German Pellets: Tausende von Kleinanlegern bangen um ihr Geld

Vor knapp 2 Wochen stellte German Pellets, nach eigenen Angaben weltweit größter Hersteller von Holzpellets, einen Insolvenzantrag. Spätestens seitdem bangen zahlreiche Kleinanleger aus Deutschland um ihr Geld.

German Pellets hatte insgesamt 226 Mio. Euro in Deutschland mittels sogenannter Mittelstandsanleihen eingesammelt und 44 Mio. Euro mittels Genussrechten (das ist das Instrument, mit dem sich das Pleiteunternehmen Prokon vorrangig finanzierte). Zusätzlich hat das Unternehmen 546 Mio. US-Dollar über indirekt mit German Pellets verbundene Gesellschaften in den USA eingesammelt.

Nach einem Bericht des „Handelsblats“ soll die Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde von der Kanzlei White & Case gerade einmal 5.000 Euro vorgefunden haben als sie vor knapp 2 Wochen ihren neuen Job bei dem in Weimar ansässigen Unternehmen German Pellets antrat.

Fortführung des Geschäftsbetriebs schwierig

Seit Donnerstag vor 2 Wochen wühlen sich nun Schmudde und ihr Team durch Daten und Unterlagen und prüfen in Gesprächen mit der Geschäftsführung und dem Management, ob eine Fortführung des Geschäftsbetriebs möglich ist und ob German Pellets saniert werden kann.

Eine Fortführung des Geschäftsbetriebs dürfte angesichts der mehr als angespannten Liquiditätslage von German Pellets jedoch äußerst schwierig werden. Neue finanzielle Mittel müssten aus sogenannten Massekrediten oder von Investoren kommen. Immerhin sichern – wie aus einer Pressemitteilung von Schmudde hervorgeht – staatliche Hilfen die Gehälter der 280 Mitarbeiter noch bis Ende März.

Angesichts der leeren Kassen wundert es allerdings, dass das Unternehmen zunächst einen Antrag auf Insolvenz in Eigenregie gestellt hatte. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt.

Zwar wies das Unternehmen in seinem Zwischenbericht zum 1. Juni 2015 noch einen Kassenbestand in Höhe von 14 Mio. Euro aus, doch dieses Geld ist inzwischen verschwunden. „Es ist gut möglich, dass dies nicht mehr der Realität entsprach und große Teile der Kassenbestände und Schecks schon verpfändet waren“, hieß es laut „Handelsblatt“ aus Unternehmenskreisen.

Fazit: Seien Sie vorsichtig bei hohen Zinsversprechen

Abschließend nochmals meine Empfehlung, die ich Ihnen regelmäßig gebe, wenn ich über derartige Anlagen schreibe: Das Lockmittel und Werbeargument im Zusammenhang mit Mittelstandsanleihen und -Genussscheinen sind die vergleichsweise hohen Zinsen (im Fall German Pellets über 7%).

Das genannte Beispiel zeigt Ihnen jedoch, dass in der aktuellen Niedrigzinsphase derartige Zinsversprechen fast immer mit großer Vorsicht zu genießen sind.

Ich habe mich bereits vor Monaten darüber gewundert, warum German Pellets derart hohe Zinsen zahlt und zugleich auch noch einen enorm hohen Werbeaufwand betreibt (wohl auch betreiben musste), um die Anleihen an den Mann oder die Frau zu bringen.

Denn: German Pellets war seit einiger Zeit Stammgast auf den meisten Börsentagen und sonstigen Finanzmessen in Deutschland und war dort nicht unbedingt mit kleinen (und somit günstigen) Messeständen vertreten.

23. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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