Gerresheimer: Anleihe-Risiko im Mittelstand – die Rating-Falle

Ramsch oder Rendite: Am Ende der Laufzeit fällt die Entscheidung. Hier die Risiken - und eine Empfehlung. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Wir haben hier in jüngster Zeit einige Male vor den Anleihen des neuen Segments „Mittelstand“ an den deutschen Börsen gewarnt. Hintergrund ist deren lange Laufzeit, das schlechte Rating sowie die hohen Schulden. Wie gemalt in diesem Zusammenhang die optimistische Einschätzung einer Magazin-Redaktion, die einige der Risiken unterschätzt. Wir warnen Sie – leider – vor der Gerresheimer-Anleihe. Das Risiko ist zu hoch, das Rating ist schlecht.

Zahlen sind gut, aber nicht gut genug

Die Zahlen des Unternehmens wären interessant, wenn Sie die Aktien kaufen wollten. Allerdings sind Sie bei einer Anleihe darauf angewiesen, dass das Unternehmen jederzeit den Eindruck macht, zurück zahlen zu können. Gelingt dies nicht, wird der Kurs während der Laufzeit bereits stark einbrechen. Damit aber wäre schon ein wichtiges Kriterium nicht erfüllt: eine solche Anleihe müssen Sie jederzeit liquidieren können.

Zum Laufzeitende droht sogar die Gefahr, dass ein solches Unternehmen gar nicht zurück zahlen kann. Folge: Sie würden nur eine Bruchteil Ihrer Investition zurückerhalten. Der Zinskupon in Höhe von 5% des Ursprungswertes der Anleihe tröstet über dieses Risiko kaum hinweg.

Zu den konkreten Zahlen, die stellvertretend für das oft hohe Risiko an den Mittelstandsbörsen stehen:

  • Gut ist: Gerresheimer steigert den Umsatz aktuell um 5,6% im ersten Halbjahr. Der Umsatz beträgt nunmehr 521,1 Millionen Euro.
  • Gut ist: der Umsatz im gesamten Jahr soll um fast 7% steigen.
  • Gut ist: Das Ergebnis „vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern“ (das berühmte „Ebitda“ vieler Analysten) steigt um 3,6% und beträgt 98 Millionen Euro. Setzen Sie diese Zahl in Bezug zum Umsatz, errechnet sich eine Rendite in Höhe von fast 20%.
  • Schlecht aber ist: die Eigenkapitalquote sank von 39% auf 36%. Diese Quote zeigt den Überschuss des Vermögens über die Verbindlichkeiten an (Eigenkapital) und dessen Verhältnis zur gesamten Bilanzsumme. Der Wert von 36% ist noch gut. Die Tendenz aber ist bedenklich.
  • Schlecht ist: Das Rating von „BBB-“ bei Standard&Poor’s hält immer noch viele institutionelle Investoren von einem Engagement ab.
  • Schlecht ist: Die „Nettofinanzschulden“ sind gestiegen. Diese betragen nunmehr das 1,8fache des Ebitda, also des „operativen“ Gewinns. Selbst ohne anderweitige Verwendung des Geldes aus Gewinnen braucht Gerresheimer also mehr als 1,5 Jahre, um die Schulden zurückzuzahlen. Der Wert betrug vorab 1,5.

GeVestor meint: Ein Alarmzeichen ist das Ramsch-Rating von Moody’s. Dieses verbleibt bei Ba1. Damit stünden Sie als Investor mit der Anleihe allein – auch Versicherungen können kaum kaufen. Wer diese Anleihe hält, kann bei diesem Rating bis zum Ende der Laufzeit 2018 kaum zu vernünftigen Kursen verkaufen. Das Risiko bleibt bei Mittelstandsanleihen zu hoch. Alternativen sind Aktien mit einer hohen Dividendenrendite – so haben Aktien wie Allianz oder Münchener Rück Renditen von deutlich mehr als 6%.

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Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

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