ehe die Euro-Notenbank EZB ihr selbst gestecktes Ziel in Höhe von knapp zwei Prozent für die gesamte Eurozone wird erreichen können.

Für 2018 und das kommende Jahr 2019 sagt der IWF der Eurozone jeweils eine Teuerungsrate von 1,7 Prozent vorher. Unter dem Strich kann also von einer galoppierenden Inflation nicht die Rede sein. Im Gegenteil, die Gefahr ist groß, dass bei einer massiven wirtschaftlichen Abschwächung das Thema Deflation wieder auf die Agenda kommt.


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.