Geringe Weinernte, Bier auf Tiefpunkt, Wasser boomt

Je älter die Deutschen werden, umso weniger Alkohol trinken sie. Aber auch junge Menschen trinken tendenziell weniger. (Foto: Fotazdymak / Shutterstock.com)

Im vergangenen Jahr wurde weltweit so wenig Wein produziert wie zuletzt 1961. Widrige Wetterverhältnisse wie Frost noch im April sowie Hagel und Trockenheit im Sommer sorgten für eine historisch geringe Erntemenge von weltweit 246,7 Mio. hl. Allein gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von 8,2%. In Europa schrumpfte die Ernte sogar um 14% auf 146 Mio. hl.

Alle wichtigen europäischen Anbaugebiete waren betroffen, besonders Frankreich, Italien und Spanien, auf die 44% der weltweiten Weinproduktion entfallen. Mehr Wein erzeugten dagegen Australien und Argentinien. Weil aber gleichzeitig der Konsum sinkt, bleibt es bei einem Überangebot, sodass Weinliebhaber keine höheren Preise befürchten müssen.

Bierabsatz auf dem Tiefpunkt

Auch für die deutschen Bierbrauer war 2017 ein schwieriges Jahr. Es gab kein großes Sportereignis, das den Absatz hätte ankurbeln können. Hinzu kam das schlechte Wetter in den Sommermonaten. Es gibt aber auch noch andere Gründe: Je älter die Deutschen werden, umso weniger Alkohol trinken sie.

Aber auch junge Menschen trinken tendenziell weniger Alkohol als früher. Expertenschätzungen zufolge dürfte der Absatz im Inland um 1,8% gesunken sein. Schon 2016 hatte der Absatz in Deutschland mit 79 Mio. hl einen Tiefpunkt erreicht. Wachstumspotenzial bieten allenfalls alkoholfreie und Craft-Biere, deren Anteil am Gesamtabsatz aber noch sehr gering ist.

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Mineralwasser wird immer beliebter

Waren es 2014 noch 12,4 Mrd. Liter, so wurden 2016 schon 13,8 Mrd. Liter Mineralwasser in Deutschland produziert. Im vergangenen Jahr dürfte sich der Aufwärtstrend fortgesetzt haben. Besonders beliebt sind Medium- und stille Wässer aus regionaler Produktion. Der Import macht nur etwa 10% des Gesamtmarktes aus. Daran dürfte sich in Zukunft auch nicht viel ändern. Vermutlich nicht ganz zu Unrecht. So wird Nestlé in den USA vorgeworfen, gewöhnliches Grundwasser als Markenwasser verkauft zu haben.

Softdrinks im Visier des Fiskus

Cola und Fanta haben ein schlechtes Image, denn sie sind nachweislich ungesund. Deshalb haben weltweit bereits mehr als 30 Länder aus gesundheitspolitischen Gründen eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke beschlossen. Von der Weltgesundheitsorganisation wird diese Maßnahme begrüßt. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, die in der Steuer eher eine neue Einnahmequelle sehen als ein geeignetes Mittel zur Bekämpfung von Diabetes.

Denn die meisten Konsumenten werden sich von höheren Preisen nicht abschrecken lassen. Dennoch reagieren Brausehersteller wie Coca-Cola auf das veränderte Gesundheitsbewusstsein. Um neue Kunden zu gewinnen, soll der Zuckeranteil in den Getränken bis 2020 um 10% reduziert werden.

Fazit

Von den hier besprochenen Unternehmen überzeugt uns nur Schloss Wachenheim. Der Sekthersteller wächst profitabel und ist im Branchenvergleich äußerst günstig bewertet. Auch die Dividendenrendite kann sich sehen lassen. Diageo, Pernod Ricard und Campari profitieren zwar vom Trend zu Hochprozentigem, sind aber schon sehr teuer. Das Kurspotenzial ist begrenzt. Anheuser-Busch InBev hat die SABMiller-Übernahme noch nicht vollständig verdaut. Hohe Schulden, schwacher Bierabsatz sowie die hohe Bewertung bremsen die Kursentwicklung.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.