Gerry Weber-Aktie: Warum die Sanierung noch lange dauern wird

Zugegeben: Die Mode-Branche zählte in den vergangenen Monaten nicht zu den Lieblings-Sektoren der Anleger – und das aus gutem Grund:

Denn es hagelte Gewinn-Warnungen nahezu quer durch die Bank.

Bei Steilmann musste sogar Insolvenz angemeldet werden, bei Rudolf Wöhrl wurde gerade Gläubigerschutz beantragt.

Auch der langjährige Anleger-Liebling Gerry Weber steckt tief in der Krise.

Aggressive Expansion rächt sich

Von seinen Glanzzeiten ist der deutsche Modekonzern mittlerweile meilenweit entfernt. Jahrelang expandierte Gerry Weber – Umsatz- und Gewinn-Steigerung standen auf der Tagesordnung.

Von 2010 bis 2014 erreichte die Mode-Firma sogar noch beeindruckende Gewinnspannen zwischen 8,34% und 9,83%. Doch seither geht es steil bergab.

Die allgemeine Absatz-Schwäche, gepaart mit zu langen Entwicklungs-Zeiten, nicht mehr zeitgemäßen Kollektionen und der Druck durch das Online-Geschäft der Konkurrenz drückte auf die Zahlen.

Zugleich rächten sich die hohen Kosten auf Grund der aggressiven Expansion. Lediglich die übernommene Tochter Hallhuber zeigt noch kräftige Zuwachsraten.

Sanierung in vollem Gange….

Firmenchef Ralf Weber hat deshalb ein striktes Restrukturierungs-Programm festgelegt. 40 Filialen sind bereits geschlossen worden, bis zum Ende des Geschäftsjahres sollen 35 – 40 weitere hinzukommen.

Damit will sich die Mode-Firma nach der jahrelangen Expansion wieder gesund schrumpfen. Insgesamt sollen 103 Geschäfte dicht machen.

Im Rahmen des sogenannten „Fit-4-Growth“-Programms sollen gut 700 Stellen gestrichen werden. Das entspricht 10% der gesamten Belegschaft.

…..drückt aber spürbar auf die Kosten

Das Sparprogramm verursacht aber erst einmal hohe Kosten. Einmalige Aufwendungen und Abschreibungen von 36 Mio. € werden das Vorsteuer-Ergebnis (EBIT) 2015/16 auf 10 – 20 Mio. € drücken.

Bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr sank der Gewinn um fast 1/3.

Gerry Weber mit Quartals-Verlust

Die jüngsten Zahlen zeigen Ihnen das wahre Ausmaß: Im Zeitraum Mai – Juli des Bilanzjahres 2015/16 sank der Umsatz um 3 Mio. € auf 194,8 Mio. € (-1,5%).

Beim Gewinn sah es sogar noch deutlich schwächer aus: Hier musste das Mode-Unternehmen sogar einen Verlust von 6,9 Mio. € ausweisen (Vorjahr: +1,8 Mio. €).

Gut läuft es aktuell nur bei der Mode-Marke Hallhuber, die deutliche Zuwächse verzeichnen konnte. Die Gerry-Weber-Kernmarken (Gerry Weber, Taifun und Samoon) büßten hingegen 9,8% an Erlösen ein.

Prognose wird beibehalten

Trotz der schwachen Zwischenbilanz hält Firmenchef Weber an seiner Prognose fest. Der Vorstand rechnet erfahrungsgemäß mit einem deutlich stärkeren 4. Quartal.

Für das Gesamtjahr peilt er bei einem Umsatz von 890 – 920 Mio. € einen Vorsteuer-Gewinn von 10 – 20 Mio. € an.

Wenn Sie davon ausgehen, dass die Mode-Firma die Mitte trifft, dann könnte bei der sonst üblichen Steuerquote etwa 0,18 € je Aktie an Gewinn hängen bleiben.

Somit wäre die Aktie trotz des horrenden Kursverfallls von 70% seit dem Sommer 2014 immer noch mit dem mehr als 60-Fachen des erwarteten Gewinns bewertet.

Damit wird klar, dass die Anleger bereits den schnellen Turnaround einpreisen.

16. September 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Richard Mühlhoff. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt